30. September 2011
Aladin El-Mafaalanis Thesen zu arabisch- und türkischstämmigen Jugendlichen haben eine lebhafte Debatte auf ZEIT ONLINE ausgelöst. Nun antwortet der Soziologe den Lesern.
Liebe Kommentatoren, ich habe mit Interesse Ihre Anmerkungen und Anregungen zum Interview mit mir gelesen. Sie reagierten auf die These im Text, dass arabisch- und türkischstämmigen Jugendlichen oft die nötige Anerkennung und Orientierung fehlt, und dass viele Missverständnisse entstehen: sowohl zwischen Schülern und Lehrern, als auch zwischen Lehrern und Eltern.
Das Buch, das Ausgangspunkt des Interviews war, hat knapp 200 Seiten. Entsprechend kann in dem Interview nur schemenhaft dargestellt werden, worum es geht. Deshalb möchte ich einige klärende Ergänzungen anfügen, die meine/unsere Grundannahmen verdeutlichen.
Ich möchte vorab allerdings betonen, dass sich die Situation vieler Jugendlicher aus Migrantenfamilien durchaus verbessert. Wer skeptisch ist, kann eigene Feldstudien betreiben und die Fachhochschulen und Universitäten besuchen, wo sie inzwischen erfolgreich studieren. Dennoch gibt es noch viele Probleme, und genau diese thematisieren wir.
Durch Zuwanderung Vorteile für alle Seiten
Nicht nur die Migranten konnten – zumindest zum Teil – ihre Lebenssituation durch die Einwanderung verbessern. Auch die Einheimischen haben profitiert, denn ohne die Zuwanderung in die Arbeiterschicht hätten die deutschen Arbeiter nicht derart umfassend aufsteigen können. Man stelle sich die Gesellschaft wie ein Haus vor: Ohne Erdgeschoss geht es nicht. Wenn nun alle Einheimischen eine Etage aufsteigen wollen, geht dies nur, wenn andere das Erdgeschoss auffüllen.
Diese “Unterschichtung” hat schon mit der Zuwanderung nach dem Zweiten Weltkrieg begonnen. Man darf sich durchaus skeptisch fragen, wie es in den 1950ern unter den Einheimischen angekommen wäre, wenn gut gebildete Migranten gekommen wären, die die Vorarbeiter-, Angestellten- und Führungspositionen übernommen hätten.
Quelle: Zeit Online
29. September 2011
Viertklässler der Marienfeldschule besuchten am Montag das Kinderstudio des WDR. Auf dem „Stundenplan“ stand unter anderem, eine eigene Sendung zu produzieren.
Steht ein Ausflug auf dem Stundenplan, macht Schülern der Unterricht besonders viel Spaß. 49 Jungen und Mädchen der beiden vierten Klassen der Marienfeldschule, Städtische Gemeinschaftsgrundschule Kirchstraße in Rumeln, starteten am Montag mit dem Bus zu einem erlebnisreichen Tag, der eigentlich Bestandteil des Stundenplans war. Das Ziel: das Kinderstudio des WDR in Köln.
Einen solchen Besuch mit Führung bietet der Sender kostenfrei an. Und sich die zehnjährigen Kinder ohnehin seit Ende der Sommerferien mit dem Thema Radio befassen, passte dieser Termin prima in das Schulprojekt. Rektor Andreas Wysny: „Die Kinder produzieren in zwei Gruppen Hörspiele.“ Dabei geht es natürlich spannend und lustig zu. Sie haben die frei Wahl, ob sie nun Detektivgeschichten, Nachrichten oder eine eigene Geschichte in verteilten Rollen vertonen.
Originaltöne eingefangen
Richtig Spaß dürften dabei die Hausaufgaben machen. Mit Kassettenrekordern sollen die Jungen und Mädchen nämlich Zuhause Originaltöne einfangen. Andreas Wysny lacht: „Das kann eine laufende Waschmaschine sein oder die Toilettenspülung.“ Töne, die dann später im Unterricht in das Hörspiel eingearbeitet werden.
Mit so viel Vorwissen waren die Schüler natürlich bestens gerüstet für ihren Besuch beim WDR. Sie durften entscheiden, ob sie auf Abenteuerreise gingen oder im Studio „ihre “ Sendung selbst produzierten. Eine Gruppe ging auf Abenteuerreise durch die Gebäude des WDR, die andere Gruppe war im Studio und produzierte „ihre“ Sendung selbst.
Schwer beeindruckt waren die Kinder, die etwa zweieinhalb Stunden durch den riesigen Gebäudekomplex im wahrsten Sinne des Wortes wanderten. Das Haus besteht nämlich aus sieben Häusern, die schon beinahe wie eine Stadt wirken. Fernsehen, Radio und Internet sind hier untergebracht und durch über- und unterirdische Gänge miteinander verbunden.
Was kaum ein Fernsehzuschauer vermutet: Tief unter der Erde liegt das Studio von “Hart aber fair“, eine Politsendung, in der Frank Plasberg jeden Montag mit Gästen diskutiert. Schwer beeindruckt waren die Kinder von den 200 Scheinwerfen, die von der Decke hängen und viele verschiedene Lichter auf die Bühne werfen. Außerdem wurde den Kids auch gezeigt, dass es ohne Maske im Fernsehen nicht geht und woher es kommt, dass Nachrichtensprecherinnen und Moderatoren so gut Dinge auswendig können. Sie benutzen nämlich einen Teleprompter.
Technik koordiniert
Die andere Gruppe produzierte ihre eigene Sendung „Sportschau und Nachrichten“. Nicht nur, dass das Moderatorenteam in eine richtige Kamera schauen und moderieren musste, auch die Technik wurde erprobt: Wie bekommt man die Hintergrundbilder hin? Was ist „Greensreen“? Welche Tricks wendet das Fernsehen an? Und auch die Regie oblag den Kindern: Sie koordinierten die Technik und die Maske – auch während der Aufnahme – bestimmten, wann die Aufnahme startete und endete. Als Belohnung erhielten die Kinder „ihre“ Sendung in digitalem Format, so dass sie immer wieder abspielbar ist.
Quelle: Der Westen de
27. September 2011
Andrea Heiliger vom Bundesverband Nachhilfe- und Nachmittagsschulen rät Eltern den Schulstress ihrer Kinder immer ernst zu nehmen und bei Anzeichen dafür durch Fragen heraus zu finden, wodurch der Stress ausgelöst wird.
Oft sind Bewältigungsprobleme bei den Hausaufgaben, Klassenarbeiten daran Schuld. Manchmal kann aber auch Mobbing der Auslöser sein.
Schlechte Noten sollten dagegen niemals mit Verboten bestraft werden. Dies hilft dem Kind nichts, sondern löst nur noch größeren Frust aus. Eltern sollten gemeinsam mit den Kind Lösungen suchen, wie der Stress verringert werden kann. Oft kann auch ein besseres Zeitmanagement Abhilfe schaffen.
Jede achte Grundschule in NRW ist von der Schließung bedroht. Laut Experten-Gutachten im Auftrag der Lehrergewerkschaft VBE müssten bis 2019 rund 400 der knapp 3200 Grundschulstandorte aufgegeben werden, sollten die gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht rechtzeitig geändert werden.
VBE-Landeschef Udo Beckmann warnte vor einem regelrechten Schulsterben im Primarbereich. Die Mindestschülerzahlen müssten ebenso gesenkt werden wie die Klassengrößen. Das Land solle zudem Zumutbarkeitsregelungen für die Schulwege verbindlich festlegen. Grundschülern solle höchstens ein zwei Kilometer langer Fußmarsch oder eine 15-minütige Busfahrt zugemutet werden, forderte Beckmann. Selbst Mini-Grundschulen mit nur 44 Kindern über alle vier Jahrgangsstufen sowie jahrgangsübergreifender Unterricht müssten genehmigungsfähig werden, so der VBE-Chef.
Schulsterben
Die Gutachter Ernst Rösner und Gerd Möller hatten dargelegt, dass die Zahl der Grundschulstandorte bereits von 3465 im Jahr 2001 auf 3144 im Jahr 2010 zurückgegangen ist. Für die Zukunft prophezeiten die Experten vor allem im ländlichen Raum und in Teilen des Ruhrgebiets wachsende Probleme.
Allein der Kreis Coesfeld und der Hochsauerlandkreis würden bis 2019 ein Viertel ihrer heutigen Grundschulkinder verlieren. Starke Einbrüche bei den Grundschüler-Zahlen haben auch Herne (-22 Prozent), Unna (-21,4), Recklinghausen (-20,2), Ennepe-Ruhr (-19,4), Wesel (-19,2), Bottrop (-16,8), Bochum (-13,5), Gelsenkirchen (-9,6), Duisburg (-7,9), Oberhausen (-7,7), Mülheim (-7,5) und Dortmund (-4,8) zu erwarten. Zuwächse gibt es bis 2019 demnach nur in Essen (+0,2), Köln (+9,9) und Düsseldorf (+15,6).
Quelle: Der westen .de
26. September 2011
Wenn jede Duisburger Schule wieder einen eigenen Hausmeister hätte, würde das 1,6 Millionen Euro kosten.
Zu diesem Ergebnis ist das Immobilienmanagement Duisburg gekommen. Das sorgt jetzt für Kritik bei einem Bündnis aus den Gewerkschaften verdi und GEW, der Stadtschulpflegschaft und den Sprechern der einzelnen Schulformen. Das Bündnis glaubt, dass das IMD fiktive und viel zu hohe Zahlen angesetzt hat. IMD-Chef Uwe Rohde verteidigt aber die eigenen Berechnungen:
Das Bündnis findet es zum Beispiel falsch, dass für eine einzelne Hausmeisterstelle jährliche Kosten von 48tausend Euro angesetzt wurden.
Den ORIGINALTON ANHÖREN auf
http://www.radioduisburg.de/Lokalnachrichten.1381+M562a7eb15dc.0.html
22. September 2011
Das Immobilien-Management hat nachgerechnet: Würde die im Raum stehende Forderung erfüllt, dass jede Schule wieder einen eigenen Hausmeister erhält, würde dies Mehrkosten von über 1,1 Millionen Euro verursachen. 15 zusätzliche Stellen müssten geschaffen werden.
Sollte außerdem die Forderung erfüllt werden, dass an den 88 Duisburger Grundschulen eine durchgehende Anwesenheit des Hausmeisters speziell für den Offenen Ganztag garantiert werden soll, würde dies mit weiteren 486 000 Euro zu Buche schlagen.
Die Zahlen legte am Dienstag der IMD-Geschäftsführer Uwe Rohde im Betriebsausschuss für das Immobilienmanagement vor. Hintergrund war eine entsprechender Antrag der CDU-Fraktion im Schulausschuss zur Hausmeisterbedarfsplanung an Duisburger Schulen.
Auf der Basis des Tarifrechts für Schulhausmeister in Nordrhein-Westfalen wurden die Kosten berechnet. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 46,75 Stunden. Sie beinhaltet eine Präsenszeit von 31,25 Stunden sowie eine Arbeitszeitbereitschaft von 15,5 Stunden, die zur Hälfte auf die Arbeitszeit angerechnet wird.
Ebenfalls lag laut Rohde bei der Berechnung die Annahme zu Grunde, dass die Stellen mit eigenen Kräften besetzt werden und nicht mehr von Mitarbeitern von Octeo. Bei der Verteilung der zusätzlichen Stellen würden vor allem die Grundschulen profitieren: Hier würden demnach alleine zwölf neue Stellen geschaffen werden. Drei weitere entfielen auf die Förderschulen.
Die restlichen Kostenzuwächse würden entstehen, weil bei 22 Hausmeistern die Stundenzahl erhöht und entsprechend bezahlt werden müsste.
Vandalismusschäden
Hintergrund u.a. ist die Frage, ob durch die Präsenz von Hausmeistern an Schulen die Vandalismusschäden zurückgehen würden.
Quelle: der Westen.de
20. September 2011
Kleines Geld – große Folgen: Wie sich die Sparvorgaben für das hochverschuldete Duisburg bei den Duisburger Kulturbetrieben auswirken, wird vor der Sitzung des Kulturausschusses am kommenden Donnerstag deutlich. Die Verwaltung hat „Hausaufgaben“ gemacht, das Szenario, das bei der Umsetzung des Haushaltssicherungskonzepts entstünde, ist erschreckend.
Leerer Korb
Das Kinder- und Jugendtheater-Programm „Der Spielkorb“ soll ab 2012 auf Null gefahren werden. Sparziel: 236.434 Euro. Folge: Ausfall von jährlich rund 400 Veranstaltungen mit etwa 18.000 Besuchern, davon 13.500 Schüler. Die Veranstaltungsmittel belaufen sich seit zehn Jahren auf 90.600 Euro und könnten nicht sofort herunter gefahren werden, weil für 2012 noch Vertrage mit Theatergruppen geschlossen wurden. Ebenfalls nicht realisierbar ist die Einsparung der Personalaufwendungen (1,5 Stellen, gut 110.000 Euro).
Ohne Reibekuchen
Wurde das 1976 gegründete freie Ensemble „Reibekuchen-Theater“ seit 2005 mit 50.000 Euro bezuschusst, dürfen in diesem Jahr 37.500 Euro ausgezahlt werden. Und weiter: „Vor dem Hintergrund der finanziellen Situation der Stadt Duisburg ist perspektivisch davon auszugehen, dass der komplette Zuschuss für das Reibekuchen-Theater eingestellt wird.“ Folge: Es entfallen 300 Vorstellungen im Komma-Theater in Rheinhausen mit 24 000 Besuchern von drei bis 20 Jahren und Familien.
Vorhang fällt
Das Kinder- und Jugendtheater-Programmheft „Vorhang auf!“, das seit 1999 einen Überblick gibt über Theaterstücke sowie Musicals, Kinderopern und Konzerte für Kinder und Jugendliche wird 2012 eingestellt, nachdem der Sponsor Haniel mitgeteilt hat, seinen Zuschuss von 4000 Euro zu den jährlichen Kosten von 11.600 Euro zu streichen.
Ratskeller dicht
Seit 2002 führt Willi Meyer mit einem Zuschuss von 20.000 Euro den Ratskeller Hamborn als Vereinstreffpunkt im Stadtteil, aber auch als Veranstaltungsort für Konzerte, Theater, Kleinkunst, Ausstellungen, Lesungen etc. 2012 würden maximal 15 000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Auch hier wird davon ausgegangen, dass der komplette Zuschuss gestrichen wird. Folge: Der Duisburger Norden würde eine etablierte und gern besuchte Einrichtung verlieren.
Kulturbunker zu
2011 wird der städtische Zuschuss für das Multifunktionale Zentrum Dieselstraße, also den Kulturbunker Bruckhausen, von 41 700 Euro (seit 2003) auf 30 850 gekürzt. Die Perspektive ist auch hier düster, läuft auf eine komplette Streichung hinaus. Folge: Das Zentrum würde geschlossen, Kinder und Jugendliche, aber auch andere Gruppen verlören den zentralen Treffpunkt im Stadtteil. Und: EU und Land könnten Fördermittel zurückfordern.
Museen leer
In diesem Jahr sinkt der Ausstellungsetat des Kultur- und Stadthistorischen Museums von 60 000 auf 45 000 Euro. Folge: Sonderausstellungen sind kaum noch möglich, das Begleitprogramm fällt weg, Besucher und Einnahmen blieben aus. Mit 10 000 Euro hat das Museum der Deutschen Binnenschifffahrt noch weniger. Folge: „Bundesweit gibt es kein Schifffahrtsmuseum, dessen Ausstellungsetat dermaßen desolat ist.“
Cubus aufgeben
Zunächst wird der jährliche Zuschuss der Cubus-Kunsthalle im Kantpark mit jährlich 40 000 Besuchern von 15 000 auf 7500 Euro gekürzt, dann komplett. Folge: Das Gebäude muss vom Trägerverein aufgegeben werden, es fiele kostenmäßig wieder an die Stadt.
Stipendiaten ade
Das Lehmbruck-Stipendium, das seit 1976 an insgesamt 47 junge Künstler vergeben wurde, wird gestrichen, wenn das laufende Stipendium am 30. November beendet ist. Spareffekt: Stipendiengelder von 24 800 Euro jährlich.
Freiwilliger Verzicht
Der Philharmonische Chor, der seit 1977 einen städtischen Zuschuss von 19 800 Euro erhält, verzichtet „nach intensiven Gesprächen“ auf 15 Prozent des Zuschusses; ebenso das Studio-Orchester, das nach dem Verzicht noch jährlich 3485 Euro von der Stadt erhält.
Quelle: der westen.de
18. September 2011
Der Bundesratspräsidentin und NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) geht der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse nicht weit genug.
“Wenn der Entwurf nicht deutlich verbessert wird, sollte der Bundesrat den Vermittlungsausschuss anrufen”, sagte Kraft dem Hamburger Nachrichtenmagazin “Spiegel” laut Vorabbericht. Kraft forderte, in den Gesetzentwurf müsse unter anderem ein Recht auf Beratung und Nachqualifizierung aufgenommen werden.
(dapd nachrichtenagentur)
16. September 2011
Ein inklusives Bildungssystem braucht inklusive Schulen, aber keine sonderpädagogischen Kompetenzzentren. So lässt sich das Gutachten von Prof. Dr. Rolf Werning über die Eignung der nordrhein-westfälischen Kompetenzzentren zur Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems zusammenfassen, das er im Auftrag des NRW Schulministeriums erstellt hat.
Die schwarz-gelbe Vorgängerregierung hatte Kompetenzzentren für sonderpädagogische Förderung (KsF) im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen als Pilotprojekt zu Beginn ihrer Amtszeit installiert und später als Motor für die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) ausgegeben. SPD und Grüne hatten schon vor der Regierungsbildung eine Evaluation des Pilotprojektes angekündigt.
Kritik an der Konzeption
Die Konzeption der Kompetenzzentren war von Anfang an äußerst umstritten. Die Befürworter der Inklusion bewerteten das Projekt als gezielten Versuch der Landesregierung, die Forderung der UN-BRK nach inklusiver Bildung für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen zu unterlaufen. Faktisch werde – so die Argumentation – das Förderschulsystem im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen über die Zusammenführung der Förderschwerpunkte Lernen und emotionale/ soziale Entwicklung stabilisiert bzw. durch die Ausweitung der sonderpädagogischen Kompetenzen im Rahmen von Kooperationen mit allgemeinen Schulen in regionalen Netzwerken gestärkt.
Auch der Gutachter formuliert deutliche Kritik an der Konzeption und Zielsetzung der Kompetenzzentren als duales System sonderpädagogischer Förderung in allgemeinen Schulen und in Förderschulen. Als besonders problematisch stellt er dabei heraus, dass “eine klare Zielformulierung hinsichtlich konkreter Standards inklusiver Bildung an allgemeinen Schulen, verbunden mit der Nennung konkreter Integrationsquoten und einer präzisen Aufgabenbeschreibung von allgemeinen Schulen und Förderschulen (sofern sie bestehen bleiben sollen) fehlen”.
Die Ergebnisse der Evaluation
Aus den Gruppendiskussionen mit den unterschiedlichen Beteiligten erschließt sich für den Gutachter als positive Bilanz, dass die KsF eine Art “Türöffnerfunktion” für sonderpädagogische Förderung in den allgemeinen Schulen haben. “Sowohl auf der Leitungsebene als auch auf der Ebene der Lehrkräfte wird die Einschätzung deutlich, dass die KsF zu einer schnelleren, flexibleren und unbürokratischeren Kontaktaufnahme zwischen den allgemeinen Schulen und den Förderschulen beitragen als dies davor möglich war. Dies ermöglicht einen niedrigschwelligen Zugang der allgemeinen Schule zu sonderpädagogischer Unterstützung und Expertise.”
Bezogen auf die Kernfrage nach dem Beitrag der Kompetenzzentren für die Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems in NRW stellt er jedoch fest, “dass von dem Konzept der Kompetenzzentren für sonderpädagogische Förderung im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen in Nordrhein-Westfalen nur begrenzte Impulse für die Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems ausgehen. Das Konzept ermöglicht vielmehr eine flexiblere sonderpädagogische Unterstützung in den allgemeinen Schulen. Es reicht jedoch nicht aus, um hier nachhaltige inklusive Schulentwicklungsprozesse – in den bestehenden widersprüchlichen Strukturen – in Gang zu setzen”.
Der Gutachter konstatiert u. a. fehlende Aufgabenbeschreibungen, Rollendiffusität auf Seiten des pädagogischen Personals sowie zu kurze Präsenszeiten der Sonderpädagogen an den allgemeinen Schulen. Eine gemeinsame Planung und Durchführung des Unterrichts sind nicht möglich. Unter diesen Bedingungen findet sonderpädagogische Unterstützung in additiver Form und in äußerer Differenzierung statt. Eine inklusionspädagogische Haltung und Praxis können aus seiner Sicht so schwerlich entwickelt werden. Stattdessen wird die Mentalität der “Reparaturorientierung” bei Lehrerinnen und Lehrern gefördert, die sich von dem Einsatz der Sonderpädagogen lediglich Entlastung von den schwierigen Kindern versprechen.
Die Empfehlungen
Perspektivisch müssen aus Sicht des Gutachters die Schulen inklusive Leitbilder für inklusive Bildung und eine inklusive Schulkultur entwickeln, “die durch Anerkennung und Wertschätzung von Unterschiedlichkeit, die durch die Bereitstellung von Bildungsangeboten für alle Schülerinnen und Schüler auf ihren jeweiligen Entwicklungsständen, eine ausgeprägte Kooperation zwischen den Lehrkräften sowie durch die Förderung der Zusammenarbeit zwischen Schülerinnen und Schülern und durch die konstruktive Einbeziehung von Eltern geprägt ist”. Die Aufgabe des Schulministeriums besteht in einer klaren Aufgabenbeschreibung und strukturellen Verankerung von Unterstützungsangeboten in den allgemeinen Schulen.
Das Schulministerium muss sich bei der Entscheidung über den Inklusionsplan ernsthaft damit auseinandersetzen, dass Werning – wie schon Klemm und Preuss-Lausitz in ihrem Inklusionsgutachten für das Schulministerium – für eine “dauerhafte Positionierung von Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen an allgemeinen Schulen” für den Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen eintritt, wobei er ebenfalls für eine systembezogene regionale Zuweisung der sonderpädagogischen Ressourcen unter Berücksichtigung der sozialräumlichen Verhältnisse plädiert. Eine Etikettierung der Kinder mit Lern- und Entwicklungsproblemen im Rahmen sonderpädagogischer Feststellungsverfahren entfällt damit.
Ausgehend von dem Anspruch, dass Inklusion auf die institutionelle Entwicklung einer Schule für Alle abzielt, die keinen Menschen ausschließt, verweist der Gutachter nachdrücklich darauf, dass in den bestehenden Strukturen des gegliederten Schulsystems mit dem Prinzip der strukturellen Selektivität Inklusion immer nur durch “Widersprüche und Antinomien” gekennzeichnet sein wird. Sie können von den Lehrerinnen und Lehrern weder aufgelöst noch austariert werden. Diesen Hinweis möchte man der Landesregierung entgegenhalten, die für den sogenannte Schulfrieden bereit ist, das gegliederte Schulsystem ausdrücklich in der Landesverfassung festzuschreiben.
von Dr. Brigitte Schumann
Brigitte Schumann war 16 Jahre Lehrerin an einem Gymnasium, zehn Jahre Bildungspolitikerin und Mitglied des Landtags von NRW. Der Titel ihrer Dissertation lautete: “Ich schäme mich ja so!” – Die Sonderschule für Lernbehinderte als “Schonraumfalle” (Bad Heilbrunn 2007). Derzeit ist Brigitte Schumann als Bildungsjournalistin tätig.
In Nordrhein-Westfalen besuchen durchschnittlich mehr junge Erwachsene eine Schule oder Hochschule als im übrigen Bundesgebiet. Die Bildungsbeteiligung der 15- bis 29-Jährigen lag 2009 sowohl in Deutschland als auch im Vergleich der wichtigsten internationalen Industrieländer über dem Durchschnitt , teilte das Statistische Landesamt am Mittwoch in Düsseldorf mit. Insgesamt besuchten 91 Prozent der 15- bis 19-Jährigen und 34 Prozent der 20- bis 29-Jährigen eine Schule oder Hochschule. Bundesweit lagen diese Werte bei 88,5 und 30 Prozent.
Im Vergleich mit den Ländern der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schnitt NRW den Angaben zufolge noch besser ab. Dort besuchten im Durchschnitt nur 82,1 Prozent der 15- bis 19- Jährigen und 26 Prozent der 20- bis 29-Jährigen eine Bildungseinrichtung.
Die Daten stammen aus der neuen Publikation “Internationale Bildungsindikatoren im Ländervergleich”, die an den am Dienstag von der OECD veröffentlichten Datenreport “Bildung auf einen Blick 2011″ anknüpft.
Für Nordrhein-Westfalen ergebe sich bei der Bildung junger Erwachsener ein facettenreiches Bild, erklärten die Landesstatistiker. So habe der Anteil der 25- bis 29-Jährigen mit einem Abschluss des Sekundarbereichs II, die sich nicht in Ausbildung befanden und erwerbslos waren, bei 5,3 Prozent gelegen.
Bundesweit seien es 6,5 Prozent und im OECD-Durchschnitt 7,8 Prozent gewesen. In Teilzeitstudiengängen für Berufstätige befanden sich 10,8 Prozent der Studierenden, während es bundesweit nur 4,8 Prozent waren. Der OECD-Durchschnitt lag dagegen bei 21,3 Prozent.
Im Hinblick auf die Bildung der Kinder und Jugendlichen schneidet Deutschland im internationalen Vergleich allerdings nach wie vor schlecht ab. Vor allem sozial benachteiligte Kinder haben es laut OECD-Studie schwer. Nur 23 Prozent aller 15-jährigen Schüler aus sozial schwachen Familien erzielen in der Schule eine gute Leistung. Im OECD-Durchschnitt sind es dagegen 31 Prozent.
Nur sieben der 39 verglichenen Länder erreichen noch schlechtere Werte als Deutschland, unter ihnen Österreich, Luxemburg, die Slowakei und Tschechien. An der Spitze der Skala rangieren China, Korea, Finnland und Japan – in China sind über 70 Prozent der sozial benachteiligten Kinder nach OECD-Maßstäben gute Schüler.
Quelle: Mindener Tageblatt