10. Oktober 2011
So ein erster Tag an der Uni kann schon sehr aufregend sein. Neues Umfeld, neue Leute aber auch: Neue Probleme. In diesem Jahr sind die Unis so voll wie noch nie. In einigen Bundesländern gab es in diesem Jahr bereits die ersten Jahrgänge mit verkürztem Abitur. Das heißt: Mehr Leute drängen an die Uni. Der Wegfall der Studiengebühren und das Ende der Wehrpflicht sorgen für zusätzlichen Andrang. An der Uni Duisburg-Essen führt das heute dazu, dass Vorlesungen in ein Kino verlegt wurden. Der Hörsaal wäre zu klein gewesen.
“Die Gymnasien und Regelschulen in Thüringen sind keine Auslaufmodelle. Hier widerspreche ich Herrn Matschie entschieden”, kommentiert die bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, Franka Hitzing, die jüngsten Äußerungen von Minister Matschie zur Zukunft des Thüringer Schulsystems.
“Der Plan der Landesregierung, diese Schulformen abzuschaffen, ist außerdem verfassungswidrig”, schätzt sie die Situation ein. “Wir stehen an der Seite der Schüler, Eltern und Lehrer und werden uns vehement dafür einsetzen, dass es in Thüringen auch weiterhin Gymnasien und Regelschulen geben wird. Denn nur so kann eine leistungsgerechte individuelle Beschulung aller Schülerinnen und Schüler erreicht werden”, kündigt Hitzing den Widerstand ihrer Fraktion gegen das Vorhaben der Landesregierung an.
Zudem habe Thüringen mit seinem gegliederten Schulsystem durch den Bildungsmonitor 2011, welcher auf Daten aus dem Jahr 2009 beruhe, einen Spitzenplatz im bundesweiten Vergleich erreicht. Dieser sei bereits durch die Regelungen der neuen Schulordnung massiv gefährdet worden. “Der Minister zerstört mit Vorsatz funktionierende Strukturen, um seine Bildungsideologie durchzusetzen. Das werden wir nicht akzeptieren”, erklärte Hitzing weiter. Sie verwies abschließend auf Erfahrungen in anderen Bundesländern: “Im Freistaat Sachsen schafft man die Gemeinschaftsschule als ungeeignete Schulform gerade wieder ab”.
8. Oktober 2011
Die Realschule Hamborn II setzt auf praxisorientiertes Lernen. Jeden Mittwoch arbeiten die Schüler in einen Betrieb.
Dienstags Mathematik, mittwochs Schreinern: So oder so ähnlich kann ein Stundenplan der Schüler der achten Jahrgangsstufen an der Realschule Hamborn II aussehen. Seit 2007 bereitet das Kollegium der jungen Schule seine Schüler im Rahmen des Projektes „Praxislernen“ auf das Berufsleben vor. Dabei besuchen die Achtklässler einmal wöchentlich einen Betrieb in dem Beruf, den sie interessant finden.
„Durch das Praxislernen werden unsere Schüler sehr gut auf das Berufsleben vorbereitet“, sagt Thomas Stöfken, Berufswahlkoordinator und Lehrer der RSH II. „Sie können schon mal in Berufe hinein schnuppern, die ihnen zusagen und entscheiden, ob es etwas für sie ist oder nicht.“
Den Betrieb müssen sie allerdings selber suchen, wobei die Pädagogen ihnen zur Seite stehen. Jeden Mittwoch arbeiten die Schüler dort und lernen den Arbeitsalltag kennen. Nebenbei gibt es noch theoretische, von der Schule gestellte Aufgaben mit praxisnahem Bezug. Fragen wie „Wie groß ist die Lagerfläche das Geschäftes XY?“ oder „Wie viel kosten acht Brötchen, wenn eines 29 Cent kostet?“ sollen erledigt werden. Im Anschluss an das Praxislernen erstellen die Schüler eine Präsentation ihrer Ergebnisse und ihres Praxislernortes, um das Referieren zu üben.
Beim zweiten Durchgang präsentieren die Schüler dann nicht nur vor ihren Klassenkameraden sondern vor einem größeren Publikum, bestehend aus Eltern und Firmen.
Nach einem halben Jahr, dies umfasst 15 Arbeitstage im Betrieb, wechseln die Schüler ihren Praxislernort. Anschließend wird es durch ein dreiwöchiges Blockpraktikum ergänzt. „Unsere Schüler haben den großen Vorteil, perfekt auf das spätere Leben vorbereitet zu sein. Viele haben großen Spaß an der Arbeit, die sie gerade beim Praxislernen ausüben“, so Thomas Stöfken. Sie können sich nach ihrem Realschulabschluss also direkt für eine Ausbildung bewerben oder einen höheren Schulabschluss erstreben und schwelgen in keiner langen Phase voller Ahnungslosigkeit.
Bei den Schülern kommt das Projekt ebenfalls gut an. „Es ist aber schade, dass das Praxislernen lediglich einmal in der Woche stattfindet“, sagt die Achtklässlerin Lena Leiß, die jeden Mittwoch bei „DE 2 Foliendesign“ in Walsum Hand anlegt. „Kreativ zu sein, das ist mein Ding!“ Ihre Wahl war dementsprechend sinnvoll. Mittwochs widmet sie sich also ihrer Arbeit und beschriftet Fahrzeuge und Schaufenster mit Folien. Im nächsten Durchgang möchte Lena einen typischen Mädchenberuf, den der Grundschullehrerin, kennenlernen. Ihre Schulfreundin Charlyn Garcia Domingo unterstützt momentan das Team einer Duisburger Arztpraxis. Auch ihr macht die Arbeit dort Spaß. Nach dem Realschulabschluss möchte sie eine gymnasiale Oberstufe besuchen, um ihr Abitur zu machen. „Immerhin habe ich den Traum, Medizin zu studieren“, erzählt sie.
So frei bei der Wahl ihres Betriebes waren die Schüler, die vor einigen Jahren am Praxislernen teilnahmen, noch nicht. Ihnen waren die Praxislernorte vorgegeben. Nun haben sie die Chance, selbstständig zu sein und ein anderes Berufsfeld als das kaufmännische, soziale oder handwerkliche zu ertasten. „Jedes Kind muss laufen lernen, und das braucht seine Zeit“, erklärt Thomas Stöfken und blickt auf eine erfolgreiche Zukunft für den weiteren Ausbau
4. Oktober 2011
Welche Schulformen wird es in absehbarer Zukunft eigentlich noch in dieser Stadt geben? Verschwindet die Hauptschule und mit ihr die Realschule? Werden diese durch eine Sekundarschule ersetzt?
Mit dieser Frage beschäftigte sich jetzt der Schulausschuss des Rates, als er in erster Lesung über den zweiten Jahresbericht dieser Art, den Schulentwicklungsplan 2011, zu beraten hatte. Beraten wurde indes noch gar nichts; die Politik ließ sich zunächst von der Verwaltung nur informieren über neue Fakten und Einschätzungen zum kniffligen Thema Struktur und Reform von Schule.
Dass die weiterführenden Schulsysteme – das Dreigliedrige plus das Integrierte – neu aufgestellt werden müssen, ist spätestens seit dem rot-grünen Scheitern des geplanten landesweiten Modellversuchs von der Gemeinschaftsschule unvermeidlich. Denn die Hauptschulen sind tot. Jetzt also soll unter bestimmten Voraussetzungen eine neue „Sekundarschule“ her – darauf haben sich im Sommer auf Landesebene die Landtagsfraktionen verständigt.
Vier Modelle zur Auswahl
Und vor diesem Hintergrund stellte am vergangenen Donnerstag der Geschäftsführer der Duisburger Bildungs-Holding, Ralf Hörsken, an die lokale Politik die Frage: „Welche Schulstruktur soll es denn für Duisburg sein?“
Vier Modelle (A bis D) hat die Verwaltung der Politik vorgeschlagen: Alle vier sehen den festen Fortbestand von Gymnasium und Gesamtschule vor (die Variante A zwei Säulen), wobei dann in der Variante B) neben Gymnasium + Gesamtschule die neue Sekundarschule hinzukommen könnte, in Variante C) neben Gymnasium, Gesamtschule, Sekundarschule dann noch die Realschule als dauerhafte vierte Schulform hinzukäme, oder als Variante D) die Realschule als Schule, die in der Sekundarschule aufgehen kann. Die Hauptschule soll in Duisburg nicht mehr angeboten werden; die Eltern haben sich längst von ihr abgewendet. Ihre Klientel würde sich dann auf das System von Gesamtschule, neuer Sekundarschule und /oder alter Realschule verteilen. Soweit der Plan.
Doch wie schnell will die Politik starten? Sollen noch im kommenden Jahr 2012 neue (allerletzte) Eingangsklassen an den Mini-Hauptschulen gebildet werden? In welchem Umfang sollen die Realschulen aufrechterhalten werden? Sollen Gesamtschulen ohne eigene Oberstufe sofort zur Sekundarschule umgewandelt werden, oder sollen sie durch eine Erweiterung oder Kooperation die Chance auf eine eigene Oberstufe erhalten? Sollen in Duisburg überhaupt Sekundarschulen gegründet werden? Fragen über Fragen, die die Experten der Bildungs-Holding gerne von ihren verantwortlichen Schulpolitikern beantwortet hätten.
Nicht sofort, aber doch in naher Zukunft. Im Oktober werden sich alle Fraktionen zusammensetzen, um auszuloten, ob ähnlich wie im Land auch in dieser Großstadt ein schulpolitischer Konsens möglich ist. Von Rot-Rot-Grün war schon im Schulausschuss zu hören, dass sie die Variante D (Gymnasium, Sekundarschule, Gesamtschule und Realschule, die langsam abbaut und ins System Sekundarschule gleitet) als künftige Schulstruktur für die Stadt favorisieren. Aber was sagt die CDU dazu, was die anderen?
Übrigens: Keine Schulstrukturreform ohne Mitsprache der Eltern am Ort. Dies hat der Gesetzgeber ausdrücklich so vorgeschrieben. Die Stadt wird also dazu eine umfängliche Befragung durchzuführen haben.
1. Nachtrag: Im Grundschulbereich gibt es deutliche Überkapazitäten. Von derzeit bestehenden 84 Grundschulen könnten rein rechnerisch sofort 24 Standorte dicht gemacht werden und alle Schüler fänden immer noch ausreichend Platz. Doch „wohnortnahe Grundschul-Versorgung“ ist hier das politische Stichwort, das natürlich eine große Rolle spielt.
2. Nachtrag: Mit dem neuen Schulentwicklungsplan 2011 hat die Verwaltung auch einen Sporthallen-Bedarf formuliert – über die nächsten 10 Jahre hinweg. Er zeigt einen Fehlbedarf von 42 Turnhalleneinheiten im Schuljahr 2020/2021 auf, trotz sinkender Schülerzahlen.
3. Nachtrag: Sie sind Duisburgs größte Schulen – die neun städtischen Berufskollegs. Über sie finden sich im Schulentwicklungsplan keine planerischen Aussagen.
Quelle: Der Westen.de