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Blog der Stadtschulpflegschaft Duisburg - Die Elternvertretung in der Stadt Duisburg

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29. April 2010

Recht auf Bildung für alle Kinder

Rund 30.000 Kinder im schulpflichtigen Alter leben in Deutschland ohne Aufenthaltsstatus. Ein Großteil dieser Kinder geht nicht zur Schule. Verantwortlich sind hierfür die unterschiedlichen Regelungen der Bundesländer, die Eltern, Schülern und Lehrern keine einheitliche Rechtssicherheit gewähren. Die bundesweite Abschaffung der Übermittlungspflicht für Schulleitungen, Lehrer und Schulbehörden und eine Stärkung der Rechtspraxis auf Landesebene ist dringend notwendig. Das zeigt eine Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration im Auftrag der Stiftung Mercator, die heute in Berlin vorgestellt wurde.

“Der Zugang und das Recht auf Bildung ist allgemeines Menschenrecht. Dieses muss auch Kindern irregulärer Migranten eingeräumt werden”, so Dr. Bernhard Lorentz, Vorsitzender der Geschäftsführung der Stiftung Mercator. “Wir fordern – anders und weitreichender als dies bislang diskutiert wurde – eine bundesweite Regelung, die die Übermittlungspflicht für Schulleitungen, Lehrer und Schulbehörden abschafft.” Durch eine Änderung des Paragraphen §87 Abs. 2 im Aufenthaltsgesetz würden einerseits Schulleitungen und andererseits Familien ohne Aufenthaltsstatus die notwendige umfassende Rechtssicherheit und klare Handlungsanleitungen erhalten.

Länder und Kommunen sind gefordert

Solange keine gesetzliche Regelung auf Bundesebene den Schulzugang von Kindern irregulärer Zuwanderer einheitlich und verbindlich regelt, muss eine entsprechende Rechts- und Verwaltungspraxis auf kommunaler und Länderebene gestärkt werden. Länder und Kommunen können so wichtige positive Signale für einen Schulbesuch statusloser Kinder setzen. Deshalb spricht sich die Stiftung Mercator aufbauend auf die Empfehlungen in der SVR-Studie für folgende Maßnahmen aus, um den Schulzugang von Kindern ohne Aufenthaltsstatus zu erleichtern:

  • Bei Einführung einer Schulpflicht muss sichergestellt werden, dass damit keine Auflagen und Forderungen verbunden werden, die die Gefahr von Aufdeckung und Abschiebung einschließen. Wird für die Kinder von Irregulären eine Schulzugangsberechtigung eingeführt, sollte diese neben einer Aufnahmeverpflichtung der Schulen auch eine pädagogische, finanzielle und versicherungsrechtliche Gleichstellung von Kindern irregulärer Zuwanderer mit schulpflichtigen Kindern beinhalten.
  • Bei der Einführung von Schülerregistern und Schülerdateien muss gewährleistet sein, dass kein Datenabgleich mit Meldebehörden erfolgt. Andernfalls konterkarieren sie eine bestehende Schulpflicht bzw. Schulzugangsberechtigung.
  • Bei der Anmeldung an Schulen sollte auf Meldebescheinigungen oder Identitätspapiere verzichtet werden. Das gleiche gilt für die Mittelzuweisung an einzelne Schulen. Ein Datenabgleich zwischen Schulbehörde und Melderegistern ist grundsätzlich zu vermeiden, um die Angst vor der Aufdeckung eines irregulären Aufenthaltsstatus so gering wie möglich zu halten.

26. April 2010

Finanzierung: Wie bezahle ich mein Studium?

Finanzierung – ein ganz zentrales Thema in der Studienplanung. Hier gibt eine Übersicht über alle Finanzierungsmöglichkeiten, vom BAföG bis zum Stipendium. Hier weiterlesen

Orientieren und informieren: Warum soll ich studieren – und wenn ja, was?
Das Kapitel stellt die Beratungsangebote der Arbeitsagenturen und Hochschulen ebenso vor wie aktuelle Arbeitsmarktberichte und gibt Tipps für eine gelungene Studien-Orientierung.  Hier weiterlesen

22. April 2010

Inklusion: Die neue Herausforderung

Die UN-Behindertenkonvention hat sich binnen eines Jahres als starker Motor für einen anderen Umgang mit behinderten Kindern im deutschen Schulsystem erwiesen. “Die Kultusminister sind informiert und alarmiert. Sie haben Hoffnungen begraben, dass sie ohne große Änderungen auskommen können”, sagte die GEW-Vizevorsitzende Marianne Demmer dem dpa-Dossier Bildung Forschung. Der Präsident der Kultusministerkonferenz, Ludwig Spaenle (CSU), nannte die UN-Konvention eine “zentrale Wegmarke”. “Die Umsetzung der Inklusions-Strategie bedeutet eine große Herausforderung”, sagte er.

Die UN-Konvention, die ein inklusives, allgemeines Bildungssystem für alle Kinder vorsieht, trat am 26. März 2009 in Deutschland in Kraft. Bisher besuchen hierzulande die meisten Mädchen und Jungen mit sonderpädagogischem Förderbedarf verschiedene Förder- oder Sonderschulen. Nur rund 17 Prozent bundesweit werden gemeinsam mit anderen Kindern unterrichtet. Nach der UN-Konvention sollen es bis zu 90 Prozent sein. Mit seiner Quote bildet Deutschland innerhalb Europas mit ein trübes Schlusslicht(vgl. Schwerpunkt 46/2008).

Das soll nun anders werden. Inzwischen nimmt sich auch Bundespräsident Horst Köhler des Themas an. Anfang April informierte er sich über das Lernen geistig behinderter Schüler an einer Regelschule in Schleswig-Holstein. Solche vorbildlichen Schulen, die gemeinsamen Unterricht für behinderte und nichtbehinderte Kinder anbieten, will der “Jakob Muth-Preis für inklusive Schule” bekannter machen. Projektträger sind der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe, die Bertelsmann Stiftung und die Deutsche UNESCO-Kommission.Bewerbungsschluss in diesem Jahr ist der 14. Mai.

Wurde vor wenigen Jahren sogar noch heftig über die Begriffe “inklusiv” oder “integrativ” gestritten, hat sich hier inzwischen Konsens eingestellt. Bildungspolitiker und -experten sprechen unisono ganz selbstverständlich von “Inklusion”. Doch hinter dem einheitlichen Label stecken in der föderalen Republik unterschiedliche Auslegungen der UN-Konvention und damit auch verschiedene Konzepte, um das Regelwerk umzusetzen. In Art. 24 des Übereinkommens heißt es – zitiert nach Bundesgesetzblatt von 2008 (Bonn): “Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem (im Englischen: inclusive education system) auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen mit dem Ziel,…”.

Grund für den Streit war die Übersetzung des englischen Begriffs “inclusive” aus dem UN-Dokument. Die Befürworter einer entsprechenden Sprachregelungim Deutschen – “inklusives Bildungssystem” – argumentierten: Damit werde deutlich, dass das Bildungssystem von vorn herein auf die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Kinder, eben auch der behinderten Jungen und Mädchen, eingestellt sei. Dagegen würde eine Übersetzung als “integrativ” allein schon begrifflich bedeuten, dass sich die behinderten Kinder in eine vorgefundene, nicht auf sie zugeschnittene Schulstruktur integrieren müssten. Und dies sei nicht im Sinne der UN-Konvention. Die Anhänger des “Integrations”-Begriffs wollten dieser Sichtweise nicht folgen und lieber an der früheren Sprachregelung festhalten.

Kultusminister sehen kein Individualrecht

Derzeit überarbeiten die Kultusminister der 16 Bundesländer ihre Empfehlungen zur sonderpädagogischen Förderung – unter Einbeziehung der betroffenen Verbände. “Die KMK hat sich insgesamt auf eine Arbeitsgruppe verständigt, die hier ein erstes Rohpapier vorgelegt hat”, berichtete Spaenle. Inhalt sei die schrittweise Umsetzung der UN-Konvention. Die Zahl der Förderkinder an den Regelschulen solle steigen. “Die gleichberechtigte Teilnahme wird dabei nicht als Individualrecht angesehen, sondern als zu verfolgendes allgemeines Rechtsgut”, sagte der KMKPräsident. “Das ist die Rechtshaltung der Länder.” Dagegen erkennen die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und der Verband Bildung und Erziehung (VBE) einen individuellen Rechtsanspruchaus dem UN-Dokument. “Die inklusive Schulbildung muss als Rechtsanspruch gesetzlich festgeschrieben werden. Die Frage ist nicht mehr, ob die UN-Konvention umgesetzt wird, sondern nur noch wie und dies umgehend”, erklärte der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann. Besteht ein Rechtsanspruch, wäre er von Einzelnen einklagbar, erläuterte Demmer auf der Basis eines Rechtsgutachtens der GEW.

Kultusminister wollen ein Elternwahlrecht

Nach Worten von Spaenle zählt zu den Kernpunkten der geplanten KMK-Empfehlungen eine Weiterentwicklung des Elternrechts. Eltern sollen Wahlmöglichkeiten haben, wie ihre Kinder lernen, ob zum Beispiel an einer Sonder-, Regelschule oder in einer sogenannten Kooperationsklasse. Das geplante KMK-Papier solle die verschiedenen Möglichkeiten inklusiver Beschulung erläutern und benennen, sagte Spaenle weiter. Die Definition des Förderbedarfs werde ebenfalls ein Bestandteil der neuen Empfehlungen sein.

Damit könnten die unterschiedlichen, aber auch teils ähnlichen Wege der 16 Länder in der sonderpädagogischen Förderung zumindest übersichtlicher werden. Derzeit sind selbst Statistiken zum Teil nur schwer vergleichbar. Eine Vereinheitlichung wird es aber nicht geben, dazu sind die politischen Standorte und konkreten Ziele zu divergent. Demmer kritisiert denn auch die “ungleichzeitige und ungleichartige Weise,mit der die Kultusminister versuchen, den Anforderungen der UN-Konvention gerecht zu werden”. Dies sieht der Verband Sonderpädagogik anders. “Im föderalen System in Deutschland wurden verschiedene, weltweit extrem gute Förderqualitäten entwickelt. Diese müssen nun vernetzt werden”, sagte der Bundesvorsitzende Stephan Prändl dem Dossier Bildung Forschung.

So hat Bremen bereits im Juni 2009 als erstes Bundesland die Inklusion in sein neues Schulgesetz aufgenommen. In Schleswig-Holstein lernt bereits die Hälfte der behinderten Kinder gemeinsam mit anderen. Die andere Hälfte besucht Förderzentren. Die Quote soll weiter steigen. In Baden-Württemberg und Bayern zählen zu den inklusiven Wegen auch sogenannte Außenklassen an Regelschulen. “In Bayern lautet der Grundsatz: Inklusion durch Kooperation”, sagte Spaenle als bayerischer Kultusminister dem Dossier.

Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen halten unter Hinweis auf das Elternwahlrecht an einer Doppelstruktur fest. “Wir müssen grundsätzlich dazu kommen, ein Elternrecht auf Wahl des Förderortes für ihr Kind zu etablieren”, so NRW-Schulministerin Barbara Sommer. Das sei die richtige Antwort auf den Artikel 24 der UN-Konvention. Es solle deshalb ein Nebeneinander von gemeinsamen Unterricht und Förderschulen geben.

GEW fordert Recht auf Regelschulbesuch

Dem widerspricht die GEW-Bildungsexpertin Demmer. “Die UN-Konvention kennt kein Parallelsystem”, sagte sie. “Ein Recht der Eltern auf Wahlfreiheit wäre unbezahlbar.” Da die Sonderschulen mit kleineren Klassen besser ausgestattet sind, würden die Regelschulen den Kürzeren ziehen. “Es muss ein Recht auf den Regelschulbesuch geben – das ist das eigentliche Muss”, betonte Demmer. Die spezifische Förderung müsse dann innerhalb des Systems erfolgen. “Es gibt nur ganz wenige Fälle behinderter Kinder, die nicht im Regelschulsystem beschulbar sind.”

Nach Auffassung von Prändl macht die UN-Konvention keine Strukturvorgaben – sie sei eine Menschenrechtskonvention. Der Sonderpädagoge rief alle Bildungsebenen – Vorschule, Schule, Hochschule und berufliche Bildung – dazu auf, zum Wohl der Kinder viel stärker zu kooperieren. “Die Frage des Förderortes ist zweitrangig. Vorrangig ist die optimale Förderung jedes Kindes.” Das Bundesbildungsministerium forderte er auf, deutlich mehr Mittel zur Erforschung von gemeinsamen Unterricht bereitzustellen. Mehr Mittel verlangt auch VBE-Chef Beckmann – für eine grundlegende Umgestaltung der Schulen. “Die Länder müssen endlich ihre Hausaufgaben machen und die notwendigen personellen, räumlichen und sachlichen Voraussetzungen an den allgemeinen Schulen gewährleisten, damit behinderte und nichtbehinderte Kinder zusammen lernen können.” Zudem müsse die gesamte Lehreraus- und fortbildung die inklusive Pädagogik zu einem Schwerpunkt machen.

Mit Blick auf Art. 24 “Bildung” der UN-Konvention ist im Saarland das Studienseminar für Förderschulen und Integration bewusst an das Staatliche Studienseminar angegliedert. Dort werden für angehende Lehrkräfte aller Schulformen Veranstaltungen zum Thema Inklusion angeboten. Auch Rheinland-Pfalz gilt als vorbildlich. Als bundesweit erstes Land hat Mainz in diesem März einen Landesaktionsplan zur Umsetzung der Konvention 2010 in den verschiedensten Bereichen der Gesellschaft vorgestellt. “Dieses konkrete und pragmatische Vorgehen ist ein guter Schritt in die richtige Richtung”, lobte Demmer.

Lernschwache Schüler auf Sonderschulen im Blick

Unter allen Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf nehmen in Deutschland die Kinder mit Lernschwächen eine besondere Rolle ein. Fast die Hälfte der Kinder auf Sonderschulen werden auf eine Förderschule fürLernbehinderte verwiesen – eine Kategorie, die es so in vergleichbaren Staaten nicht gibt. Dort gelten diese Kinder als “Langsamlerner”, die in der Regelschule – ohnehin meist Gemeinschaftsschulen mit neun oder zehn Jahren gemeinsamem Lernen – unterrichtet werden. Die anderen Sonderschüler verteilen sich auf acht weitere Förderschwerpunkte wie für Sehgeschädigte oder Gehörlose. Auffällig ist zudem, dass sehr vielen Ausländerkindern in Deutschland eine Diagnose als Lernbehinderte gestellt wird.

Die Kultusminister wollen insgesamt leistungsschwächere Schüler stärker individuell fördern und so ihre Chancen auf einen Schulabschluss und eine Teilhabe am beruflichen Leben erhöhen. Das gilt insbesondere auch für Schüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen, wie die KMK auf ihrer jüngsten Sitzung im März beschloss. Das Konzept, das auch mehr berufsorientierte Bildungsinhalte vorsieht, bezieht sich nicht auf eine bestimmte Schulart. Ziel ist das Erreichen der Mindeststandards für den Hauptschulabschluss.

“Die Beibehaltung des Förderschwerpunkts Lernen halte ich persönlich für geboten”, sagte Spaenle dazu der dpa. Grund seien die kleineren Lerngruppen und das spezifische pädagogische Personal vor Ort. Es werdeaber angestrebt, dass mehr Förderschüler von der Sonderschule auf die Hauptschule rückgeführt werden, damit sie dort ihren Hauptschulabschluss machen. Wichtig seien auch die Übergänge in den Beruf und Abschlüsse in der beruflichen Bildung.

Der Fahrplan der Kultusminister für eine Fortschreibung ihrer Empfehlungen steht grob. Der Rohentwurf soll jetzt auf einer KMK-Fachkonferenz zur inklusiven Schule am 21. Juni in Bremen diskutiert und anschließend überarbeitet werden. Dann könnte das Reformpapier laut Spaenle auf der Dezember-Sitzung der KMK oder im nächsten Frühjahr verabschiedet werden. Unmittelbar vor der Fachtagung findet vom 16. bis 19. Juni in Berlin der 15. Weltkongress von Inclusion International statt. Gute Gelegenheiten also, das Menschenrecht Behinderter auf chancengleiche Bildung in einem inklusiven System zu diskutieren.

Ursula Mommsen-Henneberger (dpa-Dossier Bildung Forschung 16/19.04.2010)

Länder-Konzepte für behinderte Schüler unterschiedlich

Die Bundesländer sind derzeit dabei, ihre Schulkonzepte für behinderte Schüler zu überarbeiten. Hintergrund ist die von Bundestag und Bundesrat ratifizierte UN-Konvention für die Rechte von Behinderten. Darin verpflichten sich die Vertragsstaaten, behinderten Menschen in einem “inklusiven” Bildungssystem das Recht auf Bildung auf der Basis von Chancengleichheit zu gewährleisten.

Dabei gehen die 16 Länder – wie im Bildungsbereich üblich – unterschiedliche Wege. Die Modelle für gemeinsamen Unterricht von behinderten Kindern mit anderen reichen vom Lernen im selben Klassenzimmer an der Regelschule bis zu einer Klasse mit Förderschülern, die an eine Regelschule angedockt wird. Eine aktuelle Umfrage der Nachrichtenagentur dpa bei den Kultusministerien der Länder ergab folgenden Überblick:

BADEN-WÜRTTEMBERG: Ein Wahlrecht für Eltern soll noch in diesem Schuljahr kommen. Auf sogenannten Bildungswegekonferenzen sollen Schulen, Schulämter, Jugendhilfe und Eltern gemeinsam über die besten Fördermöglichkeiten für Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf beraten. Das letzte Wort über die Schule – ob Sonder- oder allgemeinbildende Schule – sollen Väter und Mütter haben, sofern ihre Entscheidung dem Kindeswohl nicht entgegensteht. Damit wird einer geplanten Änderung des Schulgesetzes vorgegriffen, mit der die Sonderschulpflicht für behinderte Kinder abgeschafft wird. Dies wird voraussichtlich zum Schuljahr 2013/2014 geschehen. Derzeit besuchen 29 Prozent der Sonderschüler eine Regelschule; weitere 1900 werden in Außenklassen an Regelschulen unterrichtet. Die Sonderschulquote liegt um die vier Prozent, wobei Ausländerkinder viel öfter auf Sonderschulen geschickt werden: Bei türkischen Schülern sind es acht, bei italienischen sogar zehn Prozent.

BAYERN: Im Freistaat werden nach Schätzungen des Kultusministeriums derzeit etwa 23 Prozent der behinderten Kinder gemeinsam mit anderen unterrichtet. Um die Quote schrittweise zu erhöhen, soll bis zum Beginn der Sommerpause 2010 ein neues Konzept vorliegen. Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf werden derzeit an Förderschulen sowie in vier verschiedenen Unterrichtsformen an Regelschulen gefördert. Im Schuljahr 2008/2009 lernten in 139 Außenklassen und 532 Kooperationsklassen Förderkinder und andere Schüler gemeinsam. Rund 17 000 Schüler mit Förderbedarf werden durch sogenannte mobile sonderpädagogische Dienste an der Regelschule begleitet.

BERLIN: Die Bildungsverwaltung lieferte keine Informationen.

BRANDENBURG: In Brandenburg gibt es rund 15 000 Schüler mit Förderbedarf, ein Drittel wird derzeit an Regelschulen unterrichtet. Bereits seit derWende verfolge das Bildungsministerium das Ziel, mehr Sonderschüler an Regelschulen unterzubringen, sagte Sprecher Stephan Breiding. “Vor allem wollen wir den Förderschülern damit eine Chance für den ersten Arbeitsmarkt geben.” Immerhin sei der Abschluss einer Förderschule nur landesweit anerkannt und weniger wert als ein Hauptschulabschluss.

BREMEN: Bremen hat im Juni 2009 als erstes Bundesland die Inklusion mit in sein völlig neu gestaltetes Schulgesetz aufgenommen und damit die UN-Konvention umgesetzt. In dem Gesetz heißt es zur Gestaltung des Schullebens: “Der Unterricht und das weitere Schulleben sollen für behinderte und nichtbehinderte Schülerinnen und Schüler gemeinsam gestaltet werden. Die Schule hat der Ausgrenzung von jungen Menschen mit Behinderungen entgegenzuwirken.” Das Gesetz wurde gemeinsam von der rotgrünen Regierung und der oppositionellen CDU beschlossen und darf im Kern die nächsten zehn Jahre nicht angepackt werden.

HAMBURG: Vom Schuljahr 2010/2011 an haben Eltern behinderter Kinder einen Rechtsanspruch darauf, ihre Kinder auch in einer Regelschule lernen zu lassen – sofern sie das wollen. Bereits jetzt werden in 272 Integrationsklassen und 350 integrativen Regelklassen Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichtet. Die im Paragraf 12 des Schulgesetzes festgeschriebene Regelung greift laut Schulbehörde im nächsten Schuljahr in den 1. und 5. Klassen. Sollte der im Juli anstehende Volksentscheid die geplante Schulreform mit der Einführung einer sechsjährigen Primarschule für alle Kinder kippen, bliebe diese Regelung nach Einschätzung der Schulbehörde unangetastet.

HESSEN: Derzeit besuchen 12,2 Prozent der Sonderschüler eine allgemeinbildende Schule. Zählt man Hör- und Sehbehinderten mit, sind es 18 Prozent. Laut Koalitionsvertrag von CDU und FDP soll der Anteil erhöht werden. Entscheidungen zur Umsetzung der UN-Konvention sollen aber erst fallen, nachdem im Ministerium die Positionen der zuständigen Verbände eingeholt sind. Hessen setzt stark auf den Ausbau von sonderpädagogischen Beratungs- und Förderzentren, die aus Sonderschulen hervorgegangen sind. Die inzwischen 119 Zentren unterrichten Sonderschüler; sie schicken auch ihre Lehrer an die Regelschulen. Dort kümmern sie sich um die Schüler mit besonderem Förderbedarf und beraten deren Lehrer. Im Vorjahr wurden mehr als 18 000 junge Menschen so gefördert, gut 10 000 konnten deshalb in ihren angestammten Klassen bleiben.

MECKLENBURG-VORPOMMERN: Vom nächsten Schuljahr an sollen keine Erstklässler mit Lernschwierigkeiten mehr in Förderschulen eingeschult werden. Sie sollen Regelschulen besuchen, entweder in den regulären Klassen oder in Diagnoseförderklassen. In den Diagnose-Klassen wird der Stoff der ersten zwei Schuljahre in drei Jahren gelernt. Damit will das Kultusministerium in zehn Jahren den Anteil von Förderschülern erheblich senken, der im Nordosten rund doppelt so hoch ist wie im Bundesdurchschnitt. 2008/09 ging in Mecklenburg-Vorpommern jeder zehnte Schüler der Klasse eins bis zehn vor allem wegen Defiziten in Sprache, Lernen, geistiger und emotional-sozialer Entwicklung auf eine Förderschule.

NIEDERSACHSEN: In einem Erlass von 2005 zum Schulgesetz wird die Zuständigkeit aller Schulen für die sonderpädagogische Förderung betont und von der Pluralität der Förderorte (Regel- und Förderschulen) ausgegangen. Die Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung im Hinblick auf Inklusion wird derzeit in den parlamentarischen Gremien erörtert. Schulgesetzliche Regelungen sind für dieses Jahr geplant. Nach Worten von Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann (CDU) wird es in Niedersachsen aber auch künftig immer ein plurales System von Förderund Regelschulen geben. “Denn es gibt durchaus auch Behinderungen, bei denen eine kategorische Integration in Regelschulen äußerst kritisch gesehen werden muss.” Die Quote der behinderten Schüler in Niedersachsen, die Regelschulen besuchen, beträgt 16,7 Prozent.

NORDRHEIN-WESTFALEN: Schulministerin Barbara Sommer (CDU) setzt beim gemeinsamen Unterricht von behinderten und nichtbehinderten Schülern auf ein “sowohl-als-auch”. “Wir müssen grundsätzlich dazu kommen, ein Elternrecht auf Wahl des Förderortes für ihr Kind zu etablieren.” Das sei die richtige Antwort auf den Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention. Es solle deshalb weiterhin ein Nebeneinander von gemeinsamen Unterricht und Förderschulen geben. In NRW besuchen etwa 15 Prozent der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf eine allgemeine Schule. Das Angebot an gemeinsamen Unterricht soll schrittweise ausgebaut werden.

RHEINLAND-PFALZ: Als bundesweit erstes Land hat Rheinland-Pfalz im März 2010 einen Landesaktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention vorgestellt. Mit rund 200 Maßnahmen aus verschiedensten Bereichen der Gesellschaft sollen Behinderte unterstützt und ins öffentliche Leben eingebunden werden, so Sozialministerin Malu Dreyer (SPD). Ein wichtiger Punkt dabei sei die verstärkte Förderung von allgemeinbildenden Schulen, in denen behinderte und nichtbehinderte Kinder gemeinsam unterrichtet werden. 172 solcher sogenannter Schwerpunktschulen stehen derzeit Sonderschülern offen. Sie können dort entweder den schulartspezifischen Abschluss oder die besonderen Schulabschlüsse erwerben, die Förderschulen vergeben. Mit einem Anteil von knapp über vier Prozent habe Rheinland-Pfalz bundesweit den niedrigsten Anteil an Kindern, denen ein sonderpädagogischer Förderbedarf attestiert wurde, hieß es. Rund 15,5 Prozent dieser Schüler besuchen allgemeinbildende Schulen.

SAARLAND: Derzeit lernen 34,4 Prozent der Sonderschüler an einer Regelschule. Damit liegt das Saarland im Bundesvergleich auf den vorderen Plätzen. Ziel der Landesregierung ist es, diese Zahl weiter deutlich zu erhöhen. Künftig sollen Eltern ein Wahlrecht erhalten, ob sie ihr Kind in einer Förder- oder einer Regelschule unterrichten lassen wollen. Ferner ist geplant, mehr Förderschullehrkräfte an Regelschulen einzusetzen. Perspektivisch soll an jeder Grundschule entweder eine Förderschullehrkraft oder ein Pädagoge mit sonderpädagogischer Zusatzausbildung zusätzlich zur jetzigen Personalausstattung tätig sein. Langfristig ist die Einführung dieses Konzepts auch für die weiterführenden Schulen geplant. Das Studienseminar für Förderschulen und Integration ist im Hinblick auf die Umsetzung des Artikels 24 der UN-Konvention bewusst an das bestehende Staatliche Studienseminar angegliedert. Es werden für angehende Lehrkräfte aller Schulformen Veranstaltungen zum Thema Integration angeboten.

SACHSEN: In den vergangenen Jahren hat sich die sonderpädagogische Förderung an den allgemeinbildenden Schulen und die Schulart Förderschule zu einem festen Bestandteil des sächsischen Schulwesens entwickelt. Im laufenden Schuljahr ist es gelungen, den Anteil von integrativ beschulten Schülern auf 17,9 Prozent aller Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Schulen zu steigern (2004/2005: 8,3 Prozent). Das soll weiter ausgebaut werden. Zugleich hält Sachsen auch künftig die Förderschule für unverzichtbar. Übergänge zwischen den Schularten sollen aber durchlässiger werden.

SACHSEN-ANHALT: Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf können eine entsprechende Förderung im gemeinsamen Unterricht oder an einer Förderschule erfahren; entscheidend ist der Wille der Eltern. Alle Anträge von Eltern auf gemeinsamen Unterricht wurden realisiert. Sachsen-Anhalt hat ein Handlungskonzept zur Weiterentwicklung der sonderpädagogischen Förderung erstellt, dieses enthält auch einen Modellversuch zur Qualifizierung des gemeinsamen Unterrichts. Mit dem Schuljahr 2009/2010 hat das Kultusministerium den Modellversuch Grundschule mit Integrationsklassen an 22 Schulen begonnen, der bis zum Schuljahr 2010/2011 laufen soll. Gegenwärtig nehmen 13,2 Prozent aller Förderschüler am gemeinsamen Unterricht teil – im Schuljahr 2001/2002 waren es erst 1,7 Prozent und 2005/2006 vier Prozent.

SCHLESWIG-HOLSTEIN: Im Norden lernen im laufenden Schuljahr bereits 50 Prozent der Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in gemeinsamem Unterricht. Die andere Hälfte besucht Förderzentren. Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP) will den gemeinsamen Unterricht weiter ausbauen, erklärte eine Sprecherin. Die Quote von Schülern im gemeinsamen Unterricht sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen – im Schuljahr 2007/2008 lag sie noch bei 41,5 Prozent. Das Bildungsministerium in Kiel hatte 2009 noch unter Klugs Vorgängerin Ute Erdsiek-Rave (SPD) das “Jahr der inklusiven Bildung” ausgerufen und zahlreiche Veranstaltungen durchgeführt. In diesem Mai wird das Schülerprojekt Barrierefreie Schule im Landeshaus präsentiert. Außerdem wird an einem Aktionsplan “inklusive Bildung” gearbeitet.

THÜRINGEN: Von den 16 275 Mädchen und Jungen mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Thüringen besuchen derzeit 10 563 eine Förderschule. Rund 5700 Kinder und Jugendlichen werden integrativ in Grund- und Regelschulen, Gymnasien, Gesamtschulen und Berufsschulen betreut. Das sind etwa 35 Prozent. Die Quote der Förderschüler soll von derzeit 7,8 Prozent auf 4,0 Prozent zum Ende der Legislaturperiode 2014 gesenkt werden, erklärte Kultus-Ministeriumssprecher Gerd Schwinger.

UN-Konvention: Artikel 24 Bildung

Hamburg (dpa) – Auszüge aus der UN-Konvention für die Rechte von behinderten Menschen, zitiert aus dem Bundesgesetzblatt von 2008: “Artikel 24 Bildung (1) Die Vertragsstaaten anerkennen das Recht von Menschen mit Behinderungen auf Bildung. Um dieses Recht ohne Diskriminierung und auf der Grundlage der Chancengleichheit zu verwirklichen, gewährleisten die Vertragsstaaten ein integratives Bildungssystem auf allen Ebenen und lebenslanges Lernen mit dem Ziel,. ..

(2) Bei der Verwirklichung dieses Rechts stellen die Vertragsstaaten sicher, dass a) Menschen mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden und dass Kinder mit Behinderungen nicht aufgrund von Behinderung vom unentgeltlichen und obligatorischen Grundschulunterricht oder vom Besuch weiterführender Schulen ausgeschlossen werden; b) Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt mit anderen in der Gemeinschaft, in der sie leben, Zugang zu einem integrativen, hochwertigen und unentgeltlichen Unterricht an Grundschulen und weiterführenden Schulen haben; c) … d) Menschen mit Behinderungen innerhalb des allgemeinen Bildungssystems die notwendige Unterstützung geleistet wird, um ihre erfolgreiche Bildung zu erleichtern; e) in Übereinstimmung mit dem Ziel der vollständigen Integration wirksame individuell angepasste Unterstützungsmaßnahmen in einem Umfeld, das die bestmögliche schulische und soziale Entwicklung gestattet, angeboten werden.. ..”

(dpa-Dossier Bildung Forschung 16/19.04.2010)

20. April 2010

“Diese Typen haben den Koran nie aufgeschlagen”

Manchmal möchte Lamya Kaddor ihren Schülern am liebsten nur Sechsen geben. Aber dann sagt die Islamkundelehrerin sich: Zum Glück bin ich nicht im Ghetto aufgewachsen. Ein Interview.

Frau Kaddor, Sie sind gläubige Muslima, haben Islamwissenschaften studiert, unterrichten Islamkunde. Hier bei Ihnen in Duisburg wurde vergangenes Jahr die größte Moschee Deutschlands eingeweiht. Darüber haben Sie sich sicher sehr gefreut.
Na ja, ich gehe eigentlich nie in eine Moschee.

Bitte?

Mir passt vieles nicht, was da gepredigt wird – etwa, wenn es um die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau geht. Fast immer spielt die Politik hinein: In der einen Moschee wird gegen Israel gewettert, in der anderen kriegen Sie die türkische Staatspolitik serviert. Auch die Art des Predigens, dieses ständige Ermahnen, gefällt mir nicht.

Sie gelten als Vordenkerin der liberalen Muslime in Deutschland. Viele Menschen bezweifeln, dass es das überhaupt gibt: liberale Muslime.

Und ob es die gibt! Leute wie ich sind die Mehrheit. Wir sind hier aufgewachsen, haben eine Ausbildung gemacht oder studiert. Wir leben hier gut, und wir identifizieren uns mit diesem Staat. Nur glauben wir eben an den Islam.

Ihre Erfahrungen als Lehrerin an einer Hauptschule im Problemviertel Lohberg sind nicht dazu angetan, das Image des Islam zu verbessern. Ihre muslimischen Schüler haben schlechte Noten, hängen einem altertümlichen Ehrbegriff an, sind oft gewalttätig.

Diese Probleme haben nichts mit der Religion, sondern mit der sozialen Herkunft zu tun. Sie betreffen auch viele der deutschstämmigen Jugendlichen. Meine muslimischen Schüler sind auch gar nicht religiös, sie behaupten das nur, um sich abzugrenzen. Die meisten sind Deutschtürken: In Deutschland werden sie nicht als Deutsche, in der Türkei nicht als Türken akzeptiert. Also bleibt die Religion als Identitätsfaktor. Im Islam ist es einfach, dazuzugehören. Sie müssen keine besonderen Vorleistungen erbringen, um die Religion für sich anzunehmen. Trotzdem wissen meine Schüler so gut wie nichts darüber.

Sie schreiben, einige Ihrer Schüler seien entsetzt gewesen, dass Sie kein Kopftuch tragen.

Ja, für viele der Mädchen gehört das Kopftuch einfach dazu, wie bei anderen die offenen, langen blonden Haare – es geht dabei nicht um religiösen Zwang oder ein politisches Symbol. Keine Einzige konnte mir bislang erklären, warum sie es trägt. Sie sagen: Das steht im Koran. Dann frage ich: Wo denn? Antwort: Das weiß doch jeder, dass das da drin steht! Ich selbst halte das Kopftuch hier im Deutschland des 21. Jahrhunderts einfach für unzeitgemäß. Im 7. Jahrhundert, als Mohammed den Koran empfangen hat, war man ohne das Tuch angreifbar, fast vogelfrei. Diese Schutzfunktion braucht es in der heutigen Gesellschaft nicht mehr, da mich Recht und Gesetz schützen. Ob ich meine Haare zeige oder nicht, ist völlig egal. Ich habe natürlich nichts dagegen, dass jemand Kopftuch trägt, aber ich finde, man sollte wissen, warum.

Sie wollen, dass sich Ihre Schüler kritischer mit der Religion auseinandersetzen?

Genau, kritisch im Sinne von Hinterfragen. Ich frage sie auch: Gibt es Gott? Da sagen die: Um Himmels Willen, so was darf man nicht fragen! Aber sie lassen sich dann doch darauf ein. Umgekehrt nehme ich sie ernst mit ihren Problemen. Wenn ein Junge sagt: Meine Freundin ist schwanger, was soll ich machen? Oder: Mein Vater will eine zweite Frau heiraten, was soll ich tun?

Und was sagen Sie dann?

Wenn man den Koran traditionell auslegt, dann ist die Vielehe zumindest religiös gesehen möglich. Ich erkläre ihnen aber auch, dass ich das nicht gut finde, dass das viel Leid und Verletzungen für die Frauen wie für die Männer bedeutet.

Erwarten die Jungs an Ihrer Schule wirklich, dass ihre künftige Frau als Jungfrau in die Ehe geht?

Teilweise schon, weil sonst die Familienehre beschmutzt ist. Sich selbst nehmen sie aber aus. Bei all dem berufen sie sich auf den Koran – dabei müssen, wenn man dem Koran folgt, beide Geschlechter keusch in die Ehe gehen. Ich mache das konfrontativ im Unterricht: Ich nehme mir jemanden heraus, von dem ich weiß, er hat eine Freundin. Dann erzählt der, wie lange sie schon zusammen sind. Ich frage: Dürfte das deine Schwester auch? Antwort: Nein, wer soll sie denn heiraten, wenn sie keine Jungfrau ist? – Ach, du würdest keine Frau heiraten, die keine Jungfrau mehr ist? – Nö. – Und warum bist du keine Jungfrau mehr?

Wie reagieren dann die Mädchen?

Die freuen sich. Sie wissen ja, dass die meisten männlichen Klassenkameraden Freundinnen haben. Die Mädchen haben auch Freunde, aber im Geheimen. Deshalb sagen sie nichts. Was die Mädchen am meisten ärgert, sind die Jungs, die hinter ihnen herschnüffeln. Eine Schülerin war mit ihrem Freund mal in Oberhausen und wurde dort von einem aus Duisburg gesehen. Der hat das sofort weitergetragen.

Warum begehren die Jugendlichen nicht gegen diese überkommenen Traditionen auf?

Weil sie gar nicht in der Lage sind, zu hinterfragen. Ihnen fehlt es an Bildung.

Oder trauen sie es sich nicht, weil es in den Familien sehr autoritär zugeht?

Bei den meisten gibt es gar keine Autorität. Die Mutter ist überfordert, der Vater ist abwesend, weil er arbeitet oder in einer Teestube rumsitzt. Bei meinen deutschstämmigen Schülern sieht es zuhause nicht besser aus. Die Jugendlichen können sich dann auch nicht anders wehren als durch schreien und schlagen. Morgens sind viele schon so aggressiv aufgeladen, dass man ihnen am liebsten lauter Sechsen geben würde. Die Ehrgeizigen werden gemobbt oder leben in ihrer eigenen Welt. Kaum einer meiner Schüler hat jemals von seinem Vater gesagt bekommen: Ich habe dich lieb. Zuwendung bekommen sie höchstens von der Mutter. Ich habe sie mal gefragt: Findet ihr das nicht komisch? Das ist denen auch aufgefallen, dass das komisch ist.

Warum haben Sie selbst sich so anders entwickelt als viele Ihrer Schüler?

Ich bin in Ahlen in Westfalen aufgewachsen, zunächst in einer Bergmannssiedlung. Als ich acht Jahre alt war, sind wir in einen Stadtteil gezogen, wo es eine gute Schule gab. Das war mein Glück, so bin ich nicht in einem Ghetto aufgewachsen wie viele meiner Schüler. Alle um sie herum sind so wie sie. Keiner ist klüger, ehrgeiziger. Alle leben in den Tag hinein. Meine Eltern kommen aus Syrien, aus dem städtischen Umfeld. Sie sind auch schulisch ungebildet. Aber Disziplin, sich bilden – das war ein großer Wert bei uns. Ich wurde immer gefragt, wie die Klausur gelaufen ist, meine Mutter war hinterher, dass ich Hausaufgaben mache, auch wenn sie inhaltlich nichts verstanden hat. Und doch habe auch ich oft das Gefühl, nicht dazuzugehören. Seit dem 11. September 2001 wird man als Muslim sehr anders angesehen.

Wie äußert sich das?

Vor dem 11. September hat sich niemand darum geschert, dass ich im Zug manchmal arabische Texte lese. Heute gucken die Leute komisch.

Passiert Ihnen so was auch unter Kollegen?

An meinem ersten Tag als Islamlehrerin sagte die Kollegin, die mich der Klasse vorstellte: Achtet mal darauf, wie gut die Frau Kaddor Deutsch spricht! Das saß. Da fühlte ich mich wie eine Ausländerin, obwohl ich nie eine gewesen bin.

Wie reagieren Ihre Schüler auf solche Situationen, in denen sie als Ausländer behandelt werden?

Mit Rückzug. Oder sie sagen: Scheiß Deutsche, scheiß Nazis! Wenn Sie einen pubertierenden 17-Jährigen vor sich haben, türkischer Herkunft, aus sozial schwachem Milieu, ungebildet, Bodybuilder, kahl rasiert – was glauben Sie, wie der reagiert? Da kriegt der andere eins drauf.

Was kann denn, zum Beispiel von Seiten der Politik, getan werden, damit mehr muslimische Kinder so aufwachsen wie Sie – mit Disziplin und Bildung?

Es müssen mehr Kampagnen mit Vorbildern gestartet werden. Jugendliche müssen verstehen, dass Bildung sehr wichtig für Ihre Zukunft ist und dass es eben Sinn macht, zur Schule zu gehen und eine vernünftige Berufsausbildung zu absolvieren.

Die Islamkritikerin Necla Kelek macht den Islam dafür verantwortlich, dass in türkischen Familien vieles schief läuft. In „Die verlorenen Söhne“ schreibt sie, dass im Koran das Recht auf Rache verbrieft sei. In Sure 17, Vers 33 steht: „Und tötet niemand, den zu töten Gott verboten hat, außer wenn ihr dazu berechtigt seid! Wenn einer zu Unrecht getötet wird, geben wir seinem nächsten Verwandten Vollmacht zur Rache.“

Auge um Auge, Zahn um Zahn. Das steht auch im Alten Testament. Der Koran ist ein Zeugnis des 7. Jahrhunderts. Er spricht zu seiner Zeit. Damals war Rache an der Tagesordnung. Zu sagen, deshalb wird auch heute gemordet, ist schon theologisch falsch. Die Typen, die heute ihre Schwestern wegen der Familienehre umbringen, haben sicher nicht Sure 17 gelesen. Diese Typen haben den Koran nie aufgeschlagen.

Kelek behauptet, der Islam habe sich nicht weiterentwickelt. Er lasse sich nicht verändern.

Wo steht das? Im Koran nicht. Der appelliert: Setzt euren Verstand ein. Der Koran ist ja auch kein einheitliches Buch, sondern sehr schwer verständlich und widersprüchlich. Deshalb muss er in jeder Epoche neu interpretiert werden. Frau Kelek ist Soziologin, ihre Stärke liegt darin, die Probleme, die Wertvorstellungen einiger Muslime zu beschreiben. Sie sie ist keine Islamwissenschaftlerin, keine Theologin. Ihr Rückschluss, dass die Religion an allem schuld sei, ist Quatsch.

Sie sagen doch selbst, dass es keine Moschee gibt, in der Sie sich zu Hause fühlen.

Stimmt. Denn das traditionelle Denken ist institutionell sehr weit verbreitet. Man muss aber Traditionen, wie gesagt, vom Islam trennen.

Warum gibt es so viele Fundamentalisten im Islam?

Unter anderem hat das mit dem Einfluss der ultrakonservativen Wahhabiten zu tun. Die leben mehrheitlich in Saudi-Arabien und vertreten ein Textverständnis, das den Koran sehr wortgetreu auslegt und versucht, das Weltbild aus dem 7. Jahrhundert in die heutige Zeit zu übertragen – inklusive Steinigung, Harem und Vielehe. Dass diese Richtung von so großer Bedeutung ist, liegt am Geld, von dem haben die Saudis dank des Erdöls genug. So haben sie Schulbücher für die Muslime in Bosnien finanziert, in denen die Grundlagen ihres Weltbilds vermittelt werden. Sie vertreiben auch weltweit Koranübersetzungen.

Bleibt die Frage, warum so viele Muslime für diesen Radikalismus empfänglich sind.

Wenn sie es sein sollten, dann weil sie zum Beispiel die Erfahrung machen, dass sie keinen Job finden, wenn sie ein Kopftuch tragen – selbst wenn sie studiert haben. Dann sagt einer: Das liegt daran, dass die Deutschen böse sind, und es ist toll, dass du zu deinem Kopftuch stehst. Da finden sie endlich einmal Bestätigung. Fundamentalisten nutzen den wunden Punkt bei den Leuten aus.

Als Vorbild, wie die Mehrheit mit der muslimischen Minderheit umgehen sollte, nennen Sie ausgerechnet die USA.

Ich will Amerika nicht rosarot malen. Bezeichnend ist, dass die Leute dort sagen: We are Muslim-Americans, egal wo sie ursprünglich herkamen. Hier behauptet dagegen noch kaum jemand voller Stolz: Ich bin deutscher Muslim. Und das hat natürlich damit zu tun, dass in den USA jeder Ami ist, der sich zu den Werten des Landes bekennt und halbwegs die Sprache sprechen kann. Das ist in Deutschland längst nicht so. Zudem sind die amerikanischen Muslime gebildeter, die meisten kamen als Studenten ins Land.

Umgekehrt plädieren Sie auch dafür, dass sich die Muslime stärker anpassen. Moscheen in Europa etwa sollten nicht mehr so orientalisch aussehen. Das ist überraschend, wenn man sich Ihre Wohnung ansieht: Hier stehen Palmen, Wasserpfeifen und ein geschnitztes Kamel, an der Wand hängen eine arabische Kalligrafie und Bilder von Damaskus.

Ich versuche, das Westliche und das Orientalische zu verbinden. Klar – ich finde den Orient toll! Aber die Küche oder mein Fernseher sind eben nicht orientalisch. Bei den Moscheen müsste es genau so sein. Die brauchen vielleicht nicht mehrere Kuppeln, sondern nur ein schmales Minarett, eben moderne Architektur.

Die Moschee im bayerischen Penzberg gefällt Ihnen besonders gut?

Ja, dort finden Sie zum Beispiel auf den Eingangstüren eine arabische Kalligrafie – und genauso groß daneben die deutsche Übersetzung.

Sie wollen einen Verein der liberalen Muslime gründen. Warum?

Um der schweigenden Mehrheit eine Stimme zu geben. Leuten, die ein normales Leben leben, die gläubig sind, deren Leben sich aber eben nicht nur um die Religion dreht. Alle anderen muslimischen Verbände verkörpern so etwas wie eine konservative Partei. Wir wollen eher progressiv sein – unter anderem, um den Konservativen die Lehrpläne für den Islamunterricht nicht allein zu überlassen.

Warum schweigt die Mehrheit denn überhaupt – zum Beispiel zum islamistischen Terror?

Viele befinden sich in einem Dilemma: Wieso muss ich mich, der ich mir nichts habe zu Schulden kommen lassen, ständig für Terroristen rechtfertigen? Zumal ein großer Teil der Opfer des Terrors Muslime sind. Die konservativen Verbände sagen dazu wirklich zu wenig. Und alle anderen, die liberaleren Stimmen, sind Einzelpersonen.

Haben Sie schon viele Rückmeldungen zu Ihrer Initiative erhalten?

Ja, viele wollen mitmachen und bedanken sich bei mir, weil ich ihnen aus der Seele gesprochen hätte – auch viele Frauen, ob mit oder ohne Kopftuch. Bei Facebook habe ich jetzt zahlreiche „Freunde“ und Fans, die ich größtenteils gar nicht kenne.

Für radikale Muslime müssen Sie dagegen eine ungeheure Provokation sein.

Manche Fundis schreiben mir, dass ich den Islam verwässern und falsch darstellen würde. Islamhasser wiederum glauben, ich sei die Schlimmste von allen: Ich würde mich nur als Liberale tarnen und wollte eigentlich missionieren …

Jetzt meldet sich Ihr Mobiltelefon – natürlich mit einem orientalischen Klingelton …

Wenn ich das öffentlich sage, bekomme ich wahrscheinlich Ärger mit den Arabern, aber egal! Das ist das Lied „Du bist mein Leben“ von Umm Kulthum, der ägyptischen Maria Callas – aber gesungen von einem israelischen Popstar.

Lamya Kaddor, 32, arbeitet als islamische Religionspädagogin an einer Hauptschule; sie hat einen Koran für Kinder und Erwachsene veröffentlicht. Vor kurzem erschien ihr Buch “Muslimisch – weiblich – deutsch!” bei CH. Beck. Sie lebt mit ihrem Mann und einer kleinen Tochter in Duisburg. Das Gespräch führten Claudia Keller und Björn Rosen.

Quelle: Tagesspiegel

14. April 2010

Neue Studie: Ohne Nachhilfe geht es kaum

70 Prozent der befragten Nachhilfe-Institute gaben an, dass die verkürzte Schulzeit an Gymnasien den Bedarf an Nachhilfe steigert. Das ergab eine von Servicezeit Familie beauftragte Studie des unabhängigen Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie, FIBS Consulting.

Millionen-Markt Nachhilfe
Das Institut befragte 122 Nachhilfe-Institute, darunter die Marktführer, die 30 Prozent des Marktes ausmachen. Zwei Drittel der Nachhilfe-Anbieter gaben an, dass sie einen steigenden Anstieg von Nachfragen in den letzten fünf Jahren feststellen. 70 Prozent der Anbieter glauben, dass sie auch in Zukunft mit weiterem Klientel rechnen können. So scheint die Schule für viele nicht mehr ohne Nachhilfe zu schaffen sein. Rund 1,1 Millionen Schüler nehmen mittlerweile regelmäßig bezahlten Nachhilfeunterricht!

Besonders Gymnasiasten betroffen
Nach den Angaben von FIBS Consulting sind jedoch besonders Gymnasiasten betroffen: ein Viertel der Nachhilfe-Anbieter stellt fest, dass diese ein besonderes Interesse an Nachhilfe haben. Laut der Studie sind 40 Prozent der Nachhilfeschüler Gymnasiasten, obwohl sie insgesamt nur 28 Prozent aller Schüler ausmachen. Andere Studien sprechen davon, dass jeder dritte Gymnasiast Nachhilfe bekommt.

Quelle: WDR 2 Beitrag

Lehrer klagen an
Redakteurin Birgit Brückner hat den Film über die Studie für die WDR-Fernsehsendung Servicezeit:Familie gedreht und berichtete im WDR 2 Morgenmagazin auch über die “überraschenden” Reaktionen von Lehrern: Sie würden vor allem den Schülern und dann dem Turbo-Abi die Schuld geben, so Brückner im Gespräch mit Moderatorin Katrin Schmick:

Lehrer klagen an (14.04.10) Unsere Audios und Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
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Nachhilfe: Die wichtigsten Fragen
WDR-Bildungsexperte Armin Himmelrath erläuterte in der WDR 2 Westzeit, dass viele Kinder seit der Einführung der verkürzten Schulzeit einen vollen Tagesplan hätten und kaum Zeit für Freizeit bleibe. Wenn Eltern keine Zeit hätten, den Kinder bei Problemen selbst zu helfen und auch nicht die finanziellen Mittel hätten, Nachhilfeunterricht zu bezahlen, würde Bildung noch mehr als derzeit schon eine Frage des Geldbeutels, so Himmelrath. Zudem beantwortete er die Fragen der Hörerinnen und Hörer:

Nachhilfe: Die wichtigsten Fragen – Teil Eins (14.04.10) Unsere Audios und Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
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Nachhilfe: Die wichtigsten Fragen – Teil Zwei (14.04.10) Unsere Audios und Videos können Sie mit dem Macromedia Flash-Player ab der Version 8.0 ansehen. Den neuesten Flash-Player können Sie beim Hersteller Adobe unter folgender Adresse kostenlos downloaden:
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Nachhilfe: Die wichtigsten Fragen – Teil Drei (14.04.10)

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12. April 2010

Pinkwart: Klassen künftig nicht größer als 25 Schüler

Künftig nur noch 25 Kinder pro Schulklasse
Künftig nur noch 25 Kinder pro Schulklasse
Die Liberalen wollen nach der Landtagswahl am 9. Mai weitere Verbesserungen an den Schulen durchsetzen. „Vorrangig ist für uns das Ziel, möglichst rasch zu kleineren Klassen mit nicht mehr als 25 Schülern zu kommen“, erklärte der FDP-Landesvorsitzende Andreas Pinkwart gegenüber der Nachrichtenagentur ddp. Dazu sollen 1.000 Schulassistenten eingestellt werden. Mit einem Schulfreiheitsgesetz wolle man den Schulen zudem mehr Möglichkeiten an die Hand geben, den Unterricht zu verbessern.

Die geplanten 1.000 Schulassistenten sollen eingestellt werden, damit sich die Lehrer ganz dem Unterricht widmen können und von bürokratischen Aufgaben befreit werden“, so Pinkwart.

Der Minister betonte zudem, die FDP stehe „für Schulvielfalt“. Die Liberalen „wollen dort, wo es gewünscht wird, zulassen, dass sich Haupt-, Real- und Gesamtschulen zu regionalen Mittelschulen zusammenschließen können“, so Pinkwart. „So schaffen wir beste Aufstiegschancen für alle Kinder. Als Wissenschaftsnation brauchen wir auch in Zukunft starke Gymnasien. Eine Einheitsschule lehnen wir strikt ab“.

“Zweite Priorität neben der Bildung hat für uns der Bürokratieabbau und eine moderne Verwaltung“, sagte der stellvertretende NRW-Ministerpräsident. „Wir wollen noch einmal bis zu 14 000 Stellen in der Landesverwaltung abbauen – in allen Bereichen mit Ausnahme der Bildung.“ Nur so sei es möglich, „die Spielräume für Bildung, Innovation und solide Haushalte“ auszuschöpfen. „Dazu gehört auch ein Steuer- und Transfersystem, das den Fleißigen belohnt und nicht den Findigen“, so Pinkwart.

Quelle:FDP

Aufgaben von Schulassistenten sind u.a.

- Anfertigen von Kopien und Folien,
- Lehrmittelverwaltung und – betreuung,
- Mitwirkung bei der Schulbuchausleihe,
- Bibliotheksverwaltung,
- Betreuung der audio-visuellen Geräte,
- Medienausleihe,
- Betreuung der Sammlungen usw.

Schulassistentenbrauchen brauchen für Ihre Tätigkeit keinerlei pädagogische Ausbildung. Schulassistent ist kein Ausbildungberuf sondern eine Anlerntätigkeit.  Bisher gibt es keine nachprüfbare Aufbereitung von Daten wie hoch der Anteil von LehrernInnen für sogenannte schulfernen Tätigkeiten ist.

Frank Jakobs

10. April 2010

Gefährdet das Hauptschulsterben die Wirtschaft?

n der Bildungspolitik tobt ein neuer Klassenkampf. Die alte Hauptschule stirbt – und die Politik schwankt zwischen Rettung und Radikalkur. Über die Konzepte der Länder und die Folgen für die Wirtschaft.

Lernen fürs Lebens: Neuntklässler der Bochumer  Werner-von-Siemens-Schule Bild vergrößern Lernen fürs Leben: Neuntklässler der Bochumer Werner-von-Siemens-Schule Dirk Krüll für WirtschaftsWoche

Erwin Schulte nimmt es sehr genau. Keine Arbeit verlässt den Raum, ohne dass der Schreinermeister sie penibel prüft. Schultes Reich ist die Lernwerkstatt Holz an der Werner-von-Siemens-Schule in Bochum. Hier demonstriert er Neunt- und Zehntklässlern den richtigen Umgang mit Bohrer, Hobel und Schleifpapier. Und nicht nur das. Schulte will seinen Schülern mehr mitgeben: Pünktlichkeit, Genauigkeit, Zuverlässigkeit. Tugenden, die sie brauchen, um auf dem Arbeitsmarkt eine Chance zu haben.

Gewalt, Drogen und Leistungsverweigerung – mit dem gängigen Image einer Hauptschule haben die Bochumer nur wenig gemein. Projekte wie die Lernwerkstatt haben ihr einen guten Ruf eingebracht. Von zehn Abgängern, die eine Ausbildung beginnen, halten hier neun durch. Üblicherweise sind es nur fünf bis sieben. Auch für die Schule selbst zahlt sich das aus: Sie verbucht konstante Anmeldezahlen. Und das seit Jahren.

Doch solche Hauptschulen sind selten geworden in Deutschland. Immer weniger Eltern vertrauen dieser Schulform noch ihre Kinder an. Zwischen 1999 und 2008 fielen die Schülerzahlen der Hauptschulen deutschlandweit um knapp 25 Prozent. Immer mehr Bundesländer reagieren deshalb mit Reformen, die ein gemeinsames Ziel haben: die komplette Abschaffung der Hauptschule.

Bildungssystem produziert hoffnungslose Schicksale

In der Politik reift die Erkenntnis, dass das deutsche Bildungssystem schon zu lange hoffnungslose Schicksale produziert – und damit fast ohne Umwege Empfänger von Sozialleistungen. Die gewaltige Summe von 2,8 Billionen Euro koste Deutschland die unzureichende Ausbildung seiner Schüler, rechnet der Bildungsökonom Ludger Wößmann vor. Wohlstand, der Deutschland in den kommenden 90 Jahren verloren ginge, wenn das Niveau an den Schulen so bliebe, wie es ist. Wößmanns Gleichung: Erst schränkt unzureichende Bildung die persönliche Entfaltung ein. Später übersetzt sich diese Verkümmerung in kümmerliche Wachstumschancen. „Es geht nicht um Peanuts“, warnt Wößmann.

Mittelständler und Großkonzerne treibt die gleiche Sorge: Wie komme ich in Zukunft noch an gut qualifiziertes Personal? Nervös machen sie Zahlen wie diese: 5,2 Millionen Fachkräfte könnten 2030 in Deutschland fehlen, warnt eine Prognos-Studie für die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft. Das Problem ist dabei weniger die Abiturienten- und Studierquote. Eine bislang ungenutzte Fachkräfte-Reserve schlummert für die Unternehmen unterhalb des Gymnasiums. Dort sitzen die am schlechtesten ausgebildeten Schüler, bei denen es „noch nicht gelungen ist, die Defizite zu beheben“, klagt Sybille von Obernitz, Bildungsexpertin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

An der Frage, wie dieser Missstand im System be- und das Potenzial gehoben werden kann, ist ein neuer Klassen-Kampf entbrannt. Er konzentriert sich vor allem auf eine Schulform: die Hauptschule. Sie ist in den letzten Jahren in vielen Städten und Regionen zu einem Synonym für Perspektivlosigkeit geworden, verkommen zur Restschule für die bildungsferne Schicht. Und dieser stille Tod hat handfeste Gründe. Denn die Hauptschule leistet nicht, was sie sollte.

Ursprünglich sollte sie Jugendliche auf eine Berufsausbildung vorbereiten. Eigentlich. Die Realität sieht anders aus: Etwa 15 Prozent aller deutschen Schüler erreichen heute nicht das Grundbildungsniveau von 420 Pisa-Punkten. In der Diktion des internationalen Schülervergleichstests gilt fast jeder Fünfte somit als ein solcher „Risikoschüler“. Hinter der nüchternen Zahl 420 verbergen sich Jugendliche, die mit 15 Jahren mühsamer rechnen und fehlerhafter schreiben als durchschnittliche Grundschüler – und überdurchschnittlich viele von ihnen gehen auf eine Hauptschule. Ihre Chancen auf sinnvolle Arbeit, mit der sie sich ohne staatliche Stütze ernähren können, sind nahe null.

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Grafik: Entwicklung der Schülerzahlen Bild vergrößern Grafik: Entwicklung der Schülerzahlen

Fast jeder vierte Hauptschüler sagt Jahr für Jahr sogar ganz ohne Abschluss Lebewohl. Gleich mehrere Jahrgänge aus Neu- und bislang erfolglosen Altbewerbern tummeln sich dann gemeinsam auf dem Ausbildungsmarkt. Fast die Hälfte all dieser Azubis in spe – ob mit oder ohne Abschluss – muss regelmäßig erst einen Grundbildungskurs absolvieren, um überhaupt die Reife für eine Lehre zu erlangen. Es sind Bildungsarmutszeugnisse für die Schulen, aus denen sie kommen.

Die Wirtschaft reagiert entsprechend aufgeschreckt und engagiert sich zunehmend mit Vor-Ort-Programmen. Um geeigneten Nachwuchs zu gewinnen, richtete etwa der Stahlproduzent ThyssenKrupp Nirosta eine Metall-Werkstatt an einer Hauptschule am Krefelder Stammsitz ein. Zusätzlich schickt das Unternehmen eigene Ausbilder, um für die Lehre zum Industriemechaniker zu werben. „Wir stellen bei Bewerbern von der Hauptschule Defizite fest, deshalb werden wir dort selbst tätig“, sagt Elke Humpert, die Leiterin der Personalentwicklung. Ohne Absolventen von Haupt- und Realschulen werde man nicht wachsen können, so Humpert. Sie machen rund 60 Prozent der Lehrlinge aus. Aber bei Kosten von bis 80 000 Euro pro Ausbildung müssen es die richtigen sein. Selber reparieren könnte deshalb zur Dauereinrichtung werden.

Vorbild sind die skandinavischen Schulsysteme

Das aber ist gerade für Kleinbetriebe oft kaum möglich. Wenn Bärbel Rumohr für ihren siebenköpfigen Malerbetrieb im Krefelder Norden geeignete Lehrlinge sucht, ist manchmal bei 50 Bewerbern kein einziger passender dabei. „Die Kenntnisse, die wir hier brauchen, fehlen häufig. Wir können das nicht nachholen“, sagt sie. Es hapert vor allem in Mathe und Deutsch. Rumohr würde am liebsten einfach Realschüler nehmen, aber „die kriegen sie kaum“. Also nutzt sie die Zuschüsse der sogenannten Einstiegsqualifizierung der Arbeitsagentur. Praktikanten sollen so in einem Jahr im Betrieb ausbildungsreif werden.

8. April 2010

20.157 warme Mahlzeiten für Kinder

basic bio-Genuss für alle und Children for a better World e.V. schließen erfolgreich die Aktion „Eine Mahlzeit für Kinder*“ ab

20.157 warme Mahlzeiten für in schwierigen Verhältnissen aufwachsende Kinder in Deutschland – das ist das Ergebnis der deutschlandweiten Aktion „Eine warme Mahlzeit für Kinder“ der basic Bio-Supermärkte und der
Kinderhilfsorganisation Children for a better World e.V.: Zwischen dem 1. und 31. März 2010 spendeten basic, basic-Kunden, Lieferanten und Hersteller von Bio-Produkten dafür, sozial benachteiligten Kindern ein warmes Mittagessen zu ermöglichen. „Ein toller Erfolg, den wir unseren Kunden zu verdanken haben“, so Stephan Paulke, Vorstand der basic AG, „ohne die Unterstützung unserer Lieferanten wäre das natürlich nicht
gegangen, sie haben uns bei den Spenden großzügig geholfen.“ Während des Aktionszeitraumes gingen 5 bis 15 Prozent des Verkaufspreises von mehr als 250 Aktionsprodukten an die CHILDREN-Mittagstische für Kinder. Dies entspricht Beträgen zwischen 4 Cent und 2,79 Euro. „Wir hatten uns vorgenommen, 16.000 Essen zu spenden und dieses Ziel haben wir sogar übertroffen“, freut sich Paulke. Auch Dr. Florian
Langenscheidt, Gründer von Children for a better World e. V. ist glücklich: „Auch für uns war eine solche gezielte Aktion Neuland und wir sind um so begeisterter, dass wir 20.157 Mittagessen für unsere Kinder zusammenbekommen haben.“

In den von CHILDREN und basic geförderten Einrichtungen erhalten die Kinder durch diese Unterstützung nicht nur ein gesundes Essen, sondern auch die Aufmerksamkeit und Zuwendung, die ihnen zuhause oft fehlt. Auch die selbständige Zubereitung von Mahlzeiten gemeinsam mit anderen ist Bestandteil der Förderung. Bereits seit sechs Jahren unterstützt basic Children for a better World e.V. – mit jedem
Kassenbon spendet basic auch zusätzlich zu dieser besonderen Aktion einen Cent für die Mittagstische der Kinderhilfsorganisation.

Zusammen mit den in allen Märkten bereit stehenden Spendendosen wurden seit 2004 nun schon knapp 400.000 Euro gesammelt. Hunderten Kindern wird dadurch eine tägliche warme Mahlzeit ermöglicht.

http://www.children.de
http://www.basic-bio-genuss-fuer-alle.de

Sozial schwache Kinder profitieren besonders vom Schulsport

Schülerinnen und Schüler mit höherem Sozialstatus und Bildungsniveau sind weniger oft übergewichtig und fitter als ihre sozial benachteiligten Altersgenossen. Schulkinder mit sozial schwächerem Hintergrund profitieren mehr von zusätzlichem Schulsport-Angebot. Das sind zwei wichtige Eckdaten einer aktuellen Studie der Universität Leipzig, die heute auf der 76. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung (DGK) präsentiert wurden.

Von Donnerstag bis Samstag diskutieren in Mannheim rund 7000 Teilnehmer aus 25 Ländern aktuelle Entwicklungen aus allen Bereichen der Kardiologie.

Ein Viertel der Schulkinder ist übergewichtig

Übergewicht und Fettleibigkeit nehmen unter Schulkindern und Jugendlichen in den Industrieländern laufend zu, fast ein Viertel der europäischen Schulkinder ist bereits von überflüssigen Pfunden betroffen. Wissenschaftler der Universität Leipzig haben jetzt untersucht, ob sich zusätzlicher Schulsport an Gymnasien und Mittelschulen positiv auf körperliche Leistungsfähigkeit und Herzrisiko der Heranwachsenden auswirkt.

Dabei wurde an den beiden sächsischen Schulen, die an der Studie teilnahmen, auch erhoben, ob der soziale Status der Schüler – definiert durch die Schulzugehörigkeit und den Bildungsstatus der Eltern – einen Unterschied in Sachen körperliche Fitness macht.

Tatsächlich war der durchschnittliche Body-Mass-Index bei Mittelschülern höher als bei Gymnasiasten, die Mittelschüler hatten auch einen höheren Körperfettanteil, berichtete in Mannheim Dr. Katharina Machalica (Leipzig): “Auch die koordinativen Fähigkeiten und die körperliche Fitness war bei den Mittelschülern nicht so gut ausgeprägt wie bei den Schülern des Gymnasiums.”

Nach einem Jahr mit zusätzlichen Sportstunden in beiden Schultypen konnten die Mittelschüler signifikant ihren Körperfettanteil ab-, und dafür ihre Fitness aufbauen – bei den Gymnasiasten zeigten sich keine wesentlichen Veränderungen, ergab die Studie. Dr. Machalica: “Kinder mit einem schwächeren sozialen Hintergrund können also offenbar von zusätzlichem Schulsport profitieren.”

6. April 2010

Die Vorboten der Landtagswahl werfen ihre Schatten Voraus

Am 09. Mai 2010 müssen sich die Bürger entscheiden, von wem sie regiert werden wollen

Wir möchten auf eine Veranstaltung der Direktkandidaten im Duisburger Westen (Rheinhausen) aufmerksam machen. Besuchen Sie diese Veranstaltung und löchern Sie die Politiker mit ihren Bildungsfragen.

  • Wie sieht die Entwicklung bei den Studiengebühren aus
  • Kopfnoten – Fluch oder Segen für die Schülerinnen
  • Längeres gemeinsames lernen- Ein Ausweg für alle ?
  • Drittelparität
  • Bildungsföderalismus
  • Große Klassen

  • Unterrichtsausfall

  • Lehrermangel
  • Inklusion
  • Kostenlose Mahlzeiten in der Ganztagsschule
  • Echte Lehrmittelfreiheit

Dies sind nur einige Anregungen für Fragen. Sicher fallen Ihnen noch viel mehr ein. Schauen Sie sich die Parteiprogramme zum Thema Bildung an. Was haben die Parteien in der letzten Wahl in dr Bildung versprochen und was gehalten.

Landtagswahl 2010

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