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Blog der Stadtschulpflegschaft Duisburg - Die Elternvertretung in der Stadt Duisburg

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31. Mai 2010

SPD hält an Grundschule fest

Düsseldorf. In Sachen Schule versteht die SPD keinen Spaß: Die Sozialdemokraten wollen die Politik der schwarz-gelben Landesregierung gründlich korrigieren, halten aber an der vierjährigen Grundschule fest.

Vor fünf Jahren krempelten CDU und FDP das NRW-Schulgesetz nach der gewonnenen Wahl in nur drei Wochen völlig um: Lehrern wurde mit der „verbindlichen Grundschulempfehlung” das letzte Wort zugesprochen, welche weiterführende Schule ein Kind besuchen darf. Kopfnoten wurden eingeführt, Grundschulbezirke abgeschafft, in der Schulkonferenz erhielten Lehrer Stimmenmehrheit vor Eltern und Schülern. All das und noch mehr will die SPD jetzt korrigieren. Als gravierendste Reform strebt sie aber die Einführung der Gemeinschaftsschule an.

Die vierjährige Grundschule wird demnach nicht angetastet. Anschließend ist in der Gemeinschaftsschule das gemeinsame Lernen für alle bis Klasse 6 verpflichtend. Ab Klasse 7 können die Kinder auf die Bildungsgänge Gymnasium, Real- oder Hauptschule aufgeteilt werden. Wahlweise kann in Absprache mit Schulträgern und Eltern der gemeinsame Unterricht bis Klasse 10 fortgesetzt werden. Danach ist ein Wechsel in die gymnasiale Oberstufe möglich.

„Wir wollen die Gemeinschaftsschule flächendeckend ermöglichen”, sagt SPD-Schulexpertin Ute Schäfer. Sie solle „mit den Menschen entwickelt” werden. Ein SPD-Parteitag hatte noch die „verbindliche” Einführung beschlossen. Ziel der Grünen ist es, pro Jahr zehn Prozent der Schulen aus der Sekundarstufe I auf den Weg zur „Einen Schule für alle Kinder” zu bringen.

Dabei setzen sie auf Anreize: Klassen mit maximal 25 Kindern, gute Ganztagsangebote und Lehrerfortbildung. „Letztlich gibt es keine Unterschiede”, vergleicht Fraktionschefin Sylvia Löhrmann die Modelle von Rot und Grün.

Für die SPD ist die Gemeinschaftsschule eine Frage der Glaubwürdigkeit. „An diesem Punkt haben wir am deutlichsten Vergangenheitsbewältigung betrieben”, sagt ein Genosse. Für Schäfer wäre es „sinnvoll”, den Verfassungsrang, den die Hauptschule in NRW genießt, abzuschaffen: „Das würde die Einführung der Gemeinschaftsschule erleichtern.” Dafür wäre allerdings eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Landtag nötig.

Quelle: NRZ

Gemeinsames Essen erfüllt wichtigen Zweck

Dass ein täglich warmes Mittagessen finanziert werden will ist klar. Da sich Eltern von Kindern in Ganztagsschulen diese Mahlzeit häufig nicht leisten können, sammelte das Bündnis „Bürger stiften Bildung“ Spenden.

Ein warmes Mittagessen gehört zur Ganztagschule. Genau wie Hausaufgabenbetreuung, Sport und Spiel. Doch für die warme Mahlzeit müssen Eltern extra zahlen: Neben dem Elternbeitrag für die pädagogische Betreuung am Nachmittag, der sich nach der Einkommenshöhe richtet, werden pro Mittagessen 2,50 Euro fällig. Immer mehr Eltern in Leverkusen können sich diesen Beitrag aber nicht leisten, und auch für Schulbücher fehlt Geld. Insgesamt 2000 Kinder sind betroffen, davon 573 Grundschulkinder in den Offenen Ganztagsschulen.

Hilfe gibt es seit einigen Jahren vom Land. Für Kinder aus finanzschwachen Familien zahlt NRW aus dem Fonds „Kein Kind ohne Mahlzeit“ einen Zuschuss von einem Euro pro Mittagessen – aber nur wenn der Schulträger, also die Stadt Leverkusen, weitere 50 Cent zusteuert. Eine freiwillige Ausgabe, die der Stadt im Nothaushalt nicht erlaubt ist. Die Co-Finanzierung zu gewährleisten ist deshalb Aufgabe der Initiative „Bürger stiften Bildung“. Das Bündnis von Stadtschulpflegschaft, Flüchtlingsrat, Stadt, Kinderschutzbund und Bürgerstiftung der Sparkasse Leverkusen sammelt Spenden. 30 000 Euro werden bis Ende des Schuljahres benötigt, damit es den Landeszuschuss gibt und die Eltern der betroffenen Schüler fürs Mittagessen nur einen statt 2,50 Euro bezahlen müssen.

Im Rahmen der Fachtagung im Offenen Ganztag stellte das Bündnis eine neue Plakataktion vor. Bekannte Bürger der Stadt, unter anderem Kabarettist Wilfried Schmickler und Stadtbibliothekleiterin Lucia Werder, haben sich ablichten lassen und sollen auf Plakaten demnächst in allen öffentlichen Gebäuden zu sehen sein. „Mittagessen + Schulbücher = Bildung“ lautet die Formel, die „Menschen mit Herz und Verstand“ zum Spenden motivieren soll. Gesammelt wird zunächst für die 573 Kinder aus dem Primarbereich. Sollte darüber hinaus Geld zur Verfügung stehen, würden davon auch Mittagessen an weiterführenden Schulen sowie Schulbücher finanziert.

Dass Eltern ihre Kinder aus Finanznot nicht für den Ganztag anmelden, hält Elternsprecherin Christiane Hesse-Länder für fatal: „Wir wollen nicht, dass Kinder ausgegrenzt werden, weil ihre Eltern sich den Betrag fürs Mittagessen nicht leisten können.“ Jörg Hohlweger, evangelischer Pfarrer aus Rheindorf, betonte, das gemeinsame Mittagessen in der Schule bringe Kinder aller Kulturen an einen Tisch und erfülle somit eine wichtige soziale Funktion. „In Rheindorf haben wir 130 Kinder im Offenen Ganztag, davon müssen 65 bezuschusst werden. Ohne die Bürgerstiftung könnten sie nicht am Mittagessen teilnehmen“, betonte Hohlweger. Indes: Auch die Kosten von einem Euro für Finanzschwache würden längst nicht von allen Eltern bezahlt. Man sei bemüht, im Einzelfall auch geringere Zahlungen zu erwirken, „den Rest finanzieren wir aus privaten Spenden oder der Kollekte.“

Auch kleine Spenden helfen

Die Mitglieder des Bündnisses betonten, dass auch kleine Spenden nützen. „Jeder Euro, der gespendet wird, verdoppelt sich durch den Landeszuschuss“, betonte Michael Rheindorf, Geschäftsführer der Bürgerstiftung. Kegelclubs oder Skatrunden könnten ebenso helfen wie Unternehmen, die eine Patenschaft für eine Schule in ihrer Nachbarschaft übernehmen wollen.

Linktipp: Bürger stfiten Bildung

Quelle: Kölner Stadtanzeiger

“Diese Typen haben den Koran nie aufgeschlagen”

Manchmal möchte Lamya Kaddor ihren Schülern am liebsten nur Sechsen geben. Aber dann sagt die Islamkundelehrerin sich: Zum Glück bin ich nicht im Ghetto aufgewachsen. Ein Interview.

Frau Kaddor, Sie sind gläubige Muslima, haben Islamwissenschaften studiert, unterrichten Islamkunde. Hier bei Ihnen in Duisburg wurde vergangenes Jahr die größte Moschee Deutschlands eingeweiht. Darüber haben Sie sich sicher sehr gefreut.
Na ja, ich gehe eigentlich nie in eine Moschee.

Bitte?

Mir passt vieles nicht, was da gepredigt wird – etwa, wenn es um die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau geht. Fast immer spielt die Politik hinein: In der einen Moschee wird gegen Israel gewettert, in der anderen kriegen Sie die türkische Staatspolitik serviert. Auch die Art des Predigens, dieses ständige Ermahnen, gefällt mir nicht.

Sie gelten als Vordenkerin der liberalen Muslime in Deutschland. Viele Menschen bezweifeln, dass es das überhaupt gibt: liberale Muslime.

Und ob es die gibt! Leute wie ich sind die Mehrheit. Wir sind hier aufgewachsen, haben eine Ausbildung gemacht oder studiert. Wir leben hier gut, und wir identifizieren uns mit diesem Staat. Nur glauben wir eben an den Islam.

Ihre Erfahrungen als Lehrerin an einer Hauptschule im Problemviertel Lohberg sind nicht dazu angetan, das Image des Islam zu verbessern. Ihre muslimischen Schüler haben schlechte Noten, hängen einem altertümlichen Ehrbegriff an, sind oft gewalttätig.

Diese Probleme haben nichts mit der Religion, sondern mit der sozialen Herkunft zu tun. Sie betreffen auch viele der deutschstämmigen Jugendlichen. Meine muslimischen Schüler sind auch gar nicht religiös, sie behaupten das nur, um sich abzugrenzen. Die meisten sind Deutschtürken: In Deutschland werden sie nicht als Deutsche, in der Türkei nicht als Türken akzeptiert. Also bleibt die Religion als Identitätsfaktor. Im Islam ist es einfach, dazuzugehören. Sie müssen keine besonderen Vorleistungen erbringen, um die Religion für sich anzunehmen. Trotzdem wissen meine Schüler so gut wie nichts darüber.

Sie schreiben, einige Ihrer Schüler seien entsetzt gewesen, dass Sie kein Kopftuch tragen.

Ja, für viele der Mädchen gehört das Kopftuch einfach dazu, wie bei anderen die offenen, langen blonden Haare – es geht dabei nicht um religiösen Zwang oder ein politisches Symbol. Keine Einzige konnte mir bislang erklären, warum sie es trägt. Sie sagen: Das steht im Koran. Dann frage ich: Wo denn? Antwort: Das weiß doch jeder, dass das da drin steht! Ich selbst halte das Kopftuch hier im Deutschland des 21. Jahrhunderts einfach für unzeitgemäß. Im 7. Jahrhundert, als Mohammed den Koran empfangen hat, war man ohne das Tuch angreifbar, fast vogelfrei. Diese Schutzfunktion braucht es in der heutigen Gesellschaft nicht mehr, da mich Recht und Gesetz schützen. Ob ich meine Haare zeige oder nicht, ist völlig egal. Ich habe natürlich nichts dagegen, dass jemand Kopftuch trägt, aber ich finde, man sollte wissen, warum.

Sie wollen, dass sich Ihre Schüler kritischer mit der Religion auseinandersetzen?

Genau, kritisch im Sinne von Hinterfragen. Ich frage sie auch: Gibt es Gott? Da sagen die: Um Himmels Willen, so was darf man nicht fragen! Aber sie lassen sich dann doch darauf ein. Umgekehrt nehme ich sie ernst mit ihren Problemen. Wenn ein Junge sagt: Meine Freundin ist schwanger, was soll ich machen? Oder: Mein Vater will eine zweite Frau heiraten, was soll ich tun?

Und was sagen Sie dann?

Wenn man den Koran traditionell auslegt, dann ist die Vielehe zumindest religiös gesehen möglich. Ich erkläre ihnen aber auch, dass ich das nicht gut finde, dass das viel Leid und Verletzungen für die Frauen wie für die Männer bedeutet.

Erwarten die Jungs an Ihrer Schule wirklich, dass ihre künftige Frau als Jungfrau in die Ehe geht?

Teilweise schon, weil sonst die Familienehre beschmutzt ist. Sich selbst nehmen sie aber aus. Bei all dem berufen sie sich auf den Koran – dabei müssen, wenn man dem Koran folgt, beide Geschlechter keusch in die Ehe gehen. Ich mache das konfrontativ im Unterricht: Ich nehme mir jemanden heraus, von dem ich weiß, er hat eine Freundin. Dann erzählt der, wie lange sie schon zusammen sind. Ich frage: Dürfte das deine Schwester auch? Antwort: Nein, wer soll sie denn heiraten, wenn sie keine Jungfrau ist? – Ach, du würdest keine Frau heiraten, die keine Jungfrau mehr ist? – Nö. – Und warum bist du keine Jungfrau mehr?

Wie reagieren dann die Mädchen?

Die freuen sich. Sie wissen ja, dass die meisten männlichen Klassenkameraden Freundinnen haben. Die Mädchen haben auch Freunde, aber im Geheimen. Deshalb sagen sie nichts. Was die Mädchen am meisten ärgert, sind die Jungs, die hinter ihnen herschnüffeln. Eine Schülerin war mit ihrem Freund mal in Oberhausen und wurde dort von einem aus Duisburg gesehen. Der hat das sofort weitergetragen.

Warum begehren die Jugendlichen nicht gegen diese überkommenen Traditionen auf?

Weil sie gar nicht in der Lage sind, zu hinterfragen. Ihnen fehlt es an Bildung.

Oder trauen sie es sich nicht, weil es in den Familien sehr autoritär zugeht?

Bei den meisten gibt es gar keine Autorität. Die Mutter ist überfordert, der Vater ist abwesend, weil er arbeitet oder in einer Teestube rumsitzt. Bei meinen deutschstämmigen Schülern sieht es zuhause nicht besser aus. Die Jugendlichen können sich dann auch nicht anders wehren als durch schreien und schlagen. Morgens sind viele schon so aggressiv aufgeladen, dass man ihnen am liebsten lauter Sechsen geben würde. Die Ehrgeizigen werden gemobbt oder leben in ihrer eigenen Welt. Kaum einer meiner Schüler hat jemals von seinem Vater gesagt bekommen: Ich habe dich lieb. Zuwendung bekommen sie höchstens von der Mutter. Ich habe sie mal gefragt: Findet ihr das nicht komisch? Das ist denen auch aufgefallen, dass das komisch ist.

Warum haben Sie selbst sich so anders entwickelt als viele Ihrer Schüler?

Ich bin in Ahlen in Westfalen aufgewachsen, zunächst in einer Bergmannssiedlung. Als ich acht Jahre alt war, sind wir in einen Stadtteil gezogen, wo es eine gute Schule gab. Das war mein Glück, so bin ich nicht in einem Ghetto aufgewachsen wie viele meiner Schüler. Alle um sie herum sind so wie sie. Keiner ist klüger, ehrgeiziger. Alle leben in den Tag hinein. Meine Eltern kommen aus Syrien, aus dem städtischen Umfeld. Sie sind auch schulisch ungebildet. Aber Disziplin, sich bilden – das war ein großer Wert bei uns. Ich wurde immer gefragt, wie die Klausur gelaufen ist, meine Mutter war hinterher, dass ich Hausaufgaben mache, auch wenn sie inhaltlich nichts verstanden hat. Und doch habe auch ich oft das Gefühl, nicht dazuzugehören. Seit dem 11. September 2001 wird man als Muslim sehr anders angesehen.

Wie äußert sich das?

Vor dem 11. September hat sich niemand darum geschert, dass ich im Zug manchmal arabische Texte lese. Heute gucken die Leute komisch.

Passiert Ihnen so was auch unter Kollegen?

An meinem ersten Tag als Islamlehrerin sagte die Kollegin, die mich der Klasse vorstellte: Achtet mal darauf, wie gut die Frau Kaddor Deutsch spricht! Das saß. Da fühlte ich mich wie eine Ausländerin, obwohl ich nie eine gewesen bin.

Wie reagieren Ihre Schüler auf solche Situationen, in denen sie als Ausländer behandelt werden?

Mit Rückzug. Oder sie sagen: Scheiß Deutsche, scheiß Nazis! Wenn Sie einen pubertierenden 17-Jährigen vor sich haben, türkischer Herkunft, aus sozial schwachem Milieu, ungebildet, Bodybuilder, kahl rasiert – was glauben Sie, wie der reagiert? Da kriegt der andere eins drauf.

Was kann denn, zum Beispiel von Seiten der Politik, getan werden, damit mehr muslimische Kinder so aufwachsen wie Sie – mit Disziplin und Bildung?

Es müssen mehr Kampagnen mit Vorbildern gestartet werden. Jugendliche müssen verstehen, dass Bildung sehr wichtig für Ihre Zukunft ist und dass es eben Sinn macht, zur Schule zu gehen und eine vernünftige Berufsausbildung zu absolvieren.

Die Islamkritikerin Necla Kelek macht den Islam dafür verantwortlich, dass in türkischen Familien vieles schief läuft. In „Die verlorenen Söhne“ schreibt sie, dass im Koran das Recht auf Rache verbrieft sei. In Sure 17, Vers 33 steht: „Und tötet niemand, den zu töten Gott verboten hat, außer wenn ihr dazu berechtigt seid! Wenn einer zu Unrecht getötet wird, geben wir seinem nächsten Verwandten Vollmacht zur Rache.“

Auge um Auge, Zahn um Zahn. Das steht auch im Alten Testament. Der Koran ist ein Zeugnis des 7. Jahrhunderts. Er spricht zu seiner Zeit. Damals war Rache an der Tagesordnung. Zu sagen, deshalb wird auch heute gemordet, ist schon theologisch falsch. Die Typen, die heute ihre Schwestern wegen der Familienehre umbringen, haben sicher nicht Sure 17 gelesen. Diese Typen haben den Koran nie aufgeschlagen.

Kelek behauptet, der Islam habe sich nicht weiterentwickelt. Er lasse sich nicht verändern.

Wo steht das? Im Koran nicht. Der appelliert: Setzt euren Verstand ein. Der Koran ist ja auch kein einheitliches Buch, sondern sehr schwer verständlich und widersprüchlich. Deshalb muss er in jeder Epoche neu interpretiert werden. Frau Kelek ist Soziologin, ihre Stärke liegt darin, die Probleme, die Wertvorstellungen einiger Muslime zu beschreiben. Sie sie ist keine Islamwissenschaftlerin, keine Theologin. Ihr Rückschluss, dass die Religion an allem schuld sei, ist Quatsch.

Sie sagen doch selbst, dass es keine Moschee gibt, in der Sie sich zu Hause fühlen.

Stimmt. Denn das traditionelle Denken ist institutionell sehr weit verbreitet. Man muss aber Traditionen, wie gesagt, vom Islam trennen.

Warum gibt es so viele Fundamentalisten im Islam?

Unter anderem hat das mit dem Einfluss der ultrakonservativen Wahhabiten zu tun. Die leben mehrheitlich in Saudi-Arabien und vertreten ein Textverständnis, das den Koran sehr wortgetreu auslegt und versucht, das Weltbild aus dem 7. Jahrhundert in die heutige Zeit zu übertragen – inklusive Steinigung, Harem und Vielehe. Dass diese Richtung von so großer Bedeutung ist, liegt am Geld, von dem haben die Saudis dank des Erdöls genug. So haben sie Schulbücher für die Muslime in Bosnien finanziert, in denen die Grundlagen ihres Weltbilds vermittelt werden. Sie vertreiben auch weltweit Koranübersetzungen.

Bleibt die Frage, warum so viele Muslime für diesen Radikalismus empfänglich sind.

Wenn sie es sein sollten, dann weil sie zum Beispiel die Erfahrung machen, dass sie keinen Job finden, wenn sie ein Kopftuch tragen – selbst wenn sie studiert haben. Dann sagt einer: Das liegt daran, dass die Deutschen böse sind, und es ist toll, dass du zu deinem Kopftuch stehst. Da finden sie endlich einmal Bestätigung. Fundamentalisten nutzen den wunden Punkt bei den Leuten aus.

Als Vorbild, wie die Mehrheit mit der muslimischen Minderheit umgehen sollte, nennen Sie ausgerechnet die USA.

Ich will Amerika nicht rosarot malen. Bezeichnend ist, dass die Leute dort sagen: We are Muslim-Americans, egal wo sie ursprünglich herkamen. Hier behauptet dagegen noch kaum jemand voller Stolz: Ich bin deutscher Muslim. Und das hat natürlich damit zu tun, dass in den USA jeder Ami ist, der sich zu den Werten des Landes bekennt und halbwegs die Sprache sprechen kann. Das ist in Deutschland längst nicht so. Zudem sind die amerikanischen Muslime gebildeter, die meisten kamen als Studenten ins Land.

Umgekehrt plädieren Sie auch dafür, dass sich die Muslime stärker anpassen. Moscheen in Europa etwa sollten nicht mehr so orientalisch aussehen. Das ist überraschend, wenn man sich Ihre Wohnung ansieht: Hier stehen Palmen, Wasserpfeifen und ein geschnitztes Kamel, an der Wand hängen eine arabische Kalligrafie und Bilder von Damaskus.

Ich versuche, das Westliche und das Orientalische zu verbinden. Klar – ich finde den Orient toll! Aber die Küche oder mein Fernseher sind eben nicht orientalisch. Bei den Moscheen müsste es genau so sein. Die brauchen vielleicht nicht mehrere Kuppeln, sondern nur ein schmales Minarett, eben moderne Architektur.

Die Moschee im bayerischen Penzberg gefällt Ihnen besonders gut?

Ja, dort finden Sie zum Beispiel auf den Eingangstüren eine arabische Kalligrafie – und genauso groß daneben die deutsche Übersetzung.

Sie wollen einen Verein der liberalen Muslime gründen. Warum?

Um der schweigenden Mehrheit eine Stimme zu geben. Leuten, die ein normales Leben leben, die gläubig sind, deren Leben sich aber eben nicht nur um die Religion dreht. Alle anderen muslimischen Verbände verkörpern so etwas wie eine konservative Partei. Wir wollen eher progressiv sein – unter anderem, um den Konservativen die Lehrpläne für den Islamunterricht nicht allein zu überlassen.

Warum schweigt die Mehrheit denn überhaupt – zum Beispiel zum islamistischen Terror?

Viele befinden sich in einem Dilemma: Wieso muss ich mich, der ich mir nichts habe zu Schulden kommen lassen, ständig für Terroristen rechtfertigen? Zumal ein großer Teil der Opfer des Terrors Muslime sind. Die konservativen Verbände sagen dazu wirklich zu wenig. Und alle anderen, die liberaleren Stimmen, sind Einzelpersonen.

Haben Sie schon viele Rückmeldungen zu Ihrer Initiative erhalten?

Ja, viele wollen mitmachen und bedanken sich bei mir, weil ich ihnen aus der Seele gesprochen hätte – auch viele Frauen, ob mit oder ohne Kopftuch. Bei Facebook habe ich jetzt zahlreiche „Freunde“ und Fans, die ich größtenteils gar nicht kenne.

Für radikale Muslime müssen Sie dagegen eine ungeheure Provokation sein.

Manche Fundis schreiben mir, dass ich den Islam verwässern und falsch darstellen würde. Islamhasser wiederum glauben, ich sei die Schlimmste von allen: Ich würde mich nur als Liberale tarnen und wollte eigentlich missionieren …

Jetzt meldet sich Ihr Mobiltelefon – natürlich mit einem orientalischen Klingelton …

Wenn ich das öffentlich sage, bekomme ich wahrscheinlich Ärger mit den Arabern, aber egal! Das ist das Lied „Du bist mein Leben“ von Umm Kulthum, der ägyptischen Maria Callas – aber gesungen von einem israelischen Popstar.

Lamya Kaddor, 32, arbeitet als islamische Religionspädagogin an einer Hauptschule; sie hat einen Koran für Kinder und Erwachsene veröffentlicht. Vor kurzem erschien ihr Buch “Muslimisch – weiblich – deutsch!” bei CH. Beck. Sie lebt mit ihrem Mann und einer kleinen Tochter in Duisburg. Das Gespräch führten Claudia Keller und Björn Rosen.

Quelle: Tagesspiegel

Schavan: Mehr Mitsprache für den Bund bei Bildung

Ministerin will einheitliche Schulbücher

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat erneut geforderte, das Grundgesetz zu ändern und dem Bund mehr Zuständigkeiten für Bildung zu geben. Diese sei längst ein Thema von nationaler Bedeutung, erklärte sie heute in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. Es wirke “komisch”, wenn zahllose Juristen damit beschäftigt seien, zu prüfen was Bund und Länder in der Bildungspolitik leisten dürften. Das gehöre dringend auf den Prüfstand, um “international wettbewerbsfähig zu bleiben.” Außerdem kritisierte sie, dass es in jedem der 16 Bundesländer unterschiedliche Schulbücher gebe.

Die Ministerin warnte zudem davor, Leistungen von Schulabgängern schlecht zu reden. “Es kommt nicht allein auf Zeugnisse an. Wir sollten uns schleunigst verabschieden von dem viel strapazierten Klischee, dass die Jugend früher besser ausgebildet gewesen sei”, sagte Schavan. Ausbildungsreife bedeute nicht allein Schulwissen, es gehe auch um Grundhaltungen und Motivation. “Da sind nicht nur Lehrer, sondern auch Eltern und eben auch die ausbildende Wirtschaft gefordert”, so Schavan gegenüber der Zeitung..

Von einer “Männerquote” in Schulkollegien hält die Ministerin nach eigenen Aussagen “gar nichts”. Wer unterrichten wolle, müsse dies “mögen”, erklärte sie in dem Interview. Allerdings seien m ehr Männer in Schulen und Kindergärten als Vorbilder für Jungen dringend erforderlich. Nur so sei der Trend zu stoppen, dass Mädchen in der Schule die Jungen leistungsmäßig “abhängen”.

……..

Bundesrat will spezielle Integrationskurse parallel zum Schulbesuch

Der Bundesrat will Schülern mit Migrationshintergrund den Übergang in das Berufsleben erleichtern. In einem Gesetzentwurf (17/1222) schlägt die Länderkammer deshalb spezielle Integrationskurse für Schüler mit Migrationshintergrund vor, die sich in der letzten Klasse der Haupt-, Real- oder Förderschule befinden.

Ziel sei es, so heißt es in dem Entwurf, neben der Erlangung des Schulabschlusses durch berufsbezogene Sprachförderung und berufsbezogene Informationsbausteine die Ausbildungsfähigkeit der Jugendlichen nachhaltig zu verbessern. Diese Kurse sollen durch eine gezielte Änderung des Aufenthaltsgesetzes und der Integrationskursverordnung ermöglicht werden. Die bisher geltenden Regelungen des Aufenthaltsgesetzes sehen vor, dass nur solche Jugendliche an einem Jugendintegrationskurs des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge teilnehmen können, die sich nicht mehr in einer schulischen Ausbildung befinden.

Die Bundesregierung lehnt den Vorschlag des Bundesrates ab. In ihrer Stellungnahme unterstützt sie zwar das Ziel, die Bildungschancen Jugendlicher mit Migrationshintergrund zu verbessern. Sie begründet ihre Ablehnung aber zum einen mit “kompetenzrechtlichen Bedenken”. Bei dem Vorschlag der Länderkammer handele es sich um eine schulische Maßnahme, die durch die Bundesländer selbst umzusetzen sei, schreibt die Regierung. Zum anderen kritisiert sie, dass der Entwurf die Kosten für den Bundeshaushalt nicht beziffere, obwohl seine Umsetzung “erhebliche Mehrkosten” in dreistelliger Millionenhöhe verursachen würde.

30. Mai 2010

Schulen dürfen Gebet verbieten

Ein moslemischer Gymnasiast darf sein Mittagsgebet nicht auf dem Schulgelände verrichten. Das gefährde den Schulfrieden, entschied das Berliner Oberverwaltungsgericht. Die Türkische Gemeinde begrüßt das Urteil.

Als bundesweit erster Schüler erstritt sich Yunus M., der das Berliner Diesterweg-Gymnasium besucht, vor dem Verwaltungsgericht Berlin das Recht, einmal täglich in seiner Pause sein Gebet zu verrichten. Nun hat er diesen Anspruch verloren. Das Berliner Oberverwaltungsgericht (OVG) kippte am Donnerstag das Urteil der ersten Instanz vom September vergangenen Jahres. Der aktuelle Fall ist richtungsweisend, da es per se darum geht, ob Jugendliche das Recht besitzen, in der Schule ihre Religion auszuüben.

Das OVG begründete sein Urteil damit, dass der Schulfrieden aufgrund der Vielzahl an Glaubensgemeinschaften an dem betroffenen Gymnasium nur dann gewahrt werden könne, wenn ein separater Gebetsraum zur Verfügung stehe. Auf diesen habe der Schüler aber keinen verfassungsrechtlichen Anspruch. Zudem könnten andersgläubige Mitschüler ebenfalls auf einen eigenen Raum bestehen, was die Kapazitäten der Schule sprengen würde. Das Mittagsgebet sei zwar vom Schutz der Religionsfreiheit erfasst. Eine Einschränkung dieses Grundrechts sei im konkreten Fall aber gerechtfertigt.

Zweifel an der Strenggläubigkeit

Vor Gericht hatte die Rechtsanwältin des Landes Berlin, Margarete Mühl-Jäckel, bezweifelt, dass der 16-Jährige tatsächlich strenggläubig sei. Den Raum, den er seit zwei Jahren in der Mittagspause zum Gebet nutzen darf, habe er erst 14-mal genutzt. Seit Februar habe er gar nicht mehr in dem Raum gebetet. Der Jugendliche bestritt indes, nur selten sein Mittagsgebet in der Schule zu verrichten. Freitags bete er nach dem Sportunterricht in der Umkleidekabine. Zudem hätten ihm Lehrer mehrmals den Zugang zum Gebetsraum verwehrt. Oft müsse er ihnen „hinterherrennen“, sagte er.

Außerdem stritten die Parteien vor Gericht, ob es nach islamischen Grundsätzen erlaubt ist, das Mittagsgebet zu verschieben und beispielsweise mit dem Gebet am Nachmittag zusammenzulegen. Nach einem Gutachten aus erster Instanz ist dies nur in Extremsituationen erlaubt. Diese Einstellung vertritt auch der 16-jährige Schüler.

Diskussion über die Gebetszeiten

Mühl-Jäckel kritisierte die wissenschaftliche Qualität des ersten Gutachtens und legte eine neue Einschätzung vor. Das neue Gutachten betont ausdrücklich, dass moslemische Schüler keinesfalls in der Schule beten müssten. Bereits der Prophet Mohammed habe das Verschieben des Gebets „aus plausiblen Gründen“ erlaubt.

Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, begrüßte das Urteil. Er habe sich bereits in erster Instanz ein anderes Urteil gewünscht und freue sich, dass nun der Bildungsauftrag der Schule vor die Religionsfreiheit gestellt worden sei, sagte Kolat. Gleichwohl müsste in der Islamkonferenz diskutiert werden, wie das Zusammenleben verschiedener Religionsgemeinschaften gestaltet werden könne.

„Ein guter Tag“ für Berliner Schulen

Der Fall des Yunus M. zeigt, wie schwierig es für praktizierende Moslems sein kann, sich an die von ihrem Glauben vorgeschriebenen Riten zu halten. Sie müssen täglich fünfmal gen Mekka beten: morgens, mittags nachmittags, abends und nachts. Besonders das Mittagsgebet ist problematisch, da es in diesem Fall in die Schulzeit fällt. Der Konflikt an dem Diesterweg-Gymnasium hatte im Herbst 2007 begonnen, als der 16-Jährige sichtbar auf dem Schulflur auf nach Mekka ausgerichteten Teppichen gebetet hatte. Im März 2008 hatte das Berliner Verwaltungsgericht das Gymnasium im Stadtteil Wedding mittels einstweiliger Anordnung dazu verpflichtet, Schüler einmal täglich beten zu lassen.

Die Berliner Staatssekretärin für Bildung, Claudia Zinke, sprach nach dem Urteil von „einem guten Tag“ für die Schulen der Hauptstadt. Auch die Schulleiterin des betroffenen Gymnasiums, Brigitte Burchardt, zeigte sich mit dem Ausgang der gerichtlichen Auseinandersetzung zufrieden. Sie sei froh, dass es nicht zu einer Spaltung der Schüler komme, sondern Integration ermöglicht werde. An dem Gymnasium, das Schüler aller Weltreligionen besuchen, war es in der Vergangenheit bereits mehrfach zu Auseinandersetzungen über religiöse Fragen gekommen. Besonders zwischen Sunniten, Schiiten und Aleviten habe es Spannungen gegeben, berichtete die Schulleiterin vor Gericht.

Ob der Rechtsstreit weitergeht, stand am Donnerstag noch nicht fest. Das OVG kündigte an, eine Revision zuzulassen. Somit kann eine Beschwerde gegen das Urteil beim Bundesverwaltungsgericht eingereicht werden. Der 16-jährige Schüler und sein Anwalt Bülent Yasar waren bei der Urteilsverkündung nicht mehr anwesend.

Quelle: Focus Schule Online

27. Mai 2010

Beerdigt Schwarz-Rot die Hauptschule?

Einer der größten Streitpunkte zwischen CDU und SPD könnte bei Koalitionsgesprächen rasch entschärft werden. Wie die WAZ aus der SPD-Spitze erfuhr, wäre eine Einigung in der Schulpolitik auf Grundlage des sächsischen Modells denkbar.

Folgten CDU und SPD diesem Kompromiss-Modell, würde das bislang dreigliedrige Schulsystem umgebaut, hieß es. Es würde sich künftig auf zwei Säulen stützen: Zum einen eine Mittelschule als Kombination aus der bisherigen Haupt- und Realschule – und als zweite Säule das Gymnasium.

Die Schulpolitik war das zentrale Streitthema zwischen CDU und SPD im zurückliegenden Wahlkampf. Die SPD hatte sich für längeres gemeinsames Lernen und Gemeinschaftsschulen ausgesprochen. Die CDU hatte das bestehende dreigliedrige Schulsystem vehement verteidigt.

Pisa-Spitzenreiter

Es gibt gute Gründe für Nordrhein-Westfalen, neidisch auf Sachsens Schulen zu blicken. Während bei uns seit Jahren über zu große Klassen, sterbende Hauptschulen und mangelhafte Förderung schwächerer Schüler geklagt wird, können sich die Schulen im Osten mit Pisa-Spitzenreitern wie Finnland messen. In Vergleichen zwischen den Bundesländern liegen Sachsen und Thüringen in Sachen Bildung noch vor den westlichen „Musterländern“ Bayern und Baden-Württemberg. NRW belegt regelmäßig die hinteren Plätze.

In Sachsen gilt im Schnitt nur jedes zehnte Kind als „Risikoschüler“ mit besonders schlechten Kompetenzen. Im Bundesschnitt sei jeder fünfte Schüler ein solcher Problemfall, heißt es im „Bildungsmonitor“, einer Länder-Vergleichsstudie der deutschen Wirtschaft. Und: „In Fächern wie Physik, Chemie und Biologie erreichen in Sachsen und Thüringen sogar Schüler aus benachteiligten Elternhäusern sehr gute Ergebnisse.“ Nirgendwo sonst sind die Klassen kleiner, und Sachsen gilt darüber hinaus als Deutschlands beste „Ingenieurschmiede“.

Experten bezweifeln allerdings, dass die Überlegenheit Sachsens allein eine Frage des Schulsystems ist. In den neuen Ländern herrsche traditionell eine andere Lernkultur. Und Kinder aus „bildungsfernen Schichten“ seien dort seltener zu finden als zum Beispiel in NRW.

Gymnasium oder Mittelschule

Wo liegen die Unterschiede des dortigen Schulsystems zu NRW? Vor allem darin, dass es in Sachsen ein zweigliedriges Schulsystem gibt. In den vierten Klassen erhalten die Kinder eine Empfehlung entweder fürs Gymnasium oder für die Mittelschule. In ihr sind Haupt- und Realschule zusammengefasst. Mittelschüler können den Hauptschul- oder den Realschulabschluss erreichen. Die Klassen 5 und 6 haben „Orientierungsfunktion“: Wenn ein Kind nach der 6. Klasse aufs Gymnasium wechseln soll, muss es in Deutsch, Mathe und der 1. Fremdsprache einen Notendurchschnitt von 2,5 haben.

Allerdings scheint die Spitzenposition Sachsens andere Ursachen zu haben. „Es gibt keinen klaren Zusammenhang zwischen dem Abschneiden im Ranking und der Schulstruktur. Das System ist zweitrangig. Entscheidend ist, was in den Schulen passiert“, sagt Oliver Stettes, Projektleiter im Institut der Deutschen Wirtschaft. In Sachsen gebe es eine andere Lernkultur. Mathe und Naturwissenschaften hätten schon seit DDR-Zeiten dort einen hohen Stellenwert. Außerdem gebe es in den neuen Ländern viel weniger „bildungsferne“ Schüler.

Der Dortmunder Schulentwicklungsforscher Ernst Rösner hält Pläne, das sächsische System auf NRW zu übertragen, also Haupt- und Realschulen zusammenzulegen, gar für eine „fixe Idee“. „Es ist Unsinn, aus zwei Verliererschulen, die immer weniger Schüler haben, eine Gewinnerschule machen zu wollen“, so Rösner. Immer mehr Eltern würden Schulen bevorzugen, die den Kindern die Chance bieten, das Abi zu machen.

6. Mai 2010

Schüler-Fest für gemeinsames Lernen

Keine Demonstration, ein Fest sollte es sein, das der Verein “Mittendrin,” gestern vor dem Landtag veranstaltete. Und so tanzten und sangen die Schüler, die aus ganz NRW kamen, viel.

Dennoch hatten die mehreren Hundert Jugendlichen und ihre Eltern eine ernste Forderung an die Landespolitiker: Die Durchsetzung der so genannten Inklusion, die von der Europäischen Union bereits als Recht für alle behinderten Menschen in Europa festgelegt wurde. “Wir feiern die UN-Konvention über die Rechte behinderter Menschen, wir fordern aber auch die Konsequenzen ein”, erklärt Veranstalterin Eva-Maria Thoms vom Verein “Mittendrin”.

Inklusion – dieser Fachbegriff kommt aus der Pädagogik und geht über die Vorstellungen einer integrativen Schule hinaus. Während bei der integrativen Pädagogik zwischen Schülern mit oder ohne sonderpädaogischem Förderbedarf unterschieden wird, fordern Befürworter der Inklusion, dass die Schule der Gesamtheit der Schüler gewachsen sein sollte. Kinder mit Behinderungen sollen also neben Kindern ohne Behinderungen leben und lernen. “Das geht natürlich nicht, indem die Schulen jetzt einfach behinderte Kinder aufnehmen, ohne etwas zu verändern”, erläutert Thoms, “wir brauchen kleinere Klassen, Sonderschullehrer, Förderung.”

An der Gesamtschule, an der Magdalene Maier unterrichtet, ist das bereits Realität. Die Lehrerin kam gestern für das Inklusionsfest aus Wulfen nach Düsseldorf. “Das gemeinsame Lernen nutzt behinderten Kindern, weil sie stärkere Lernimpulse als in Förderschulen erhalten”, berichtet sie. Nicht behinderte Schüler würden nicht etwa in ihrer Entwicklung aufgehalten, sondern gewönnen dazu: “Sie lernen die Welt so kennen, wie sie ist – mit unterschiedlichen Menschen. Außerdem profitieren auch viele der nichtbehinderten Schüler von den Fördermöglichkeiten, die wir an der Schule haben.”

Auch ihr Schüler Marvin (17) ist von dem Konzept begeistert. “Ich habe sechs Mitschüler in der Klasse, die ohne unsere Schule auf eine Förderschule gehen müssten. Sie gehören bei uns aber dazu.”

Quelle: Rheinische Post
4. Mai 2010

Berlin: Eltern wollen Ergebnisse für jede Schule

In dieser Woche werden etwa 22 000 Berliner Drittklässler die Rechtschreib – und Mathematikaufgaben lösen, die zu den landesweiten Vergleichsarbeiten (Vera) gehören. Einen ersten Test im Lesen haben die Schüler bereits in der vergangenen Woche absolviert. Die Eltern fordern die Bildungsverwaltung nun auf, nicht nur die berlinweiten Ergebnisse dieser Lernstandserhebung, sondern auch die jedes Bezirks und jeder Schule zu veröffentlichen.

René Faccin vom Landeselternausschuss unterstützt diese Forderung. “Die Eltern sind ganz begierig danach, die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten so schnell wie möglich zu erfahren”, sagt er. Sein Vorschlag: Zunächst sollten den Eltern die Ergebnisse ihres eigenen Kindes mitgeteilt werden. Dann müssten die Schulen die Ergebnisse der einzelnen Klassen und das der Schule veröffentlichen, damit ein stadtweiter Vergleich möglich werde. Für Eltern sei das eine wichtige Orientierungshilfe in der Frage der Schulwahl ihrer Kinder, so der Elternsprecher.

Bisher seien die Schulen indes sehr unterschiedlich mit der Offenlegung der Testergebnisse umgegangen. Viele hätten ihr schlechtes Abschneiden verschwiegen. Das müsse sich änder

Quelle: Welt Online

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