30. November 2010
Nordrhein-Westfalen hat einer Studie zufolge großen Nachholbedarf beim gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. Das Land liege mit seinen Angeboten in der Grundschule und der Sekundarstufe I deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.
Nur im Kita-Bereich sei NRW besser als der Bundesdurchschnitt, heißt es in der am Montag veröffentlichten Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm für die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. Ebenso wie im Bundesdurchschnitt gebe es auch in NRW in den Kindertagesstätten das breiteste Angebot. In NRW können immerhin 69 Prozent (Bund: 60 Prozent) der Kinder mit Förderbedarf gemeinsam mit anderen spielen.
In der Grundschule sind es nur noch 26 Prozent (Bund: 34 Prozent). In der weiterführenden Sekundarstufe I gehen in Nordrhein-Westfalen nur 8 Prozent der Schüler mit Förderbedarf (ohne Schwerpunkt Geistige Entwicklung) auf eine Regelschule.
Das ist deutschlandweit der zweitniedrigste Wert. Im Bundesdurchschnitt sind es immerhin knapp 15 Prozent, in Schleswig-Holstein sogar mehr als 40 Prozent. Die Mehrheit besucht separate Förderschulen.
Bundesweit komme der Ausbau des gemeinsamen Unterrichts von Schülern mit und ohne Behinderung nur langsam voran, kritisiert die Studie. In internationalen Abkommen habe sich die Bundesrepublik verpflichtet, den sogenannten inklusiven Unterricht auszubauen. Dennoch sei die Situation nach wie vor unbefriedigend.
Der Untersuchung zufolge hatten in Nordrhein-Westfalen rund 116.000 Schüler im Jahr 2009 einen sonderpädagogischen Förderbedarf das sind sechs Prozent aller Schüler und entspricht genau dem Bundesdurchschnitt. Hinzu kamen rund 16.400 Kinder in Kitas.
Große Unterschiede gibt es in den einzelnen Bundesländern: Die Spannweite des anerkannten Förderbedarfs reicht von 4,5 Prozent in Rheinland- Pfalz bis zu 11,7 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern.
Quelle: Aachener Zeitung
Gewerkschaften, Rektoren und Lehrer nehmen den Kampf um die 180 Schul-Hausmeisterstellen in Duisburg auf. 1-€-Jobs und Bürgerarbeit seien keine Alternative: “Da fehlen Kontinuität und Kompetenz.”
Sie hatten Feuerlöscher aus den Verankerungen gerissen und leergesprüht, Schränke von den Wänden gezogen, umgekippt, verwüstet und dann die Feuerwehr alarmiert. So endete vor knapp zwei Wochen ein Elternabend an einer Schule im Duisburger Norden. Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die Gewerkschaft Verdi und die Stadtschulpflegschaft Duisburger Schulen ist das ein deutliches Zeichen für ihre Botschaft: Schulen brauchen Hausmeister.
“Schul-Hausmeister kennen ihre Pappenheimer, schaffen Sicherheit”
Die guten Seelen im grauen Kittel sind für Norbert Müller von der GEW der Garant für Sicherheit an Schulen. „Die kennen ihre Pappenheimer, und allein dadurch, dass sie theoretisch ständig auftauchen könnten, schaffen sie Sicherheit.“ An der Schule, die von Vandalen heimgesucht wurde, sollte an dem Abend ein Schließdienst kommen. Der Lehrer und die Eltern hockten irgendwo im dritten Stock des Schulgebäude, das für Nachzügler offen stand, beschreibt Müller das Geschehen.
85 der 86 Duisburger Grundschul-Rektoren haben sich jetzt in einem gemeinsamen Brandbrief an den Oberbürgermeister und die Parteien gewandt. Ihr Sprecher Martin Fey betont, dass sich die Situation an den Schulen in den vergangenen Jahren stark verändert habe: „Früher kam nach 13 Uhr nur noch die Putzkolonne, heute ist offener Ganztag, gibt es muttersprachlichen Unterricht, Förder-AG’s. Betrieb ist fast überall bis 16 Uhr.“
Für Frank Jakobs, den Vorsitzenden der Stadtschulpflegschaft, stünden Hausmeister zwar selten im Rampenlicht, seien aber „wie ein Computer-Sicherheitsprogramm ständig aktiv“.
Ohne Hausmeister würden die Leistungen aller schlechter
Vorschläge wie Bürgerarbeit oder 1-€-Jobs sind für die Gewerkschaften keine Alternative: „Da fehlen Kontinuität, Kompetenz.“ Und: „Die Eltern glauben, Schulen seien ein sicherer Ort, das können wir nicht mehr garantieren“, zeichnet Müller ein düsteres Bild. Das Argument der Stadt, dass es an 18 Schulen schon funktioniere mit geteiltem Hausmeister, wischen die Gewerkschafter vom Tisch: Es handele sich hier jeweils um zwei Schulen an einem Standort, das sei auch vertretbar.
Weitere Kürzungen der aktuell 180 Schul-Hausmeister seien nicht hinnehmbar. Er führe zu einer Leistungsverdichtung beim übrigen Personal, etwa den Sekretariaten, und zu einer Leistungsverschlechterung für Eltern, Schüler, Lehrer.
Zwar stehe hinter jeder Hausmeisterstelle eine fünfstellige Summe, die sich einsparen ließe: „Aber ich glaube fest, dass sich jede Stelle betriebswirtschaftlich rechnet“, so Müller. Die Kosten für Reparaturen und Instandhaltung würden alle Einsparungen wieder auffressen.
Quelle: WAZ