Zum Inhalt springen


Blog der Stadtschulpflegschaft Duisburg - Die Elternvertretung in der Stadt Duisburg


3. März 2010

Wir zahlen nicht für Eure Krise

Für eine solidarische Gesellschaft
Die schlimmste Finanz- und Wirtschaftskrise seit 1929 ist in Duisburg angekommen: Kurzarbeit ist ausgereizt – die Arbeitslosenzahlen gehen drastisch nach oben. Die kommunalen Einnahmequellen, insbesondere die Gewerbesteuer, versiegen. Der ohnehin chronisch unterfinanzierte kommunale Haushalt stürzt ins bodenlose Defizit. Die aufgehende Schere zwischen sinkenden Einnahmen und steigenden Ausgaben raubt der Stadt den letzten Rest Gestaltungsfreiheit. Während die Stadt auf der einen Seite mit Private-Public-Partnership-Geschäften und Mietgarantien für Immobilieninvestoren private Unternehmergewinne finanziert, hält der geplante Haushalt für die Bürgerinnen und Bürger eine „Tränenliste“ von Kürzungsmaßnahmen und Gebüh-renaufschlägen bereit:
• Jungen Menschen wird durch die Schließung von Schulen die Bildungs- und Ausbildungsperspektive genommen. Zahlreichen Kinder- und Jugendeinrichtungen, Erziehungshilfe wird eingespart, offenen Jugendtreffs droht das Aus.
• Eltern, insbesondere gering Verdienenden, werden durch die Erhöhung der Beiträge für die Kindertages-stätten um die Förderung ihrer Kinder gebracht.
• Sportlerinnen und Sportler wird durch die Schließung und den Verkauf der Sportanlagen die Sportaus-übung in der einstigen Sportstadt Duisburg ungemein erschwert.
• Seniorinnen und Senioren werden durch die Mittelkürzung für die Begegnungsstätten ins soziale Abseits gedrängt.
• Erwerbslose Menschen und ihre Kinder, die auf die Förderung ihrer Mieten angewiesen sind, werden durch eine engherzige Festlegung der Mietobergrenzen und die widerrechtliche Kürzung der Heizkosten-abschläge entwürdigt, aus ihren Heimatquartieren vertrieben und aus ihrem sozialen Umfeld und ihren sozialen Bezügen gerissen.
• Hilfen und Beratungsangebote werden verkleinert oder geschlossen, wie zum Beispiel die Familien-beratung, Suchthilfe, Aids- und Prostituiertenhilfe sowie Impfprävention und Adipositasbekämpfung.
• Zuschüsse für sämtliche Kultur- und Bildungsangebote werden drastisch gekürzt und im Gegenzug die Gebühren und Eintrittspreise erhöht.
• Behinderteneinrichtungen werden durch die geplanten Kürzungen ihren Auftrag nicht mehr erfüllen können
• Wir alle sind betroffen und die soziale Ausgrenzung und Zergliederung wird, im Gegensatz zu den Schlussfolgerungen des Duisburger Sozialberichts, so jedenfalls nochmals erheblich verstärkt.

Man kann sich aber aus der Krise nicht heraus sparen!

Demonstration


22. März 2010
· 13.00 Rathaus Duisburg

Unterzeichnende

Inge Holzinger (Friedensforum Duisburg), Wolfgang Brahmann (attac Duisburg), Norbert Müller (GEW Duisburg),

Weitere Unterstützer/Unterstützerinnen:

Frank Jakobs, Vorsitzender der Stadtschulpflegschaft Duisburg

Karin Gerlich (Erwerbslosenberatung Marxloh und Ostacker)

Joachim Glund (für das Bündnis „Wir zahlen nicht für eure Krise“)

Ingrid Jost (Verein Erwerbslose helfen Erwerbslose e.V.)

Absage an Spaltungskonzept G8/G9

Die von einer Bürgerinitiative “Familiengerechte Bildung” und der GEW vorgeschlagene Freigabe der Entscheidung, ob in Nordrhein-Westfalen ein einzelnes Gymnasium in 8 oder 9 Jahren das Bildungsziel erreichen will, lehnt der Philologen-Verband mit aller Deutlichkeit ab. Auch die Landeselternschaft der Gymnasien sowie beide Direktorenvereinigungen sind gegen diesen Doppelweg.

Letztlich würde diese Alternative zur Folge haben, dass sich die Gymnasien in Gymnasien erster und Gymnasien zweiter Ordnung spalten. Die einheitliche Bildungskonzeption dieser Schulform ginge verloren und eine Vielzahl organi­satorischer Probleme würde auf die Gymnasien zukommen.

“Im Mai 2009 haben sich mehr als 3/4 aller Elternvertretungen der Gymnasien unmissverständlich für die Beibehaltung der Schulzeitverkürzung und gegen ein Wahlrecht ausgesprochen. Eröffnet man beide Wege, so müssen diese Angebote flächendeckend vorgehalten werden, jetzt genutzte Räume für den Mensaausbau und für den Schüleraufenthalt müssen anderweitig verplant und die Lehrpläne völlig neu konzipiert werden. Der Wechsel der Schüler von einer zur anderen Schule wäre erheblich erschwert und im ländlichen Raum würde sich die Fahrkostenproblematik zusätzlich einstellen. Ein heilloses Durchein­ander wäre die Folge!”, warnt Peter Silbernagel, Vorsitzender des Philologen-Verbandes.

Die Umsetzung der Schulzeitverkürzung war zweifellos mit größeren Proble­men im Pädagogischen und Schulorganistorischen verknüpft. Musterlehr­pläne, Übermittags-Konzepte und Ganztagsangebote haben wesentlich zur

Entschärfung beigetragen, so dass schrittweise eine größere Gelassenheit einkehrt. Die Anmeldequoten beweisen nach wie vor, dass die Gymnasien auf einen wachsenden Zuspruch bauen können. Die von einer El­terninitiative nun vorgelegte Wahlfreiheit würde die Kommunen mit kaum steuerbaren Ent­scheidungen konfrontieren und vor erhebliche Finanzierungsprobleme stellen. Im übrigen fußen die Rückmeldungen der Initiative auf Online-Angaben, die gerade einmal von einem Elternteil je 200sten Schüler eines Gymnasiums in einem Zeitraum von 7 Monaten gemacht wurden. Mehr als die Hälfte der Beteiligten wohnt im Köln-Bonner Raum. Verallgemeinerungen sind daher weder seriös noch repräsentativ.

“Wenn SPD und BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN dieses angebliche Wahlkonzept selbst als Zwischenschritt hin zu einer Gemeinschaftsschule für alle vorschla­gen, dann wird jedem klar sein, dass beide Parteien nicht an dem Erhalt der Gymnasien interessiert sind, sondern letztlich die Probleme noch anschärfen wollen! Auch die GEW ist stets für ´Eine Schule für Alle´ eingetreten”, so Peter Silbernagel.