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Blog der Stadtschulpflegschaft Duisburg - Die Elternvertretung in der Stadt Duisburg

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14. September 2011

Sollen Geschwisterkinder jetzt zahlen?

Die Landesregierung hat die Gebühren für das dritte Kindergartenjahr abgeschafft. Doch Dortmund und andere Städte tricksen, damit die Einnahmen nicht ganz wegbrechen – auf Kosten von Familien mit mehreren Kindern.

Die Landesregierung wollte mit der Beitragsbefreiung für das dritte Kindergartenjahr alle Eltern entlasten. Doch in vielen Familien kommt dies nicht an. Städte wie Hagen oder Dortmund verlangen nun Beiträge für ein Geschwisterkind, wenn dessen Bruder oder Schwester ins beitragsfreie dritte Kindergartenjahr kommt. Bisher musste in der Regel für Geschwisterkinder nichts gezahlt werden.


Dagegen geht jetzt die SPD-Fraktion an – auch gegen SPD-geführte Kommunen. Familienministerin Ute Schäfer kündigte an, das Kinderbildungsgesetz (KiBiz) notfalls nachzubessern. „Manche Kommunen kassieren doppelt“, sagt SPD-Jugendexperte Wolfgang Jörg. Dazu zählten Dortmund, Hagen, Witten und Lüdenscheid sowie Städte im Kreis Recklinghausen.

Es geht um bis zu 3000 Euro im Jahr

„Viele Eltern werden um keinen Cent entlastet“, so Jörg, „weil einige schlaue Kämmerer eine zusätzliche Einnahmequelle entdeckt haben.“ Für die Familien, denen – je nach Kommune – pro Jahr ein finanzieller Nachteil von bis zu 3000 Euro entstehen kann, habe die Gesetzesänderung „keinen Effekt“. Damit werde der politische Wille der Landesregierung konterkariert.

Für die zum 1. August in Kraft getretene Beitragsfreiheit im dritten Kita-Jahr zahlt das Land den Kommunen jährlich 150 Millionen Euro. Nach einer erregten Diskussion in der SPD-Fraktionssitzung will Fraktionschef Norbert Römer in einem Brief an die Ratsfraktionen und Bürgermeister seiner Partei gegen die Umsetzung des Gesetzes protestieren. Allerdings räumt die Landesregierung ein, dass die Kommunen sich nicht unrechtmäßig verhalten.

Wer mehrere Kinder hat, wird benachteiligt

Bereits Ende Juli hatte CDU-Fraktionsvize Ursula Doppmeier vor einer drohenden Schieflage gewarnt: „Familien mit mehreren Kindern werden klar benachteiligt.“ Die Beitragsfreiheit für Geschwister hätte im Gesetz verankert werden können. In der SPD ist der Ärger groß, weil auch sozialdemokratisch geführte Städte „anstelle der Familien ihren Haushalt entlasten“. Dabei trügen Familien mit vielen Kindern, so Jörg, ein höheres Armutsrisiko.

Der „Landeselternrat Kita NRW“ empfahl Eltern von Kindergartenkindern, gegen die aktuellen Beitragsbescheide Einspruch einzulegen.

Quelle: Der Westen.de

PS:  Wir haben bei dem Leiter des Duisburger Jugendamtes Herrn Thomas Krützberg angefragt, ob ähnliches auch in Duisburg geplant ist. Die Antwort werden wir hier im Blog veröffentlichen.

 

12. September 2011

Teurer Schulstart- nicht nur in Duisburg

Einschulung: In der letzten Woche haben 4394 I-dötzchen in Duisburg mit stolz geschwellter Brust ihren ersten Schultag begangen.  Doch die Erstaustattung kann eine teure Angelegenheit, werden die für einige Familien schwer zu bewältigen ist. Ein Blick auf die Preise der angesagten Schulmaterialien zeigt: Einkommensschwachen Familien schlägt der Schulanfang wohl eher ein tiefes Loch in die Haushaltskasse. Betroffen sind dabei drei von zehn Kindern, die in Duisburg Sozialleistungen der öffentlichen Hand erhalten. Im Rahmen des Bildungs- und Teilhabepakets wird einkommensschwachen Familien zwar seit diesem Jahr eine Summe von insgesamt 100 Euro für jedes Schulkind für den Schulbedarf eingeräumt (70 Euro jetzt, 30 Euro zum zweiten Halbjahr). Aber was ist davon zu stemmen?

Mehr Geld für den Schulsstart

Im statistischen Durchschnitt lassen sich Eltern den ersten Schultag ihrer Schützlinge immer mehr kosten: Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat ermittelt, dass Eltern 215 Euro für den Schulstart ihrer Kinder ausgeben, das sind 16 % mehr als im Vorjahr.

Kein Wunder, denn groß sind die Verlockungen, vielfältig das Markenangebot in Fachgeschäften oder Kaufhäusern. I-dötzchen-hohe Schultüten mit bunten Motiven wollen mit Schulbedarf, Spielzeug und Süßigkeiten gefüllt werden. Allerlei Zubehör wie Etuis oder Turnbeutel wünschen die Kinder am liebsten mit bunten Motiven – und zwar nicht irgendwelchen. „Bei Mädchen liegen in diesem Jahr Feen, bei Jungs eher Piraten im Trend“, berichtet eine Verkäuferin bei Karstadt. „Die Kinder haben durchaus ihren eigenen Kopf und wissen genau, was sie wollen.“ Und das sind oft Markenartikel. „Auch die Schulen geben ja zum Teil vor, welche Artikel gekauft werden müssen“, ergänzt eine Kollegin. Auf den Materiallisten stünde häufig, dass Wachsmalstifte oder Blöcke bestimmter Firmen gewünscht seien. Die haben ihren Preis.

Schulranzen von namenhaften Herstellern

Gerade Schulranzen von namhaften Herstellern schlagen ordentlich zu Buche: Ursula Domack, Verkäuferin bei Ledermoden Mos, weiß: „Das kann bis über 200 Euro gehen.“ Die Regale in dem Taschengeschäft sind leergefegt, das Geschäft boomt schon Monate vor dem Schulanfang.

Zusätzlich zum Geld aus dem Bildungspaket, gibt es auch Hilfe von anderer Seite, etwa von der Caritas: Mehrere spendenfinanzierte Schulmittelkammern helfen bei der Ausstattung der Schulkinder. Gegen eine geringe ­Eigenbeteiligung können Kinder – auch jetzt nach Schulbeginn, wo die Materiallisten ausgegeben werden – können Familien aus einem großen Sortiment an Schreibwaren und anderen Schulutensilien wählen. Schon in den Ferien erlebten die Ausgabestellen einen Ansturm. Wenn die Lehrer aber nun in den nächsten Tagen ihre Anschaffungswünsche an die Schüler weitergeben, wird erneut mit hohem Bedarf gerechnet.

 

 

Mathis erlebt die Schule

Der geistig und körperlich schwer behinderte Mathis hat seinen Einstand in der katholischen Grundschule Mainzer Straße. Im Alter von einem Jahr hatte er einen Hirninfarkt erlitten; dennoch soll er nun mit nicht behinderten Schülern lernen.

Mathis

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Mathis freut sich auf seinen ersten Tag in der Grundschule Mainzer Straße.

Köln – Die Schultüte ist gepackt. Gelbes Krepppapier deckt sie ab, und Kordeln baumeln vom roten Karton herab. Darin befinden sich extra dicke Buntstifte, die Mathis gut greifen kann, und eine speziell geformte Gabel fürs Mittagessen. Der Sechsjährige hat am Donnerstag seinen ersten Schultag, wie bei jedem i-Dötzchen ein ganz besonderer Tag. Bei Mathis noch ein bisschen mehr.

Der Junge mit den kurzen, dunklen Haaren ist geistig und körperlich schwer behindert. Und dass er die katholische Grundschule Mainzer Straße besuchen kann, eine Regelschule also, das hat für seine Mutter noch immer etwas von einem Traum. „Eine Schule, die jedes Kind aus der Nachbarschaft willkommen heißt, unabhängig von seiner Beschaffenheit“, das sei immer ihre Idealvorstellung gewesen , sagt Judith Levold.

Mathis hat drei Tage nach der Geburt einen Hirninfarkt erlitten. Seine rechte Gehirnhälfte wurde dabei fast vollständig zerstört, und seine Eltern haben sein erstes Lebensjahr mit ihm in der Klinik verbracht. Er ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen und bekommt immer wieder epileptische Anfälle. „Er ist so eine lebendiger, lebenslustiger Kerl“, sagt seine Mutter, „das ist sein großes Plus.“

Inklusion, die Integration auch behinderter Kinder, ist eines der großen Bildungsthemen derzeit. Erst im Dezember hat das NRW-Schulministerium – einer UN-Konvention folgend – den Erlass verabschiedet, nach dem Kinder mit Handicap jede Regelschule besuchen können sollen. Grundsätzlich.

Inklusionshelfer begleitet jungen Schüler

Judith Levold und ihr Mann haben das lange gar nicht vorgehabt. Mathis hat einen integrativen Kindergarten besucht, und als der Brief vom Schulamt mit den Anmeldefristen kam, wurde ihnen erst einmal flau ums Herz. Sie fuhren zur Förderschule für körperlich Behinderte nach Lövenich, zur integrativen Ernst-Moritz-Arndt-Schule nach Rodenkirchen, sie sprachen mit Therapeuten und Beratern. Und als sie mit Mathis zur Untersuchung beim schulmedizinischen Dienst waren, sagte die Ärztin: „Integration funktioniert nur, solange die noch mit Puppen spielen. Danach werden Behinderte nur gemobbt.“

Eines Morgens sei sie wach geworden, erzählt die WDR-Journalistin aus der Südstadt, und habe gedacht: „Jetzt melden wir ihn einfach an der Mainzer Straße an.“ Die Idee war aus dem Gefühl geboren, dass Mathis auf der einen Schule nicht gewollt war und die anderen nicht die richtigen für ihn waren. Oder war Mathis für die Schulen nicht der Richtige? Es war auch Frust dabei, aber „ich hätte nicht gedacht, dass das an der Mainzer Straße möglich ist. Die Schulleiterin sagte: Wir machen das.“

Mathis kann nicht sprechen, nicht mehr, denn nach heftigen epileptischen Anfällen fängt er gerade wieder an zu lautieren. Er kann nicht selbstständig laufen, wird in der Schule einen Spezialsitz mit Gurt bekommen und braucht Hilfe beim Essen. In seiner Klasse, zu der auch ein autistisches Kind zählen wird, soll ein Inklusionshelfer ständig bei ihm sein. „Der muss ihm beim Gehen helfen, beim Malen unterstützen, ihn einfach auf Trab halten“, sagt die 44-Jährige. „Aber vor allem muss er ihn richtig mögen.“ Das Problem: Es gibt ihn noch nicht.

Denn die Stadt kann derzeit gar nicht so viele Schulhelfer zur Verfügung stellen, wie notwendig wären. 60 Integrationshelfer sind bereits an Regel- und Förderschulen im Einsatz. Die gleiche Zahl ist in diesem Jahr neu beantragt worden – ein sprunghafter Anstieg. „Es ist ein ganz anderes Bewusstsein der Eltern da“, sagt Carolin Herrmann vom Sozialamt. Allein in ihrem Amt gingen über 50 Anträge ein, von denen die Hälfte bewilligt ist. Etwa zehn Inklusionshelfer können pünktlich zum neuen Schuljahr ihren Dienst beginnen. „Wir suchen händeringend Helfer“, sagt Herrmann. Es fehlten Zivildienstleistende, und Pflegekräfte seien eben auch knapp. Viele Anträge seien zudem deutlich zu spät gestellt worden.

„Wir schauen von Tag zu Tag“

„So viele Anfragen wie dieses Jahr hatten wir noch nie“, sagt auch Andre vom Orde von „Wir für Pänz“. Der Verein kümmert sich seit 20 Jahren um Menschen mit Behinderung, unter anderem mit der Bereitstellung von „Heil- und Erziehungspflegern“. Die Hälfte der 40 Anfragen habe man gleich abgesagt.

Levold sagt, die Stadt habe sich einfach zu spät gekümmert. Der Anstieg sei doch erwartbar gewesen. Also werden sie und ihr Mann Mathis erst einmal selbst begleiten. Vielleicht springen auch Oma und Opa ein, „wir schauen einfach von Tag zu Tag“.

Mathis wird seine Therapie in der Schule absolvieren: Logopädie, Ergotherapie und körperliches Training an der Sprossenwand oder auf einem Sitzball. Er wird allerhand Geräte in der Schule haben, alles mühsam beantragt und letztlich finanziert aus der „Inklusionspauschale“, die jedem behinderten Kind zusteht.

Die Mainzer Straße hat er schon im Frühjahr einmal die Woche besucht. Zum Gewöhnen, wie alle Vorschulkinder, die heute hier anfangen. „Die Kinder sind spitze“, sagt Judith Levold. Er habe da einfach dazugehört, darum gehe es doch. Natürlich solle er auch lernen in der Grundschule, aber vielleicht andere Dinge als die andern Kinder. „Lernen heißt doch, seine Kompetenzen zu erweitern.“ Und Wünsche? „Ich hoffe, dass er laufen lernt. Und dass er von den anderen Kindern getragen wird.“

Quelle: Kölnsche Rundschau

8. September 2011

Mit Bauhelm und Schultüte – Schulbeginn in Duisburg

Rote Bauhelme zieren die kleinen Köpfe der rund 50 Erstklässler. Doch was auf Außenstehende skurril und witzig wirkt, ist ernst gemeinter Protest. Denn die Gemeinschaftsgrundschule an der Fürst-Bismarck-Straße in Ruhrort ist eine einzige Baustelle.

Aus der Entfernung hört sich alles nach einem ganz normalen ersten Schultag an. Lachende Kinder toben auf dem Schulhof, die Glocken läuten zur ersten Stunde im neuen, aufregenden Schulleben. Doch, kommt man erstmal in Sichtweite, entfaltet sich ein ganz unerwartetes Bild. Dass hier an der Fürst-Bismarck-Straße in Ruhrort eigentlich die Gemeinschaftsgrundschule steht, ist rein optisch keineswegs zu erkennen. Baugerüste verhüllen das Gebäude von allen Seiten, der Eingang ist mit Holzbalken überdacht, um Kinder und Lehrer vor eventuell runterfallendem Baumaterial zu schützen. Symbolisch werden rote Bauhelme an die Schüler verteilt.

Dabei sollte pünktlich zum Schulbeginn alles fertig sein. Mit einer rundum sanierten Schule wollte man die I-dötzchen in Empfang nehmen, „eine warme und gemütliche Atmosphäre“ schaffen, klagt der Vorsitzende der Schulpflegschaft, Dirk Clevers. Seit fast einem Jahr steht das Gerüst an der Außenfassade und in der Schule sieht es noch viel schlimmer aus. „Nur vier Klassenräume stehen für das 1. und 2. Schuljahr, also für rund 100 Schüler provisorisch zur Verfügung“, ärgert sich Dirk Grotstollen, Vorsitzender des Schulfördervereins. In den anderen Klassenräumen sind die Baumaßnahmen im vollen Gange. Das 3. und 4. Schuljahr (weitere 100 Kinder) weicht auf Räumlichkeiten der Gesamtschule an der Carpstraße aus und wird dort unterrichtet.

Schulbeginn startet verstaubt

„Immerhin“, sagt Grotstollen, auch er trägt einen Bauhelm, der seinen Missmut über die nicht abgeschlossenen Bauarbeiten aber nicht verbergen kann. „Sämtliche Räume sind während der bisherigen Sanierungsarbeit stark verschmutzt. Mobiliar, technische Geräte und Inventar wurden nur mangelhaft vor dem entstehenden Staub geschützt. Wir versuchen unser Bestes, um den Kindern dennoch einen möglichst einen Schulbeginn zu bereiten“, fügt Grotstollen an. Dabei wären die Schulglocken beinahe stumm geblieben. Am Dienstag, nach einer Baubesprechung, wandten sich die Lehrer an die Schulaufsichtsbehörde und stellten die Rechtmäßigkeit des Schulbeginns unter diesen Umständen in Frage. Sie äußerten gesundheitliche und hygienische Bedenken, die die zuständige Schulrätin so sehr geschockt haben sollen, dass sie zunächst die vorübergehende Schließung der Schule in Betracht zog. „Nach langen Gesprächen und unter Auflage strenger Richtlinien für den weiteren Baustellenbetrieb sowie zur Verbesserung der hygienischen Situation, gab es doch grünes Licht“, erklärt Dirk Clevers.

Die Protagonisten dieses Tages, die neuen Erstklässler lassen sich von den widrigen Umständen jedenfalls nicht die Laune verderben. „Ich finde das Gerüst cool“, sagt der kleine Lucas, der Mühe hat unter dem Bauhelm herzugucken. Mutter Daniela und Oma Vera Jamson gingen hier bereits zur Schule. „Damals war die Schule aber noch voll in Schuss“, sagt Opa Peter.

Quelle: der Westen .de

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