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Blog der Stadtschulpflegschaft Duisburg - Die Elternvertretung in der Stadt Duisburg

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29. Dezember 2011

Strenge Regeln als Erfolgsmodell

Wer zu spät kommt, darf nicht mehr in die Klasse. Handys sind verboten, Kaugummis auch: Seit an einer Berliner Schule Strenge herrscht, sind die Anmeldezahlen explodiert.


Hüseyin ist noch außer Atem, als er das Büro des Schulleiters Michael Rudolph betritt. Das Schuljahr ist keine sieben Wochen alt und der 14-Jährige kam fünfmal zu spät; im vorigen Schuljahr insgesamt elfmal. Seine Eltern wurden schon mehrmals in die Schule bestellt, kamen aber nie. Sie können kein Deutsch lesen, sagt Hüseyin, und verteidigt seine Verspätung: “Ich bin umgezogen, es ist so weit weg.”

Mit seinen Verspätungen ist Hüseyin inzwischen eine Ausnahme. Denn an der Bergius-Schule in Berlin-Friedenau, einer Sekundarschule, herrschen klare Regeln: Wer nicht pünktlich da ist, steht vor verschlossenen Türen, muss klingeln und bekommt eine Strafaufgabe: im Herbst die Blätter zusammenfegen, im Winter den Schnee. Irgendetwas findet sich immer. Wer sein Sportzeug vergisst, hilft während der Sportstunde dem Hausmeister. Nach drei Verspätungen bekommen die Eltern Post. Fehlt ein Schüler ohne bekannten Grund, werden sie direkt angerufen. Kaugummis, Handys und Mützen auf dem Kopf sind im Unterricht verboten.
Hüseyin und Michael Rudolph sitzen sich gegenüber an dem alten Holztisch in Rudolphs Büro voller Bücherregale. Der Schulleiter im Anzug mit Seitenscheitel im grauen Haar und Oberlippenbart, der Achtklässler in Trainingsjacke und Turnschuhen und mit erstem Bartflaum. In der Ecke hängen die europäische, die deutsche und die Berliner Flagge und ein Porträt des Bundespräsidenten.


Rudolph fragt, was Hüseyin mal werden wolle. Der Achtklässler zuckt mit den Schultern. Autoverkäufer vielleicht. Er schaut auf den Boden, während Rudolph sagt, dass auch Autoverkäufer pünktlich zu Terminen erscheinen müssten. Hüseyin soll gleich aufschreiben: “Mein Schulleiter möchte meinen Vater schnellstmöglich sprechen”, und diesen Zettel muss er morgen mit der Unterschrift seines Vaters wieder mitbringen. Eine Woche lang wird Hüseyin noch vor Unterrichtsbeginn den Hof saubermachen.

Was altbacken klingt, ist erfolgreich

Michael Rudolph führte diese Regeln ein, als er 2005 an die Bergius-Schule kam. In den Jahren zuvor hatte er an einer Schule in Kreuzberg gearbeitet und sich dort den Ruf erworben, Berlins strengster Schulleiter zu sein. “Es ist ein Kernbereich der Erziehung, Signale auszusenden, wenn sich jemand falsch verhält”, sagt er. “Wir wollen das Verhalten der Schüler, wenn irgend möglich, positiv beeinflussen”.

So altbacken das klingen mag, sein Konzept ist erfolgreich: Als Rudolph kam, stand die Bergius-Schule kurz vor der Schließung. Für das neue Schuljahr waren gerade einmal 38 Schüler für 116 Plätze im siebten Jahrgang angemeldet, der Rest wurde zugewiesen. Ein Jahr später waren es 91 Anmeldungen, 2011 dann 155 für 125 Plätze. Michael Rudolph hat eine Problem- in eine Musterschule verwandelt. Die Bergius-Schule hat heute auch unter Lehrern einen guten Ruf. Den Übergang von der Realschule zur Sekundarschule, die in Berlin mittlerweile Haupt- und Realschule zusammenfasst, hat sie gut überstanden.


Das Berliner Konzept ist nur ein Teil, was den Erfolg ausmacht. Die zweite Säule, ohne die es nicht funktioniert: Zuwendung und Respekt, die seitens der Lehrer den Schülern entgegen gebracht werden. Nur im Doppelpack funktioniert das.
Ohne diese wichtige zweite Säule hätte man amerikanische Drill-Camps, die nur eines fördern, nämlich den Drang, auf der Seite des Stärkeren zu stehen ohne Achtung vor dem Gegenüber.

Diese Doppelstrategie muss ganz deutlich als solche hervorgehoben werden. Sie wendet sich nämlich gleichermaßen gegen jene, die nur auf Kuschelkurs aus sind, als auch auf die, die nur einseitig Höchststrafen fordern!

23. Dezember 2011

Schulhaushalt 2012: Investitionen in Ganztagsausbau, Inklusion und Schulleitungszeit

Der Entwurf für den nordrhein-westfälischen Schulhaushalt sieht für das kommende Jahr 2012 insgesamt rund 15 Milliarden Euro vor. Mit rund 26 Prozent der Gesamtausgaben ist dies der größte Einzeletat im Landeshaushalt NRW. “Bildung hat für die Landesregierung Priorität. Wenn wir heute in Bildung investieren, profitiert in Zukunft die gesamte Gesellschaft”, sagte Schulministerin Sylvia Löhrmann.

Im Etat 2012 sind mehr als 400 Lehrerstellen für den Ausbau des Ganztags in allen Schulformen vorgesehen. Damit sollen unter anderem 10.000 zusätzliche Plätze für den offenen Ganztag an den Grund­schulen eingerichtet werden. Insgesamt stehen dann im Schuljahr 2012/2013 rund 255.000 Plätze für den offenen Ganztag im Primar­bereich zur Verfügung. In der Sekundarstufe I gibt es außerdem mehr als 1.000 Schulen mit Ganztagsangebot. Ministerin Löhrmann: “Mit dem weiteren Ausbau des Ganztags setzen wir die Empfehlungen der Bildungskonferenz und die Ziele der Koalitionsvereinbarung um.”

Mit mehr als 220 Stellen im Haushalt 2012 wird die Leitungszeit für Schulleiterinnen und Schulleiter der weiterführenden Schulen ausge­baut. Rektorinnen und Rektoren der Grundschulen waren bereits mit dem Etat 2011 entlastet worden. “Das ist ein Signal der Wertschätzung an die Schulleiterinnen und Schulleiter. Sie erhalten endlich mehr Zeit, sich um ihre wichtigen Leitungsaufgaben zu kümmern”, sagte die Ministerin. “Ganz nach dem Motto: Keine gute Schule ohne gute Schul­leitung.”

Der Haushaltsentwurf 2012 sieht außerdem 290 Lehrerstellen für die schrittweise Absenkung des Klassenfrequenzrichtwertes in der Grundschule vor. Wie im Schulkonsens der Fraktionen von CDU, SPD und Grünen vereinbart, soll der Klassenfrequenzrichtwert schrittweise den Wert von 22,5 erreichen. In einem ersten Schritt wird daher der Klassenfrequenzrichtwert von derzeit 24,0 auf 23,75 im Schuljahr 2012/2013 abgesenkt. Ministerin Löhrmann: “Mit dieser Absenkung flankieren wir unser Konzept zur Sicherung eines qualitativ hochwer­tigen und wohnortnahen Grundschulangebots in NRW, das dem Landtag jetzt zugeleitet wurde.”

Für die Ersatzschulen sind im Haushalt 2012 zusätzliche 43,5 Millionen Euro eingeplant. Bereits mit dem Vorjahreshaushalt hatte die Landes­regierung 76,3 Millionen Euro mehr für die Ersatzschulfinanzierung zur Verfügung gestellt. Damit werden zu gering veranschlagte Haushalts­mittel der Vorgängerregierung ausgeglichen und gestiegene Kosten aufgefangen. Insgesamt hat die neue Landesregierung die Mittel für die Ersatzschulen seit Übernahme der Regierungsverantwortung dann um rund 119,8 Millionen Euro erhöht.

Einen weiteren Schwerpunkt setzt die Landesregierung bei mehr gemeinsamem Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung (Inklusion). Dafür sind im Haushaltsentwurf 240 Lehrerstellen zusätzlich vorgesehen, mit denen unter anderem Integrative Lerngruppen ausge­baut werden können. Insgesamt stehen für das Schuljahr 2012/2013 dann 1.175 Stellen zur Verfügung, mit denen Schulen im Inklusions­prozess und bei der Einrichtung von Integrativen Lerngruppen unter­stützt werden. “Damit haben wir die Voraussetzungen geschaffen, den Weg zur inklusiven Schule weiter gehen zu können”, sagte Ministerin Löhrmann.

Allgemeine Informationen: In Nordrhein-Westfalen gab es im Schuljahr 2010/2011 rund 6400 Schulen, rund 2,75 Millionen Schülerinnen und Schüler und rund 198.000 Lehrerinnen und Lehrer. [Die aktuellsten statistischen Daten stammen aus dem Schuljahr 2010/2011.]

Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, Telefon 0211 5867-3505 oder -3506.

21. Dezember 2011

Selbstversuch: Lehrer + Schüler + Facebook

Manchmal fühle ich mich wie eine Laborratte. Da rennst du durch ein Labyrinth auf der Suche nach Futter und weißt nie, ob hinter der nächsten Ecke ein Stück Käse oder ein schmerzvoller Stromschlag auf dich wartet. Ähnlich scheint es mir mit den sozialen Netzwerken: Gespannt wie ein Flitzebogen twittern und posten wir uns durch die Welt, ständig auf der Suche nach irgendeinem leckeren Käse, manchmal macht’s „Boing“, aber dann gleich weiter: Running Man. Running Woman.

Derzeit finde ich das Hype-Thema „Facebook“ sehr spannend:

Erstens, weil die alten Medien verzweifelt versuchen, Facebook tot zu reden und zu schreiben. Ich habe einen Google-Alert auf „facebook“ gesetzt: 90 % Negativmeldungen aus der Ecke Print und TV, die zu Recht Angst um ihre Quoten und damit ihre Werbeeinnahmen und ihre Jobs haben. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis diese bemerken, dass sich kein vernünftiger Mensch heute mehr dem Zeit- und Themendiktat der Redakteure aussetzen lassen will.

Zweitens, weil die von Kruse auf der re:publica 2010 (Teil1, Teil2, Teil3) so schön beschriebene Wertediskussion „Facebook oder nicht“ tagtäglich im Lehrer-Konferenzzimmer ein Thema ist: Teilweise entschuldigend („Ich habe mich wieder abgemeldet, ich habe keine Zeit dafür“, „… da kommen so viele Schüleranfragen“, „… ich weiß nicht, was ich da reinschreiben soll“, „… mir fehlt da die Gesamtperson“), teilweise schlagzeilen-wiederholend („Facebook hat eine Ehe zerstört“), vereinzelt positiv. Kruse hat dargelegt, dass bei einer Wertediskussion die Fakten unstrittig sind. Jede Diskussion kommt einer Missionierung gleich und es ist fast unmöglich, Einstellungen, Vorurteile und Prägungen durch Gespräche zu verändern, das funktioniert nur durch Erfahrungen.

Seit zwei Jahren nutze ich Facebook. Der Versuchsleite beobachtete bei mir (als Laborratte) folgende Themen bei Postings:

Postings aus dem professionellen Umfeld als Lehrer (Lehren, Lernen, Unterricht, Schule, etc.)
Postings über Bereiche, die Unterrichtsfächer betreffen (Wirtschaftskunde, Politische Bildung, Englisch, Informatik, …)
Postings über Lehreralltag („Klassenarbeiten verbessert“, …)
Postings über das Fernstudium eeducation
Postings über einige private Aktivitäten (Kinobesuch, Buchtipp, …)
Postings, bei denen der Leser lachen kann

Meine knapp 300 „Freunde“ habe ich in folgende Liste unterteilt: Schüler (größte Gruppe), Lehrer, Freunde, Verwandte, Bekannte, Important People, Politiker, Don’t know. Jede Freundschaftsanfrage von Schülern oder Ex-Schülern wird bestätigt, ich sende selbst allerdings keine Freundschaftsanfragen an Schüler aus. Die Nutzung von Facebook als Lehrer ist in den letzten Monaten erstaunlich gut gelaufen.

Bisherige Erfahrungen und Erkenntnisse:

Meinen Schülern (15 – 20 Jahre) ist durchaus bewusst, wer bei ihnen mitlesen kann und sie posten dementsprechend vorsichtig bzw. chatten dann mit ihrem Partner, wenn sie sich über Lehrkräfte austauschen.
Ganz, ganz wenige Ex-Schüler (>20 Jahre) fallen auf, dass sie sich unvorteilhaft über Job und Kollegen äußern. Häufiges Thema: Langeweile im Job. Ganz wenige posten, dass sie gerne zur Arbeit gehen ;-)
Persönliche Nachrichen an mich sind eine Seltenheit, ca. eine pro Woche.
Die meisten Apps habe ich gesperrt und sehe sie deshalb nicht.
Den Chat habe ich ausgeschaltet.

Insgesamt plätschert die Facebook-Schiene also in ruhigem Fahrwasser ohne Aufgeregtheit dahin. Mir ist allerdings aufgefallen, dass sich meine Vorbereitungszeit für den Unterricht im letzten Jahr um 10 % erhöht hat. Ich nehme an, dass Facebook und Twitter daran schuld sind. Deshalb habe ich das Firefox-Addon „Leech Block“ installiert und die tägliche Facebook-Zeit auf 10 Minuten begrenzt. Damit komme ich prima aus, weil ich die Postings nur sporadisch lese.

Vorige Woche wurde es Zeit für die Phase 2 des Selbstversuches. In der Schule veranstalteten wir einen Sportnachmittag und ich kündigte an, dass die Videos und Fotos (guckst du) von mir via Facebook veröffentlicht werden. Die Freundschaftsanfragen von Schülern sind seither sprunghaft angestiegen und ich bin gespannt, was da noch kommen wird.

Für die Schule habe ich im August 2009 parallel zur Schul-Homepage eine Facebook Gruppenseite „Berufsschule Rohrbach“ eingerichtet und nirgends beworben. Bisher hat sie über 300 Mitglieder. Vor exakt 14 Tagen legte eine Schülerin eine andere Gruppenseite für die Schule an („BS Rohrbach…wir waren dabei“). Diese hat in diesen zwei Wochen über 400 Mitglieder erreicht! Die Posting-Kultur in beiden Gruppen ist weitgehend angenehm.

What next?

Keine Ahnung. Was weiß ich als Laborratte schon von der Versuchsanordnung?

Mehr Geld für Kinder und Kultur

Von Sven Gantzkow

Die Bezeichnung ist verwirrend, das Ziel ist hehr: Unter dem Namen “Kulturrucksack” wollen 28 Kommunen in NRW Zehn- bis 14-Jährige mit Kultur in Kontakt bringen. Das Land bezuschusst das mit insgesamt drei Millionen Euro pro Jahr.

Nein, es ist kein Rucksack, den sich der Nachwuchs demnächst umschnallen soll, gefüllt mit Blockflöte, Theaterticket oder Digitalkamera. Der vollmundige Name “Kulturrucksack” soll lediglich symbolisch eine Liste von Projekten beinhalten, die sich der Kulturförderung von Kindern und Jugendlichen widmen – konkret in der Altersgruppe zehn bis 14 Jahre. Ziel ist, die kulturelle Bildung des Nachwuchses auszuprägen: “Die kulturelle Bildung ermöglicht die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, befähigt zur bewussten Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit und macht sensibel für soziale Prozesse”, zählte NRW-Kulturministerin Ute Schäfer (SPD) am Dienstag (20.12.2011) in Düsseldorf auf.
320.000 Jugendliche werden gefördert

Drei Millionen Euro will ihr Ministerium pro Jahr künftig locker machen, die Gelder fließen sowohl aus dem Kulturetat als auch aus dem Kinder- und Jugendförderplan, der ebenfalls bei ihr angesiedelt ist. Für die finanzielle Unterstützung konnten sich Städte und Gemeinden in NRW bewerben. Bedingung: Eine Mindestzahl von 3.500 Kindern im Alter von zehn bis 14 Jahren – wer drunter lag, konnte sich mit anderen Gemeinden zu einem Verbund zusammenschließen. Und: Es musste ein Projekt zugrunde liegen, das eine Jury aus Bildungs- und Kulturexperten für förderungswürdig hielt. Aus 38 Bewerbern wurden letztlich 28 Pilotkommunen und kommunale Verbünde ausgewählt, in denen 320.000 Menschen in der betreffenden Altersgruppe leben.
CDU: “Es profitieren nur größere Städte und Gemeinden”

Die Kinder- und Familienministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, Ute Schäfer (SPD)
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Ute Schäfer schnürt den Kulturrucksack

Dass der Betrag von drei Millionen Euro eher gering ist, dessen ist sich Schäfer bewusst: “Es wird nicht eine Vielzahl von Projekten geben, darüber muss man sich klar sein”, relativierte sie die Initiative selbst und schob nach: “Entscheidend ist aber, dass etwas getan wird. Projekte, die bereits bestehen, können verbessert werden und eine größere Öffentlichkeit erreichen, andere Maßnahmen können angestoßen werden.” Der Gesamtbetrag ist nicht nur gering, er kommt auch nicht in vollem Umfang den 28 Pilotkommunen zugute: Die momentane Rechnung im Ministerium geht von 4,40 Euro pro Kind und Jahr aus. Hochgerechnet auf 320.000 Kinder in den Teilnehmerkommunen ergibt das 1,4 Millionen Euro. “Von dem Rest der drei Millionen wollen wir die restlichen Kommunen in NRW dazu ermutigen, sich zu einer “Kulturrucksack”-Kommune zu entwickeln”, erläutert Schäfers Sprecherin Stephanie Paeleke-Kuhlmann. Das Geld solle in infrastrukturelle Maßnahmen fließen, um beispielsweise Personal bereitzustellen, damit kulturelle Projekte überhaupt erst angestoßen werden können.

Bei der Opposition regen sich Zweifel, ob der “Kulturrucksack” tatsächlich etwas ausrichten kann: “Die Förderung von Kultur ist immer gut”, sagte der kulturpolitische Sprecher der CDU im Landtag, Thomas Sternberg WDR.de. “Auf mich wirkt das Vorhaben der Ministerin aber eher wie ein bürokratisches Monstrum.” Sternberg vermisst die spezielle Förderung kultureller Vereine und Verbände. Außerdem sieht er in der Quotierung von 3.500 Jugendlichen pro unterstützter Kommunaleinheit ein Problem: “Im Endeffekt profitieren von diesen Angeboten dann nur die größeren Städte und Gemeinden. Wie aber kommt die kulturelle Förderung bei Kulturangeboten an, die auf dem Land stattfinden und einen weiten Radius abdecken? Das ist mit einem solchen Kommunalprogramm für Großkommunen nicht möglich.”
Viele Kommunen nutzen Gelder zum Bestandsschutz

Nichtsdestotrotz haben sich die Teilnehmer Gedanken gemacht, womit sie den “Kulturrucksack” inhaltlich füllen wollen. In vielen Kommunen werden die Gelder vor allem bestehenden Projekten zugute kommen: Recklinghausen will seine Jugendkulturoffensive “REspect4you” ausbauen, Herford seine Initiativen “Kulturstrolche” und “Kulturscouts”, auch in Oberhausen und Bochum sollen die Gelder der Optimierung bereits vorhandener Projekte dienen. Konkrete neue Initiativen gibt es dagegen beispielsweise im Kooperationsgebiet Menden-Fröndenberg mit einem zweiwöchigen Kulturcamp am Ufer der Ruhr während der kommenden Sommerferien und in Neuss mit einer kulturellen Stadtralley, die auf Angebote der Kulturträger der Stadt aufmerksam machen soll.

In Köln werden die Sporthochschule, die Hochschule für Kunst und Medien sowie die Hochschule für Musik und Tanz interdisziplinäre Projekte koordinieren. Zunächst sei, laut Bügermeisterin Elfi Scho-Antwerpes, ein Videowettbewerb geplant. “Wir wollen mit unserem Konzept vor allem Kinder in Sozialräumen ansprechen, die von Haus aus nicht selbstverständlich mit kulturellen Angeboten in Kontakt kommen”, erläuterte sie. Schäfer pflichtete bei, dass es beim “Kulturrucksack” vor allem um diese Gruppe gehen soll. “Chancengleichheit” laute dabei das Motto.

20. Dezember 2011

Artenschutz-Unterricht für Duisburger Schulen

Mit einer innovativen Idee bündelt der Zoo Duisburg seit dem Sommer 2011 zwei der Hauptaufgaben moderner zoologischer Gärten: Artenschutz und Bildung. Ergänzend zum vielfältigen Angebot der Zooschule, die den vielen Anfragen kaum noch nachkommen kann, hat der Zoo nun ein deutschlandweit neues Konzept entwickelt. Duisburger Grundschulklassen können eine kostenlose Doppelstunde zum Thema „Wieso ist der Schutz der Artenvielfalt so wichtig?“ in ihrer Schule erleben.artenschutz3 Mit den Kindern werden vor Ort in der Schule auf spielerische Art komplexe Themen wie ökologische Zusammenhänge erarbeitet. Die Kinder selbst können diskutieren, welche Folgen das Verschwinden vom immer mehr Arten auf unserem Planeten zur Folge hat, und was jeder von uns auch im Kleinen dagegen tun kann. Das spielerische Begreifen wird mithilfe von Arbeitsblättern unterfüttert und als besonderes Highlight können die Kinder zum Abschluss einen tierischen Botschafter aus dem Zoo Duisburg ihrer Schule kennen lernen.artenschutz2Die 90-minütige, kostenlose Projektstunde richtet sich an vierte Klassen Duisburger Grundschulen und kann mittwochs oder donnerstags stattfinden. Aufbauend auf diese Unterrichtseinheit kann ein späterer Zoorundgang zum Thema „Was macht der Zoo Duisburg für den Artenschutz?“ organisiert werden.

Haben Sie Interesse? Für Anmeldungen und Fragen ist der Zoo Duisburg gern unter der Telefonnummer 0203-30559-48 oder per E-Mail unter limpinsel@zoo-duisburg.de für interessierte Lehrer da

Quelle: Zoo Duisburg

15. Dezember 2011

Walsumer üben auch Druck aufs Bistum aus

Nicht nur in Hamborn, auch in Walsum regt sich Unmut gegen die geplanten Kirchenschließungen im Duisburger Norden (Pfarrei St. Norbert). Die CDU-Frau Helga Strajahr hat Bischof Franz-Josef Overbeck angeschrieben mit der Bitte, die Schließung der Kirche St. Konrad zu verhindern.

Dass sich die Walsumer Politikerin in die Diskussion einklinkt, hat einen einfachen Grund: Vor der Kommunalen Neuordnung 1975 gehörte St. Konrad/Aldenrade politisch zu Hamborn, jetzt aber zum Bezirk Walsum. Da die Kirche für die Hamborner weit vom Schuss sei, sei sie in der bisherigen Diskussion und bei den Protesten überhaupt nicht berücksichtigt worden.


Strajahr sieht künftig lange und erschwerte Wege auf die Bürger zukommen, wenn sie Gottesdienste besuchen möchten – sofern St. Konrad geschlossen wird. Deshalb hält sie den Erhalt dieser Kirche als Gebetsstätte für wichtig. „Es wäre sehr enttäuschend“, so Strajahr in ihrem Brief an Bischof Overbeck, „wenn zukünftig für katholische Christen im Dekanat Hamborn eine Moschee schneller erreichbar sein wird als eine katholische Kirche“.

In Hamborn geht indes der Straßenprotest weiter: Am heutigen Donnerstag wollen Schüler der Gemeinschaftsgrundschule am Park nach dem Schulgottesdienst eine Menschenkette zwischen der Kirche und dem Schulhaus an der Warbruckstraße bilden. Dazu ruft die Schulpflegschaft auf. „Die Eltern wollen damit zeigen, dass es zwischen Kirche, Schule und Kindergarten eine lebendige Verbindung gibt, die eine der sozialen Lebensadern des Stadtteils Röttgersbach darstellt“, heißt es in der Ankündigung der Aktion.


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Zur Teilnahme eingeladen sind ausdrücklich Kinder aller Glaubensrichtungen, „da die Zusammenarbeit zwischen Schule und Kirche ein wichtiger Bestandteil der ökumenischen Religionserziehung der Kinder und des interreligiösen Dialoges im Stadtteil Röttgersbach ist“, sagt Angelika Hoffmann, Sprecherin der „Initiative gegen Kirchenkahlschlag“.

Begleiten werden die Kinder durch die Aktivisten der Initiative.

Ziel der Aktionen, die bis Ende des Jahres fortgesetzt werden, ist es, den Druck aufs Bistum hoch zu halten. Am 3. Januar hat sich Overbeck zu einem Besuch angekündigt.

14. Dezember 2011

Immer weniger Deutsch im Stundenplan

Deutsch als Fremdsprache wird in den Schulen innerhalb Europas zunehmend seltener unterrichtet. Anders verhält es sich in Mittel- und Osteuropa, wo noch jeder zweite Schüler die Sprache der Dichter und Denker lernt.

„Jetzt auf einmal wird in Europa Deutsch gesprochen“, tönte Unionsfraktionschef Volker Kauder auf dem CDU-Parteitreffen in Leipzig Mitte November. Er meinte damals nicht die Sprache per se, sondern die Tatsache, dass europäische Länder wie Spanien oder Frankreich fiskalpolitisch nach dem Berliner Takt tanzen und Beschlüsse nach dem Vorbild der deutschen Schuldenbremse gefasst haben. In Großbritannien sorgte die Aussage von „Merkels Ally“ für Aufruhr. Den Briten gefiel der Gedanke nicht, wie Kauder für Deutschland warb. Medienleute empörten sich darüber, dass solche Aussagen Kriegserinnerungen weckten. Englische Journalisten schwangen die Boulevardkeule und attackierten den Merkel-Vertrauten mit scharfen Worten. Das Klatschblatt „Daily Mail“ titelte „Jetzt heißt es England gegen Deutschland“.

Gegen Deutsch – das Motto gilt auch für viele Schulen im europäischen Ausland. Denn in den meisten EU-Ländern verschwand die Sprache der Dichter und Denker zwischen 2005 und 2010 immer mehr vom Stundenplan. Allein in den Niederlanden fiel der Anteil der Deutsch-Schüler in diesem Zeitraum von 86 auf 44 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch unter Hinweis auf Eurostat-Daten mitteilte. Die Quote unter den Schülern in Dänemark fiel von 50 Prozent auf 35 Prozent, in Finnland von 38 Prozent auf 26 Prozent. Stattdessen sind Englisch und Französisch die bevorzugten Fremdsprachen in den Schulen der EU-Länder.

Beliebtheit steigt unter jungen Erwachsenen

Die Ausnahme bildet Luxemburg: Dort stand 2010 Deutsch für alle Schüler auf dem Stundenplan. In vier mittel- und osteuropäischen EU-Ländern lernte im Jahr 2010 mehr als jeder Zweite Deutsch in der Schule. Dazu zählten Slowenien, die Slowakei, die Tschechische Republik und Polen.

Die Beliebtheit der deutschen Sprache im Ausland nimmt wohl erst wieder nach der Schulzeit zu. Das Goethe-Institut verzeichnete ein gesteigertes Interesse junger Erwachsener vor allem in Südeuropa, in Spanien bis zu 60 Prozent. „Das deutlich gestiegene Interesse an Deutsch ist aber nicht auf Europa beschränkt“, sagte Hans-Dieter Lehman, Präsident des Goethe-Instituts.

Neben den Südeuropäern zeigten auch Asiaten und Amerikaner Interesse an der deutschen Sprache. „Dank einer durch den Bundestag mit acht Millionen Euro geförderten ‚Bildungsoffensive Deutsch‘ konnten wir 2011 die Qualität und das Sprachkursangebot weiter festigen, neue Vermittlungsformen entwickeln und zugleich in wichtigen Märkten eine gezielte Sprachpolitik betreiben“, sagte Lehmen. So wirbt das Institut zum Beispiel in Russland mit der Kampagne „Lern‘ Deutsch!“ bei Bildungspolitikern, Schulleitern und Eltern für die Sprache. In den USA versuchte das Kulturinstitut junge Forscher durch eine Tournee deutscher Rockbands fürs Deutsche zu interessieren.


Lehmann hält es für besonders wichtig, bei den Sprachangeboten vor Ort mit den Menschen im Gespräch zu bleiben, da angesichts der aktuellen Entwicklungen in Europa alte Ängste vor einer deutschen Dominanz sehr schnell wieder zu Tage treten könnten.
mb mit Material von dp
13. Dezember 2011

Konzept sichert Grundschulen in kleinen Kommunen

Düsseldorf (dpa/lnw) – Trotz geringer Schülerzahlen sollen auch kleine Kommunen in Nordrhein-Westfalen mindestens eine Grundschule erhalten dürfen. Das sieht ein Konzept für wohnortnahe Grundschulen vor, das NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am Dienstag in Düsseldorf vorgestellt hat. Generell sollen die Klassengrößen abgesenkt werden, von derzeit durchschnittlich 24 Schülern um mindestens zwei. Klassen mit weniger als 15 oder mehr als 29 Grundschülern sollen künftig unzulässig sein. Das Konzept soll Anfang des Jahres als Gesetzentwurf in den Landtag eingebracht werden. Auf die Kernpunkte haben sich SPD, Grüne und CDU bereits verständigt.

9. Dezember 2011

Staat gibt für Bildung 1302 Euro pro Kopf aus

Wiesbaden (dpa) – Der Staat wird in diesem Jahr für Bildung voraussichtlich 1302 Euro pro Einwohner ausgeben – 36 Euro mehr als im Vorjahr.


Insgesamt stecken Bund, Länder und Gemeinden damit 106,2 Milliarden Euro in die Bildung – ein Plus von 2,6 Prozent. Wie hoch dieser Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) sein wird, steht nach Darstellung des Statistischen Bundesamtes vom Donnerstag noch nicht fest.

Bund und Länder haben sich darauf verständigt, die öffentlichen und privaten Ausgaben für Bildung, Forschung und Wissenschaft bis 2015 auf zehn Prozent des BIPs zu steigern. 2008 betrug dieser Anteil 8,6 Prozent (214,2 Milliarden Euro), wie der Statistiker Thomas Baumann in Wiesbaden berichtete. 2009 waren es nach vorläufigen Berechnungen 9,3 Prozent (224,0 Milliarden Euro). Neuere Zahlen gibt es noch nicht.

Allein für Kindergärten, Schulen, Hochschulen und die Berufsausbildung wurden in Deutschland 2008 rund 119,1 Milliarden Euro ausgegeben. Das waren 4,8 Prozent des BIP. Damit lag Deutschland – wie von der OECD bereits berichtet – deutlich unter dem Durchschnitt der OECD-Staaten von 5,9 Prozent.

 

5. Dezember 2011

Mediennutzung Jugendlicher 2011

JIM-Studie 2011

Mediennutzung Jugendlicher 2011: Konsumieren und kommunizieren

Kinder mit Smartphone - flickr-User elinalipona (CC BY-NC-SA 2.0)

Die JIM-Studie 2011 zeigt: Jugendliche tun vor allem zwei Dinge, wenn sie Medien nutzen: Sie kommunizieren und sie konsumieren. Facebook, Handy und Internet dominieren die Lebenswelt Jugendlicher. Eine Zusammenfassung zentraler Erkenntnisse der JIM-Studie 2011.

Die JIM-Studie wird alljährlich vom mpfs (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest) herausgegeben und genießt den Ruf unzweifelhafter Seriosität. Thema ist das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren (2011). Die Mediennutzung jüngerer Kinder (6- bis 13-Jährige) wird in den KIM-Studien untersucht.

Die aktuelle JIM-Studie im Volltext finden Sie als PDF hier: JIM-Studie 2011 (PDF). In der weiteren Darstellung beschränken wir uns auf einige ausgewählte Aspekte der Mediennutzung; in der JIM-Studie 2011 wurde bspw. auch das Freizeitverhalten oder thematische Interessensgebiete abgefragt. Die folgenden Seitenangaben beziehen sich auf diese Veröffentlichung.

JIM-Studie 2011 – Rahmendaten

Für die JIM-Studie 2011 wurden 1.205 Personen im Alter von 12 bis 19 Jahren telefonisch befragt. Nach Aussage der Herausgeber/innen ist die Studie repräsentativ für die 7 Millionen Jugendlichen dieser Altersgruppe in Deutschland (S. 3).

Die Diskussion, ob die Form des ausführlichen Telefoninterviews zu verzerrten Ergebnissen führt, sei den Statistiker/innen überlassen. Unabhängig davon dürfte die JIM-Studie einigermaßen aussagekräftige Trends abbilden.

Medienausstattung und Mediennutzung

Haushalte

Haushalte, in denen Jugendliche leben, sind exzellent mit elektronischen Geräten ausgestattet: In ausnahmslos allen Haushalten ist ein Computer/Laptop vorhanden, 99% der Haushalte verfügen über Handy, Fernseher und Internetzugang (S. 5). Auch die Jugendlichen selbst sind gut ausgerüstet: 98% der Mädchen besitzen ein eigenes Handy (Jungen: 94%). 57% der Jungen haben ein eigenes Fernsehgerät (Mädchen: 48%) (S. 6).

Persönlicher Besitz elektronischer Geräte

Entsprechend steht bei der “Medienbeschäftigung in der Freizeit 2011 – täglich/mehrmals pro Woche” Handy, Internet und Fernsehen auf den vorderen Plätzen (S. 14). 46% der Jungen (Mädchen: 38%) lesen “täglich/mehrmals pro Woche” Tageszeitung(/-en) – quer über alle Bildungsschichten hinweg. Hier könnten Zweifel aufkommen, ob diese Zahlen tatsächlich die Realität zeigen. Vorstellbar ist vielmehr, dass bei der Abarbeitung von Medientypen während des telefonischen Interviews der Interviewer sagt “Zeitungen”, der Jugendliche antwortet “ja”, weil es im Haushalt eine gibt oder weil der Geschichtslehrer immer rumheult, dass man Tageszeitungen lesen sollte.

Welche Medien sind Jugendlichen wichtig?

65% der Mädchen (Jungen: 42%) finden “Bücher lesen” wichtig oder sehr wichtig – kein gigantischer Abstand zum Fernsehen (Mädchen: 54%, Jungen: 58%).

Auf den ersten Plätzen befinden sich wie zu erwarten Musikhören, Handynutzung und Internetnutzung.

Wichtigkeit der Medien bei Jugendlichen 2011 (JIM-Studie 2011)

Fernsehen

Für 90% der Befragten ist Fernsehen “eine regelmäßige Freizeitbeschäftigung” (S. 23). Nur 60% der Jugendlichen sehen täglich fern. Leider schlüsselt der Bericht nicht in Altersgruppen auf.

Knapp die Hälfte sehen sich eigenen Angaben zufolge regelmäßig Nachrichten im Fernhsehen an (ARD: 19%, RTL: 12%, ProSieben: 5%) (S. 25).

Deutlich wichtiger sind jedoch Unterhaltungs- und Castingshows: Bei den Jungen dominiert “Schlag den Raab” (ProSieben), bei den Mädchen stehen Castingshows an erster Stelle. Geschlechterübergreifend steht “Deutschland sucht den Superstar” (DSDS) an erster Stelle – 20% der Jugendlichen bezeichnen diese Sendung als ihre “Lieblingssendung”, gefolgt von “Germany’s Next Topmodel” (16%). (S. 27)

Bücher

So deprimierend es sein mag, dass jede/r fünfte Jugendliche “Deutschland sucht den Superstar” als seine Lieblingssendung bezeichnet, so erfreulich ist doch die Entwicklung bezüglich der Nutzung von Büchern:

Auch im Internetzeitalter mit einer Vielzahl digitaler Angebote zur Information und Unterhaltung bleibt das Buch für Jugendliche eine bedeutende Freizeitbeschäftigung. Für mehr als die Hälfte der Jugendlichen ist es (sehr) wichtig Bücher zu lesen. Mehr als jedes zweite Mädchen und jeder dritte Junge zwischen 12 und 19 Jahren liest regelmäßig. Der Anteil der jugendlichen Leser ist über die Jahre sehr stabil, entgegen viel geäußerter Befürchtungen hat sich die Entwicklung des Internets nicht negativ auf die Buchnutzung ausgewirkt. Im Gegenteil, die Zuwendung zum Buch konnte sich sogar leicht steigern: Bei der JIM-Studie 1998 lag der Anteil der regelmäßigen Leser bei 38 Prozent, 2011 ist der Wert auf 44 Prozent angestiegen. Unverändert blieb über Jahre auch die deutliche Schieflage zwischen Jungen und Mädchen. Nach wie vor lesen deutlich mehr Mädchen als Jungen in ihrer Freizeit Bücher. Jungen bleiben die eher selteneren Leser. Bedenklich ist, dass der Anteil der Nichtleser bei den Jungen mit 22 Prozent fast doppelt so hoch ist wie bei den Mädchen.

Eine deutliche Differenz der Buchnutzung zeigt sich auch bei der Betrachtung der Bildungsgruppen. Jugendliche mit höherer Schulbildung lesen deutlich häufiger, jeder dritte Jugendliche mit Hauptschulhintergrund hingegen liest nie in seiner Freizeit.

JIM-Studie 2011, S. 28 (Hervorhebung Lehrerfreund)

Internet

Fast alle Jugendlichen haben regelmäßigen Zugang zum Internet, zwei Drittel der 12- bis 19-Jährigen nutzen das Internet täglich (12- bis 13-Jährige: 39%, 18- bis 19-Jährige: 81%). Es gibt hinsichtlich der Häufigkeit der Internetnutzung keinen Unterschied mehr zwischen Jungen und Mädchen (S. 30). Pro Werktag nutzen Jugendliche das Internet täglich 134 Minuten – damit liegt die Nutzung des Internets vor der Fernsehnutzung (113 Minuten) (S. 31)

Die Internetnutzung erfolgt vor allem über herkömmliche Computer (Desktop/Laptop). Tablets (wie das iPad) sind mit 2% noch recht mager vertreten. Erstaunlich ist der Zuwachs der Internetnutzung via Smartphone oder Handy: 2008 waren diese Internetgeräte mit 4% vertreten, 2011 sind es schon 29% (S. 32). Das entspricht einer Steigerungsrate von 700%.

Weiterhin ist “Kommunikation” zentrale Aktivität im Internet. Allerdings hat sich (konsumierende) “Unterhaltung” durch Musik, Videos etc. mit 24% auf einem beachtlichen zweiten Platz etabliert.

Internetnutzung - Verteilung (JIM 2011)

Kommunikation im Internet

44% der online verbrachten Zeit wird für “Kommunikation” genutzt, 24% für “Unterhaltung” und 16% für “Spiele” (S. 33). An erster Stelle liegt die Nutzung von Sozialen Netzwerken (Facebook, schülerVZ …), gefolgt von E-Mail, Instant Messaging, Chat und Skype. Twittern ist unter Jugendlichen kaum verbreitet.

Mit zunehmendem Alter werden auch Soziale Netzwerke wie Facebook mehr genutzt. 84% aller 18- bis 19-Jährigen kommunizieren über eine solche Plattform.

Kommunikation im Internet - JIM 2011

Konsum versus Produktion

Die JIM-Studie 2011 unterscheidet verschiedene Schwerpunkte der Internetnutzung. Vergleicht man die Bereiche “Unterhaltung” (S. 35) und “Web 2.0″ (S. 38), fällt auf, dass die Jugend von heute zwar eine Menge konsumiert, selbst aber kaum gezielt Daten erzeugen. Alle Tätigkeiten, die eine aktive, kreierende Beschäftigung mit Inhalten erfordern, sind in den Bereichen deutlich unter 20% angesiedelt. Wesentlich häufiger sind vorwiegend passive Tätigkeiten (Videoportale, in Profilen stöbern, Musik hören,  ”einfach drauf los surfen” … ) zu finden.

JIM 2011 - Schwerpunkt Unterhaltung

JIM 2011 - Schwerpunkt Internet - Web 2.0

Nutzung von Sozialen Netzwerken / Online-Communities

Soziale Netzwerke sind inzwischen omnipräsent und der derzeit größte Anbieter Facebook ist fast schon zum Synonym für Online-Communities geworden. Für Jugendliche stellen diese Angebote die meistgenutzte Kommunikationsform im Internet dar. Vier Fünftel nutzen diese Plattformen regelmäßig, nur 12 Prozent der Jugendlichen im Internet verzichten gänzlich auf diese Angebote. Für die Anderen haben Communities eine sehr hohe Alltagsrelevanz. Gut jeder zweite Jugendliche im Netz (57 %) logt sich täglich in seine Community ein, zwei Drittel davon sogar mehrmals täglich. 16 Prozent der täglichen Nutzer lassen sich über alle Neuigkeiten der Community per Handy informieren. Die ungebrochen hohe Bedeutung des Themas „Soziale Netzwerke“ zeigt sich auch in der im Vergleich zu 2010 stärkeren Nutzung. Obwohl bereits die letzten Jahre auf sehr hohem Niveau angelangt, ist die Nutzung von Communities 2011 bei Jugendlichen nochmals gestiegen.

JIM 2011, S. 47

Nummer 1 ist bei den 12- bis 13-Jährigen schülerVZ und Facebook gleichermaßen (43%), bei den 14- bis 19-Jährigen deutlich Facebook (um 80%, je nach Altersgruppe). Die in den Sozialen Netzwerken am häufigsten ausgeübten Tätigkeiten sind: Chatten und Nachrichten verschicken, gefolgt von Pinnwandschreiben und “Posten, was man gerade so macht”.

Die Kommunikation findet mit “Freunden” statt – aber was sind denn echte Freunde?

Im Schnitt haben die Nutzer von Communities 206 „Freunde“, also andere Community-Mitglieder, mit denen sie verlinkt sind. [...] Schon die 12- bis 13-Jährigen haben 134 Freunde verlinkt. Das Online-Netzwerk erweitert sich mit zunehmendem Alter (14-15 Jahre: 201 Freunde, 16-17 Jahre: 249 Freunde), die ab-18-jährigen User sind mit 224 anderen Nutzern befreundet. [...] Auch wenn bereits die große Anzahl der verlinkten Personen nahe legt, dass es sich bei den Freunden nicht um echte Freunde – im wahren Sinn die- ses Wortes – handeln kann, so geben mit 96 Prozent fast alle Community-Nutzer an, die Freunde ihres Profil auch persönlich zu kennen.

JIM-Studie, S. 49

Handy/Smartphone

Auch bei der Nutzung von Smartphone-Apps liegen Community-Apps mit 56% deutlich auf dem 1. Platz (vor “Computerspiele”, 28% und “Instant Messenger”, 22%) (S. 59).

Die problematische Seite mobiler Geräte ist in der JIM-Studie ab S. 60 dargestellt. 80% der Handy-Nutzer/innen haben schon einmal brutale oder Pornofilme auf ihr Handy erhalten. Stark 20% haben schon einmal mitbekommen, dass eine Schlägerei mit dem Handy gefilmt wurde. Hier ist allerdings ein deutlicher Rückgang im Verhältnis zu 2009/2010 zu beobachten.

JIM 2011 - Schlägerei auf Handy gefilmt

Fazit

Die JIM-Studie 2011 ((PDF-Download) legt nahe, dass bei der Mediennutzung Jugendlicher vor allem zwei Aspekte im Vordergrund stehen: Kommunikation und Konsum. Allerdings zeigt ein Blick in ältere JIM-Studien, dass kommunikative Praktiken auch schon vor Facebook & Co zu den zentralen Faszinosa der Jugendlichen gehörten: 2006 überstieg der Anteil der Kommunikation bei der Internetnutzung mit 60% sogar den von 2011 (44%). Ein Teil der Zeit geht nun für Unterhaltung drauf.

Zur Beruhigung: Als “non-mediale Freizeitaktivitäten” geben Jugendliche immer noch “Mit Freunden treffen”, “Sport” und “nichts tun” an (S. 7). Sie interessieren sich für Liebe, Freundschaft und Musik. Alles ist gut.

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