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Blog der Stadtschulpflegschaft Duisburg - Die Elternvertretung in der Stadt Duisburg


27. Mai 2010

Beerdigt Schwarz-Rot die Hauptschule?

Einer der größten Streitpunkte zwischen CDU und SPD könnte bei Koalitionsgesprächen rasch entschärft werden. Wie die WAZ aus der SPD-Spitze erfuhr, wäre eine Einigung in der Schulpolitik auf Grundlage des sächsischen Modells denkbar.

Folgten CDU und SPD diesem Kompromiss-Modell, würde das bislang dreigliedrige Schulsystem umgebaut, hieß es. Es würde sich künftig auf zwei Säulen stützen: Zum einen eine Mittelschule als Kombination aus der bisherigen Haupt- und Realschule – und als zweite Säule das Gymnasium.

Die Schulpolitik war das zentrale Streitthema zwischen CDU und SPD im zurückliegenden Wahlkampf. Die SPD hatte sich für längeres gemeinsames Lernen und Gemeinschaftsschulen ausgesprochen. Die CDU hatte das bestehende dreigliedrige Schulsystem vehement verteidigt.

Pisa-Spitzenreiter

Es gibt gute Gründe für Nordrhein-Westfalen, neidisch auf Sachsens Schulen zu blicken. Während bei uns seit Jahren über zu große Klassen, sterbende Hauptschulen und mangelhafte Förderung schwächerer Schüler geklagt wird, können sich die Schulen im Osten mit Pisa-Spitzenreitern wie Finnland messen. In Vergleichen zwischen den Bundesländern liegen Sachsen und Thüringen in Sachen Bildung noch vor den westlichen „Musterländern“ Bayern und Baden-Württemberg. NRW belegt regelmäßig die hinteren Plätze.

In Sachsen gilt im Schnitt nur jedes zehnte Kind als „Risikoschüler“ mit besonders schlechten Kompetenzen. Im Bundesschnitt sei jeder fünfte Schüler ein solcher Problemfall, heißt es im „Bildungsmonitor“, einer Länder-Vergleichsstudie der deutschen Wirtschaft. Und: „In Fächern wie Physik, Chemie und Biologie erreichen in Sachsen und Thüringen sogar Schüler aus benachteiligten Elternhäusern sehr gute Ergebnisse.“ Nirgendwo sonst sind die Klassen kleiner, und Sachsen gilt darüber hinaus als Deutschlands beste „Ingenieurschmiede“.

Experten bezweifeln allerdings, dass die Überlegenheit Sachsens allein eine Frage des Schulsystems ist. In den neuen Ländern herrsche traditionell eine andere Lernkultur. Und Kinder aus „bildungsfernen Schichten“ seien dort seltener zu finden als zum Beispiel in NRW.

Gymnasium oder Mittelschule

Wo liegen die Unterschiede des dortigen Schulsystems zu NRW? Vor allem darin, dass es in Sachsen ein zweigliedriges Schulsystem gibt. In den vierten Klassen erhalten die Kinder eine Empfehlung entweder fürs Gymnasium oder für die Mittelschule. In ihr sind Haupt- und Realschule zusammengefasst. Mittelschüler können den Hauptschul- oder den Realschulabschluss erreichen. Die Klassen 5 und 6 haben „Orientierungsfunktion“: Wenn ein Kind nach der 6. Klasse aufs Gymnasium wechseln soll, muss es in Deutsch, Mathe und der 1. Fremdsprache einen Notendurchschnitt von 2,5 haben.

Allerdings scheint die Spitzenposition Sachsens andere Ursachen zu haben. „Es gibt keinen klaren Zusammenhang zwischen dem Abschneiden im Ranking und der Schulstruktur. Das System ist zweitrangig. Entscheidend ist, was in den Schulen passiert“, sagt Oliver Stettes, Projektleiter im Institut der Deutschen Wirtschaft. In Sachsen gebe es eine andere Lernkultur. Mathe und Naturwissenschaften hätten schon seit DDR-Zeiten dort einen hohen Stellenwert. Außerdem gebe es in den neuen Ländern viel weniger „bildungsferne“ Schüler.

Der Dortmunder Schulentwicklungsforscher Ernst Rösner hält Pläne, das sächsische System auf NRW zu übertragen, also Haupt- und Realschulen zusammenzulegen, gar für eine „fixe Idee“. „Es ist Unsinn, aus zwei Verliererschulen, die immer weniger Schüler haben, eine Gewinnerschule machen zu wollen“, so Rösner. Immer mehr Eltern würden Schulen bevorzugen, die den Kindern die Chance bieten, das Abi zu machen.