30. November 2010
Nordrhein-Westfalen hat einer Studie zufolge großen Nachholbedarf beim gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderung. Das Land liege mit seinen Angeboten in der Grundschule und der Sekundarstufe I deutlich unter dem Bundesdurchschnitt.
Nur im Kita-Bereich sei NRW besser als der Bundesdurchschnitt, heißt es in der am Montag veröffentlichten Studie des Bildungsforschers Klaus Klemm für die Bertelsmann Stiftung in Gütersloh. Ebenso wie im Bundesdurchschnitt gebe es auch in NRW in den Kindertagesstätten das breiteste Angebot. In NRW können immerhin 69 Prozent (Bund: 60 Prozent) der Kinder mit Förderbedarf gemeinsam mit anderen spielen.
In der Grundschule sind es nur noch 26 Prozent (Bund: 34 Prozent). In der weiterführenden Sekundarstufe I gehen in Nordrhein-Westfalen nur 8 Prozent der Schüler mit Förderbedarf (ohne Schwerpunkt Geistige Entwicklung) auf eine Regelschule.
Das ist deutschlandweit der zweitniedrigste Wert. Im Bundesdurchschnitt sind es immerhin knapp 15 Prozent, in Schleswig-Holstein sogar mehr als 40 Prozent. Die Mehrheit besucht separate Förderschulen.
Bundesweit komme der Ausbau des gemeinsamen Unterrichts von Schülern mit und ohne Behinderung nur langsam voran, kritisiert die Studie. In internationalen Abkommen habe sich die Bundesrepublik verpflichtet, den sogenannten inklusiven Unterricht auszubauen. Dennoch sei die Situation nach wie vor unbefriedigend.
Der Untersuchung zufolge hatten in Nordrhein-Westfalen rund 116.000 Schüler im Jahr 2009 einen sonderpädagogischen Förderbedarf das sind sechs Prozent aller Schüler und entspricht genau dem Bundesdurchschnitt. Hinzu kamen rund 16.400 Kinder in Kitas.
Große Unterschiede gibt es in den einzelnen Bundesländern: Die Spannweite des anerkannten Förderbedarfs reicht von 4,5 Prozent in Rheinland- Pfalz bis zu 11,7 Prozent in Mecklenburg-Vorpommern.
Quelle: Aachener Zeitung
Gewerkschaften, Rektoren und Lehrer nehmen den Kampf um die 180 Schul-Hausmeisterstellen in Duisburg auf. 1-€-Jobs und Bürgerarbeit seien keine Alternative: “Da fehlen Kontinuität und Kompetenz.”
Sie hatten Feuerlöscher aus den Verankerungen gerissen und leergesprüht, Schränke von den Wänden gezogen, umgekippt, verwüstet und dann die Feuerwehr alarmiert. So endete vor knapp zwei Wochen ein Elternabend an einer Schule im Duisburger Norden. Für die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die Gewerkschaft Verdi und die Stadtschulpflegschaft Duisburger Schulen ist das ein deutliches Zeichen für ihre Botschaft: Schulen brauchen Hausmeister.
“Schul-Hausmeister kennen ihre Pappenheimer, schaffen Sicherheit”
Die guten Seelen im grauen Kittel sind für Norbert Müller von der GEW der Garant für Sicherheit an Schulen. „Die kennen ihre Pappenheimer, und allein dadurch, dass sie theoretisch ständig auftauchen könnten, schaffen sie Sicherheit.“ An der Schule, die von Vandalen heimgesucht wurde, sollte an dem Abend ein Schließdienst kommen. Der Lehrer und die Eltern hockten irgendwo im dritten Stock des Schulgebäude, das für Nachzügler offen stand, beschreibt Müller das Geschehen.
85 der 86 Duisburger Grundschul-Rektoren haben sich jetzt in einem gemeinsamen Brandbrief an den Oberbürgermeister und die Parteien gewandt. Ihr Sprecher Martin Fey betont, dass sich die Situation an den Schulen in den vergangenen Jahren stark verändert habe: „Früher kam nach 13 Uhr nur noch die Putzkolonne, heute ist offener Ganztag, gibt es muttersprachlichen Unterricht, Förder-AG’s. Betrieb ist fast überall bis 16 Uhr.“
Für Frank Jakobs, den Vorsitzenden der Stadtschulpflegschaft, stünden Hausmeister zwar selten im Rampenlicht, seien aber „wie ein Computer-Sicherheitsprogramm ständig aktiv“.
Ohne Hausmeister würden die Leistungen aller schlechter
Vorschläge wie Bürgerarbeit oder 1-€-Jobs sind für die Gewerkschaften keine Alternative: „Da fehlen Kontinuität, Kompetenz.“ Und: „Die Eltern glauben, Schulen seien ein sicherer Ort, das können wir nicht mehr garantieren“, zeichnet Müller ein düsteres Bild. Das Argument der Stadt, dass es an 18 Schulen schon funktioniere mit geteiltem Hausmeister, wischen die Gewerkschafter vom Tisch: Es handele sich hier jeweils um zwei Schulen an einem Standort, das sei auch vertretbar.
Weitere Kürzungen der aktuell 180 Schul-Hausmeister seien nicht hinnehmbar. Er führe zu einer Leistungsverdichtung beim übrigen Personal, etwa den Sekretariaten, und zu einer Leistungsverschlechterung für Eltern, Schüler, Lehrer.
Zwar stehe hinter jeder Hausmeisterstelle eine fünfstellige Summe, die sich einsparen ließe: „Aber ich glaube fest, dass sich jede Stelle betriebswirtschaftlich rechnet“, so Müller. Die Kosten für Reparaturen und Instandhaltung würden alle Einsparungen wieder auffressen.
Quelle: WAZ
26. November 2010
Liebe Eltern,
möglicher Weise haben auch sie Kinder die in Kürze ein Studium beginnen. Seit die Studiengebühren eingeführt worden sind, gibt es auch die Diskussion um die Abschaffung. Fest steht, dass die eingenommenen Gebühren für die Universitäten zu einer deutlichen Verbesserung vor Ort geführt haben. Dies ist aber nur die halbe Wahrheit. Ein schwieriges Thema. Aus aktuellem Anlass möchten wir Ihnen einen Brief der Landtagsfraktion NRW „Die Linke“ nicht vorenthalten. Machen Sie sich ihr eigenes Bild. Schreiben Sie uns hierzu Ihre Meinung im Blog.
Frank Jakobs
Brief der Landtagsfraktion
24. November 2010
Repräsentative Umfrage: Die modernen Medien sind im Unterricht noch nicht angekommen
43 Prozent aller Schüler nutzen im Unterricht den Computer selten oder nie
Viele ehemalige Schüler erinnern sich an das Schulzimmer, das hochtrabend “Medienraum” genannt wurde. Das war der Ort, an dem der Lehrer maximal einmal pro Woche stolz eine höchstselbst im Fernsehen aufgenommene Dokumentation präsentierte. Dann irgendwann Mitte der Neunzigerjahre gab es als Novum den Computerraum mit 30 Röhrenmonitoren und vergilbten Tastaturen. An flüssigen Unterricht war hier nicht zu denken. Mittlerweile hat fast jedes Kind einen mehr oder weniger leistungsstarken Rechner zuhause stehen, der regelmäßige Einsatz von Computer und Internet im Unterricht ist allerdings immer noch eine Ausnahme an deutschen Schulen. Zu diesem Ergebnis ist jetzt eine repräsentative Umfrage unter 500 Schülerinnen und Schülern von 14 bis 19 Jahren gekommen. Sie wurde vom Forsa-Institut im Auftrag des Hightech-Verbands Bitkom durchgeführt.
Ihr zufolge kommt der Computer bei 43 Prozent aller Schüler im Unterricht entweder gar nicht oder seltener als einmal pro Woche zum Einsatz. Erst 15 Prozent aller Schüler nutzen ihn täglich in der Schule, 41 Prozent mindestens einmal pro Woche. “Computer und Internet sind zwar an allen Schulen vorhanden, von einem regelmäßigen Einsatz kann bisher aber keine Rede sein”, sagt Bitkom-Präsident August-Wilhelm Scheer bei der Vorstellung der Studienergebnisse. “Die Schulen drohen sich immer weiter von der Lebenswirklichkeit ihrer Schüler zu entfernen.”
So besitzen heute 95 Prozent aller Jugendlichen ein Handy und 99 Prozent nutzen das Internet. Drei Viertel aller Schüler machen regelmäßig Hausaufgaben am PC.
Nach den Ergebnissen der Umfrage wünschen sich 84 Prozent der Schüler, dass elektronische Medien verstärkt im Unterricht eingesetzt werden. 92 Prozent sagen, dass neue Medien Schulstunden interessanter machen und 79 Prozent, dass sie zum besseren Verständnis der Lehrinhalte beitragen. Gleichzeitig sagen zwei Drittel der Schüler, dass ihre Lehrer besser für die Verwendung neuer Medien im Unterricht geschult werden sollten. Fast die Hälfte (44 Prozent) meint, dass viele Lehrer einfach keine Lust hätten, Computer und Internet im Unterricht einzusetzen. In der Untersuchung zeigte sich, dass die Schulen die Funktionen und Anwendungsmöglichkeiten der vorhandenen Technik bisher unzureichend nutzen. “Die Geräte fristen allzu oft ein Mauerblümchendasein und werden nur für einfachste Anwendungen eingesetzt.” 88 Prozent der Schülerinnen und Schüler suchen im Web nach fachlichen Informationen. 82 Prozent präsentieren ihre Lernergebnisse vor der Klasse am Computer und nutzen in der Regel Projektionsgeräte wie Beamer, die inzwischen in den meisten Schulen vorhanden sind.
Spezielle Lernprogramme nutzt die Hälfte der Schüler, lediglich jeder Dritte programmiert im Unterricht, gerade einmal ein Fünftel (18 Prozent) gestaltet in der Schule Websites.
Aus Sicht des Branchenverbandes Bitkom verlangt der Arbeitsmarkt zunehmend nach Kompetenzen in Sachen Computer, die über reine Anwenderkenntnisse hinausgehen. “Die Schulen müssen mit einem Ausbau des Informatikunterrichts reagieren”, fordert der Präsident nun. “Die Einführung von Informatik als Pflichtfach ist längst überfällig.” Nach den Ergebnissen der Umfrage nehmen lediglich 59 Prozent der Schüler an einem solchen Unterricht teil. Das sind nur sieben Prozentpunkte mehr als vor drei Jahren. Unterschiede gibt es zwischen Jungen und Mädchen: Zwei Drittel der Jungen und nur die Hälfte der Mädchen besucht den Informatikunterricht. Gleichzeitig befürwortet eine Mehrheit von 53 Prozent der Schülerinnen und Schüler Informatik als Pflichtfach bereits in der Sekundarstufe I. Nur ein Viertel ist eindeutig dagegen, ein weiteres Viertel ist unentschlossen.
Voraussetzung für einen regelmäßigen Einsatz neuer Medien im Unterricht ist eine bessere Ausstattung der Schulen, meint der Bitkom. Alle Klassenräume sollten mit interaktiven Tafeln, so genannten Whiteboards, ausgerüstet werden und über einen schnellen Internetzugang verfügen. In der Umfrage geben nur ein Drittel der Schüler an, dass in ihrer Schule Whiteboards genutzt werden. “Statt in separaten Computerräumen sollten Schüler verstärkt mit mobilen Laptops und Tablet-Computern arbeiten”, sagt Scheer.
Schulbücher sollten seiner Meinung nach durch elektronische Bücher, sogenannte E-Books, ergänzt werden. Neben Texten und Bildern enthalten sie Filme sowie interaktive Lernprogramme und Tests. Zudem könnten sie jederzeit aktualisiert werden. Der modulare Aufbau digitaler Schulbücher ermögliche es, unterschiedlichste Lerninhalte zu integrieren und damit Schüler individuell zu fördern.
Bei der Gestaltung neuer Unterrichtsformen sollten Gruppenarbeit und Selbststeuerung im Mittelpunkt stehen. Die Schüler sollten lernen, sich Wissen selbst zu erschließen, die Inhalte gemeinschaftlich zu erarbeiten und kritisch zu hinterfragen.
Die neuen Medien seien hier Mittel zum Zweck. Der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, sagte auf Anfrage, die Bedeutung von Computern im Unterricht werde überschätzt. Viele Fächer könnten auch ohne PC unterrichtet werden. Wichtiger Lerninhalt sei der Umgang mit Informationen und Texten.
Quelle: WeltOnline
22. November 2010
In Sachsen sind in diesem Schuljahr wieder mehr Kinder eingeschult worden. Nach einem leichten Rückgang in den vergangenen beiden Jahren bekamen dieses Mal insgesamt 32 310 Jungen und Mädchen ihre Zuckertüte, wie das Statistische Landesamt am Montag mitteilte. Das waren 4,8 Prozent (1490 Kinder) mehr als im Vorjahr. Die meisten Erstklässler besuchen eine reguläre Grundschule, knapp vier Prozent lernen an Förderschulen und nur 115 Kinder (0,4 Prozent) an einer der Freien Waldorfschulen. Die Mehrheit der Kinder wurde fristgemäß eingeschult – das heißt, sie waren bereits vor dem 30. Juni sechs Jahre alt geworden.
20. November 2010
ie beiden grundstämmigen Gymnasien werden nicht von der achtjährigen Schulzeit für Gymnasiasten (G8) zum um ein Jahr längeren System wechsel. „Ich gehe davon aus, dass kein Gymnasium zu G9 zurückkehren wird“, sagt Schulamtsleiter Udo Gohl. Weder das Laurentianum noch das Mariengymnasium (MGW) hätten sich mit diesem Vorhaben an die Stadt gewandt. Die Frist endet Mitte Dezember.
Die Regierungskoalition hat den Gymnasien in NRW freigestellt, dass von der schwarz-gelben Vorgänger-Regierung eingeführte “Turbo-Abitur“ wieder rückgängig zu machen. In NRW ist das Interesse an diesem Schritt bislang gering: Nach WN-Informationen haben sich landesweit erst zehn Schulen für die Wiedereinführung von G9 entschieden. In Warendorf bestätigt sich dieser Trend offenbar.
Schon in der großen Schulleiterrunde mit Dr. Martin Thormann, dem Ersten Beigeordneten der Stadt, sei das Thema besprochen worden, sagt Marlis Ermer. Laut der Schulleiterin des Laurentianum sei an ihrer Schule ein Wechsel zur neunjährigen Schulzeit keine Option gewesen – weder für die Lehrer-, noch für die Schulkonferenz. „Für uns geht der Weg in den gebundenen Ganztag“, sagt sie. Das „Hin und Her“ schade Schülern, Eltern und Lehrern.
„Bei uns ist ein Wechsel zu G9 kein Thema“, sagt auch Hein Wilken, Schulleiter am Mariengymnasium. Das steht laut Wilken seit einem Gespräch mit der Schulpflegschaft im Oktober fest, die Schulkonferenz wird demnach gar nicht erst über das Thema beraten. „Es ist einfach wichtig, dass endlich mal Ruhe einkehrt“, sagt auch Wilken: „Wir wollen nicht schon wieder eine neue Baustelle eröffnen.“
Ein Zurück zu G9 sei außerdem kein wirkliches Zurück, sagen Wilken und Ermer unisono. Die jetzigen Lehrpläne blieben erhalten, Stundenpläne würden sich kaum ändern. „Wer trotzdem länger zur Schule gehen möchte, kann ans Augustin-Wibbelt-Gymnasium gehen“, so MGW-Direktor Wilken.
Die finanziellen Auswirkungen einer Entscheidung für G9 ist laut Schulamtsleiter Gohl nicht einzuschätzen – in jedem Fall müsste aber das Raumkonzept der Stadt überarbeitet werden: „Wir könnten dann einige Räume nicht für den offenen Ganztag einplanen“, sagt er. Das sei bislang für das Schuljahr 2014/15 geplant gewesen, in dem beide Gymnasien komplett in das G8-System übergegangen sein sollen.
Die Umstellung zum G8-Modus hat laut Ressortleiter Gohl auch gute Auswirkungen erzielt: Neben dem Berufskolleg mit Gymnasialzweig und dem G9-Aufbaugymnasium (AWG) gebe es mit dem MGW nun auch ein Offenes-Ganztags-Gymnasium sowie ein Gymnasium mit geschlossenem Ganztag (Laurentianum) im G8-System. „In Warendorf erscheint mir eine Umstellung aufgrund dieser Vielfalt gar nicht nötig“, sagt Gohl.
Quelle: Ahlener zeitung
19. November 2010
Sollen schon Kinder Konten und Geldkarten erhalten, um damit ihr Essen in Schulmensen zu bezahlen? Ein besorgter Oberhausener Vater wandte sich an die WAZ-Redaktion, weil ihn genau diese Frage beschäftigte.
Bei der Verbraucherzentrale NRW in Düsseldorf hält man Girokonten und Geldkarten für Kinder aus pädagogischer Sicht für wenig sinnvoll. Die Kinder lernen nicht, mit Geld umzugehen. Was, die Gefahr birgt, dass sie später schneller in die Schuldenfalle tappen“, so Verbraucherschützerin Dr. Annabel Oelmann. Kritisch sieht sie auch die Bindungsprozesse an bestimmte Geldinstitute, die mit den Konteneröffnungen einhergehen. Oelmann: „Wir können deshalb nur an die Schulen appellieren, auch den Einsatz von White-Cards anzubieten.“ Das seien Konto-ungebundene Karten. „Für Schulen ist der Einsatz der Geldkarten billiger, als Kinder mit Bargeld zahlen zu lassen“, sagt Oelmann zum Karten-Trend, „sie sparen eine Arbeitskraft.“
Zum konkreten Oberhausener Fall: Der Sohn des besorgten Vater besucht das Freiherr-vom-Stein-Gymnasium und dort die neue Mensa. In einem Brief an die Eltern schrieb Schulleiter Klaus Nieswand: „Mittels einer Geldkarte kann das Essen bezahlt und bestellt werden.“ Die Geldkarte müssen die Erziehungsberechtigten bei ihrer Hausbank beantragen und für ihr Kind dort ein Konto einrichten, was bei allen Geldinstituten kostenlos sein soll. Auf das Konto müssen die Eltern Geld überweisen, um die Karte an Geldautomaten aufladen zu können. Dem Schreiben legte die Schule gleich einen Flyer der Sparkasse Oberhausen bei, in dem das Prozedere beschrieben wird. Diese Werbung für ein Geldinstitut stieß dem Vater zudem sauer auf. „Irgendwie scheint mir das Vorgehen nicht unbedingt zulässig“, bezieht sich der Mann auf eine Aussage der Hamburger Schulbehörde. In der Hansestadt hatte die Hamburger Sparkasse zwölf Grundschulen angeschrieben, um dafür zu sorgen, dass Schüler Girokonto und Geldkarte der Sparkasse für die Bezahlung in der Kantine nutzen. Eine Grundschule nahm dieses Angebot an. Die Hamburger Schulbehörde bezeichnete das Vorgehen der Schule als „ganz eindeutig nicht zulässig“.
Der Direktor des Freiherr-vom-Stein-Gymnasium erwidert auf die Bedenken des Vaters: „Das Finanzierungssystem ist der Elternpflegschaft vorgestellt und von ihr abgesegnet worden.“ Sie hätten an der Schule nach einer Möglichkeit gesucht, die Essensbestellung bargeldlos abzuwickeln. „Das System musste für uns finanzierbar sein“, so Nieswand. So seien sie auf das Angebot der Sparkasse gestoßen. „Und da dafür Karten aller Geldinstitute genutzt werden können, haben wir zugeschlagen“, erklärte der Schulleiter. Die Sparkasse hätte ihnen die Hardware geliefert. Der Flyer der Bank sei aber nur als allgemein gültiges Informationsmaterial an die Eltern verteilt worden.
Auch am Sophie-Scholl-Gymnasium setzte man auf die Geldkarte. Am Elsa-Brändström-Gymnasium wählte man ein anderes Verfahren. „Wir wollten nicht, dass die Kinder Geldkarten in die Hand bekommen“, erläuterte Schulsekretärin Brigitte Göbel. Sie suchten nach einer Alternative und fanden sie in einem Chip-System. Übers Internet können die Eltern einen Chip aufladen lassen — über ihr eigenes Konto bei ihrer Bank. Mit dem Chip kann das gewünschte Essen bereits zu Hause gebucht werden.
Ralf Terlau, Sprecher der Stadt, hob noch einmal hervor, dass es die Schulkonferenz ist, die entsprechende Entscheidungen trifft. In Oberhausen gebe es zurzeit diese beiden Systeme — Geldkarte und Chip. Außerdem: „Die Hauptschule Alstaden und die Albert-Schweitzer-Schule arbeiteten noch klassisch mit Wertmarken.“ Missbrauchs-Möglichkeiten durch die Geldkarten sieht Terlau nicht.
Gilt ein Sparkassen-Flyer, der von der Schulleitung an Eltern verschickt wird, als Werbung? Grundsätzlich sei eine Einschätzung des Themas Konten und Geldkarten für Kinder sowie Werbung an der Schule aus der Entfernung schlecht zu beurteilen, erklärte eine Sprecherin der Bezirksregierung. Erst wenn bei der Schulaufsicht Beschwerden von Erziehungsberechtigten eingingen, würden die Schulen um eine Stellungnahme gebeten.
Auch beim NRW-Schulministerium verweist man in Sachen Werbung auf das Schulgesetz. Darin heißt es: „Schulen dürfen zur Erfüllung ihrer Aufgaben für den Schulträger Zuwendungen von Dritten entgegennehmen und auf deren Leistungen in geeigneter Weise hinweisen (Sponsoring), wenn diese Hinweise mit dem Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule vereinbar sind (…). Im Übrigen ist Werbung, die nicht schulischen Zwecken dient, in der Schule grundsätzlich unzulässig. Über Ausnahmen entscheidet das Ministerium.“
18. November 2010
Zum heute vorgelegten Rechtsgutachten des Philologenverbandes NRW erklärte der schulpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Sören Link: „Angesichts der Ergebnisse des heute vorgelegten Rechtsgutachtens hätte sich der Philologenverband NRW Aufwand und Papier sparen können. Das Gutachten geht von falschen Tatsachen aus und ist insofern weder hilfreich noch geeignet, um in der aktuellen Debatte über die beste Bildung in NRW weiter zu kommen. Der Modellversuch umfasst das klare Ziel, auf einer gesetzlichen Grundlage eine begrenzte Zahl von Gemeinschaftsschulen dort zu ermöglichen, wo dies vor Ort von den Beteiligten gewünscht werde. Dabei bietet die Gemeinschaftsschule sowohl eine Lösung für die Herausforderung zurückgehender Schülerzahlen und der wohnortnahen Schulversorgung. Die Gemeinschaftsschule steht aber auch für gute Rahmenbedingungen für die beste Bildung für alle Kinder, insbesondere im Hinblick auf kleinere Klassengrößen. Wir wollen längeres gemeinsames Lernen in kleineren Klassen in Schulen vor Ort ermöglichen.
Wir gehen davon aus, dass der Modellversuch in ganz NRW zunehmend besser angenommen wird. Deshalb ist für uns klar und wurde bereits mehrfach betont: Wenn erkennbar mehr Anträge auf die Errichtung einer Gemeinschaftsschule gestellt werden, als wir im Modellversuch rechtssicher genehmigen können, werden wir damit in das Parlament gehen und über eine Schulgesetzänderung diskutieren. Da ist die SPD sehr selbstbewusst, gelassen und ganz entspannt. Insofern gehen die Thesen und Annahmen des Gutachtens an den politischen Realitäten vorbei. Wir machen Politik für die Menschen und mit den Menschen – und nicht gegen ihre Interessen. Deshalb ermöglichen wir pädagogisch gute Konzepte, die von einer Mehrheit vor Ort schulpolitisch gewollt werden.“
In der Anne-Frank-Gesamtschule steckt Leben. Um sich davon selber zu überzeugen, sind Kinder der vierten Schuljahre und ihre Eltern eingeladen, am Mittwoch, 24. November, zwischen 14.15 und 15.25 Uhr die Schule zu besuchen. Verkürzte Unterrichtsstunden in den Fächern Mathematik, Deutsch und Englisch, in Gesellschaftslehre, Kunst, Musik und Naturwissenschaften informieren über bedeutende Fächer. Eine Präsentation der Arbeitsgemeinschaften gibt Einblicke in den Ganztagsbereich und lädt die Gäste ein, sich von der Vielfalt des Schullebens aktiv zu überzeugen.
16. November 2010
Um die Leistungen der Schüler besser vergleichen zu können, will die Schulbehörde die Noten von 1 bis 6 durch eine Punkte-Skala ersetzen. Experten beraten.
Ab Klasse 7 könnten Hamburgs Schüler künftig nach einem 24-Punkte-System bewertete werden. Das berichtete Bildungsbehörden-Staatsrat Ulrich Vieluf gestern vor einer für Samstag geplanten Tagung mit Schul- und Wirtschaftsexperten. “Wir wollen dort ein Meinungsbild erstellen und die Sache dann bald entscheiden.”
Bereits im Mai hatte es Aufregung gegeben, als Pläne einer 90-Punkte-Skala bekannt wurden, die die Behörde bald zurückzog. Doch die Frage stellt sich aus Sicht der Behörde weiter, da die neue Stadtteilschule mit dem ersten Schulabschluss (ESA), dem mittleren Schulabschluss (MSA) und dem Abitur künftig drei Abschlüsse anbietet. Bisher arbeiten Hauptschule, Realschule und Gymnasium jeweils mit Skalen von 1 bis 6, die allerdings in der Bewertung verschoben sind. So wird eine Eins auf der Hauptschule am Gymnasium als Vier gewertet. Von der Gymnasiums-Eins bis zur Hauptschul-Sechs sind es neun Stufen.
Hamburgs Gesamtschulen haben für diese Diskrepanz vor über 30 Jahren eine Lösung gefunden: eine neunstufige Skala von A1 bis B6, bei der sich A- und B-Noten teilweise überschneiden. Dieses System sei für Außenstehende “schwer zu verstehen”, sagte Vieluf und nannte das Beispiel eines Vaters, der sich über die Hauptschul-Empfehlung seines Sohnes beschwerte, obwohl der Junge jahrelang Zweien schrieb. Es waren A-Noten, die der Gymnasiums-B-Note Fünf entsprechen.
Vieluf spricht von einer “Gerechtigkeitslücke” für Schüler, die das Gymnasium nach Klasse 10 mit mittlerem Abschluss verlassen. Sie wären real oft leistungsfähiger als Realschulabgänger mit nominell besseren Noten. Hinzu komme, dass das Gymnasium von Klasse 7 bis 10 künftig keine Schüler mehr abschulen darf. Dem könne die Notenskala von 1 bis 6 “nicht gerecht werden”.
Vieluf schwebt ein Punkte-Modell wie in der Oberstufe vor. Dabei würden besagte neun Stufen in Punkte umgewandelt und für die Noten 1 bis 8 jeweils drei Punkte für plus, glatte Note und minus gezählt. Für die 9 gäbe es null Punkte. Auf diese Weise käme man auf 24 Punkte als Bestnote, die einer 1 plus im Gymnasialspektrum entspreche. Null Punkte gäbe es für eine Hauptschul-Sechs, elf für eine alte Hauptschul-Zwei.
Vieluf kann sich vorstellen, diese Skala “auch bei Klassenarbeiten zu verwenden”. Sinnvoll sei, sie auch an Gymnasien anzuwenden. Möglich sei auch, dass man sich auf eine 9er oder 15er-Skala verständige. All dies werde am Samstag diskutiert.
Der Elternkammer-Vorsitzende Peter Albrecht hält die 24 Punkte im Prinzip für richtig. Sinnvoll sei die aber nur als “zusätzliche Skala für die Halb- und Ganzjahreszeugnisse”. Klassenarbeiten danach zu beurteilen sei “nicht praxisnah”.
Auch der GEW-Vorsitzende Klaus Bullan ist skeptisch. “Das Notensystem technisch zu verfeinern ist nach meiner Meinung der falsche Weg.” Besser wäre es, auf Lernstandsberichte ohne Noten umzustellen.
Das gibt es an der Gesamtschule Winterhude, die erst ab Klasse 9 mit A- und B-Noten beginnt. “Es gibt einmal im Halbjahr lange Gespräche mit Eltern, Lehrer und Kind, wo genau durchgesprochen wird, wie der Stand der Dinge ist”, berichtet Elternrats-Mitglied Robert Schneider. Ab Klasse 9 könne man den Schülern Noten zumuten, vorher wären sie “ein Bremsklotz für schlechtere Schüler”. Hinter Noten stecke eine hohe Subjektivität, und das werde in einem 24-Punkte-System “nicht besser”.
Noten Heute
Dreigliedriges Schulsystem: An Hauptschule, Realschule und Gymnasium gibt es jeweils die Noten 1 bis 6. Die 1 an der Hauptschule entspricht der 3 an der Realschule und der 4 am Gymnasium.
Gesamtschule: Die Noten heißen B1, B2, B3, B4/A1, B5/A2, B6/A3, A4, A5 und A6. Die B-Noten stehen für das höhere Kursniveau.
Oberstufe: Es gibt eine Skala von Null bis 15 Punkten. Letzteres steht für 1 plus.
Quelle: TAZ