17. Mai 2012
Im Schuljahr 2010/11 hatte in Nordrhein-Westfalen mehr als jede(r) vierte (26,2 Prozent) der rund zwei Millionen Schülerinnen und Schüler an allgemeinbildenden Schulen (ohne Weiterbildungskollegs und freie Waldorfschulen) eine Zuwanderungsgeschichte. Wie Information und Technik Nordrhein-Westfalen als Statistisches Landesamt mitteilt, wird bei über der Hälfte der Schülerinnen und Schüler mit Zuwanderungsgeschichte zu Hause überwiegend nicht deutsch gesprochen. Das sind 15 Prozent der gesamten Schülerschaft. Wie die Grafik zeigt, fällt dieser Anteil an den einzelnen Schulformen unterschiedlich aus:

Die Hauptschulen wiesen mit 25,6 Prozent den höchsten Anteil bei den Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungsgeschichte auf, bei denen zu Hause überwiegend nicht deutsch gesprochen wurde. Bei den Gymnasiast(inn)en war der Anteil mit 5,0 Prozent am niedrigsten.
Diese und weitere interessante Ergebnisse zur Bildungsbeteiligung junger Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in NRW sowie methodische Hinweise hat der Landesbetrieb Information und Technik Nordrhein-Westfalen jetzt in der Reihe „Statistik Kompakt” unter dem Titel „Bildungsbeteiligung von Schülerinnen und Schülern mit Zuwanderungsgeschichte” veröffentlicht. Hier steht die Analyse zum kostenlosen Download bereit. (IT.NRW)
(093 / 12) Düsseldorf, den 16. Mai 2012
Ergebnisse für kreisfreie Städte und Kreise finden Sie hier. Quelle: Schriftzug IT.NRW als Abkürzung für Information und Technik Nordrhein-Westfalen
13. Mai 2012
Ein Thema, das in letzter Zeit nicht nur in Duisburg Aufmerksamkeit erregt hat. Der Bereich “offener Ganztag” der in unserer Stadt gut angenommen wurde braucht u.a. neue Impulse. In Oberhausen haben beispielsweise zwei Abgeordnete des letzten Landtages eine diesbezügliche Anfrage eingebracht. Diese konnte durch Auflösung des Landtages aber nicht mehr bearbeitet werden. Eine neue Landesregierung wird sich auch daran messen lassen müssen, wie sie mit Elternwünsche umgeht.
Beispiel
Die Flexibilitätseinschränkung der Eltern durch die Begrenzung der unterjährigen Wechselmöglichkeit von Betreuungszeit muss neu gedacht werden.Ein flexibler Wechsel, der bei veränderten Lebensumständen notwendig ist, wird damit erschwert. Dies bedeutet für die Eltern eine spürbare Einschränkung. Um hier für mehr Flexibilität zu sorgen, wäre eine Möglichkeit beispielsweise das Buchen einer festen Grundbetreuungszeit mit optional buchbarer Zusatzbetreuungszeit. Im Rahmen einer Überprüfung der Landesgesetze zum offenen Ganztag sollen wir prüfen, wie die Betreuungszeiten noch stärker an die Bedürfnisse der Familien angepasst werden können.
Dies ist natürlich ein komplexer Vorgang, weil es auch neben finanziellen Änderungen auch in den Bereich der Personalpolitik der Träger, die meistens im OGS zu finden sind, eingreift. Auch auf Landesebene arbeiten wir im Rahmen der Landeselternkonferenz an diesem Thema
8. Mai 2012
Der Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB) verstärkt sein bisheriges Engagement zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt.
Sehr geehrte Damen und Herren,
der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird sich künftig noch stärker für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor
sexualisierter Gewalt einsetzen. Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnen am heutigen Donnerstag DOSB-Präsident Thomas Bach und der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, in Berlin.
Pressefotos sowie die unterzeichnete Vereinbarung finden Sie heute ab 16.00 Uhr unter www.beauftragter-missbrauch.de [1] .
Für Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.
Mit besten Grüßen
Friederike Beck
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
__________________________________________
Geschäftsstelle Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs
Glinkastraße 24, 10117 Berlin, Telefon: 03018 555-1554, Telefax: 03018 555-4-1554
E-Mail: friederike.beck@ubskm.bund.de [2]
Internet: www.beauftragter-missbrauch.de [3]
Kampagne: www.sprechen-hilft.de [4]
Links:
——
[1] http://www.beauftragter-missbrauch.de
[2] mailto:friederike.beck@ubskm.bund.de
[3] http://www.beauftragter-missbrauch.de
[4] http://www.sprechen-hilft.de
7. Mai 2012
Liebe Freunde,
wir melden uns mit einem sehr ernsten Thema, das uns sehr bewegt. In der Bambini(2006)-Mannschaft von Tura 88 spielt der kleine sechsjährige Harishan begeistert Fussball. Harishan ist wie die meisten Jungs in seinem Alter ein absoluter Fussballfan und als waschechter Duisburger fährt er natürlich auch voll auf die Zebras ab. Der kleine Neudorfer versteht im Moment aber die Welt nicht mehr: Seine Eltern flohen vor 16 Jahren aus dem Bürgerkriegs-geplagten Sri Lanka. Als Angehörige der tamilischen Volksgruppe waren sie politisch Verfolgte: Gefängnis, Folter und Schlimmeres drohten. Harishan, seine Schwester (9) und sein kleiner Bruder (3) sprechen nur deutsch und kein Wort Sinhala oder Tamil (Amtssprachen in Sri Lanka). Neudorf ist ihr Zuhause, hier sind ihre Freunde, hier leben sie gerne.
Da der Bürgerkrieg in Sri Lanka als beendet gilt, soll die fünfköpfige Familie nun abgeschoben werden. Menschenrechtsverbände und auch Hinweise aus Sri Lanka selbst, machen aber deutlich, dass der Vater als ehemals politisch Verfolgter, ggf. auch die gesamte Familie, direkt verhaftet werden würden. Vor Gericht versuchte Harishans Vater die drohende Abschiebung zu verhindern. In seiner Verzweiflung wurde er vor Gericht immer lauter, was ihm nun zur Last gelegt wird. Wer sich nicht in die verzweifelte Lage des Vaters versetzen kann, wird auch nicht verstehen können, warum dieser „laut“ wurde. In den 16 Jahren kam die Familie nie in Konflikt mit der Polizei, hielt sich an alle Regeln und integrierte sich vorbildlich. Die Eltern waren stets engagiert, der Vater geht hier arbeiten und auch die Mutter bemüht sich um einen Job. Wir wollen uns für den kleinen Harishan und seine Familie einsetzen: Wir bitten Euch alle uns hier – so gut es geht – zu unterstützen: Verbreitet diese Info, macht Vorschläge etc. – Alle Freunde mit journalistischen Background, aber auch die mit politischem Background, bitten wir sich der Sache anzunehmen (weitere Infos und Kontaktdaten geben wir gerne per Mail weiter). Bitte helft Harishan!
DANKE!
Vorstand zebrakids e.V.
Begründung: Weitere Informationen findet man unter: www.harishan-muss-bleiben.de
Ich unterstütze die #Petition Harishan will bleiben! in #NRW –
6. Mai 2012
CDU: Der “Masterplan guter Unterricht” setzt auf bessere Förderung stärkerer wie schwacher Schüler. Die neue Sekundarschule soll neben der Hochschul- auch die Ausbildungsreife sichern. Kita-Ausbau für U3-Kinder hat Priorität. Lehrpläne sollen entfrachtet, Unterrichtsausfall reduziert werden. Kein Zurück zu Studiengebühren. Sofortprogramm zum Ausbau der Unis für doppelten Abi-Jahrgang 2013.
FDP: Qualität und Ausbau der Kitas haben Vorrang vor weiterer Beitragsfreiheit. Die FDP baut auf starke Gymnasien und warnt vor einer Privilegierung von Gesamt- und Sekundarschulen. Ein Teil der Förderschulen soll erhalten bleiben. Studienbeiträge sollen wieder eingeführt, aber beim Berufseintritt zurückgezahlt werden. Duale Studiengänge und praxisorientierte Berufsschulen werden gefördert.
Grüne: Mehr Qualität und mehr U-3-Plätze in Kitas gehen den Grünen vor weiterer Beitragsfreiheit. An Schulen sollen Sonder- und Sozialpädagogen die Kollegien verstärken, der Ganztag wird ausgebaut. Mehr Medienkompetenz und Verbraucherbildung im Unterricht. Rechtsanspruch auf inklusive Bildung für Behinderte. Studienplätze für alle Absolventen des doppelten Abi-Jahrgangs 2013.
Linke: Alle Bürger sollen das Recht auf gebührenfreie Bildung haben. Und zwar in “einer gemeinsamen Schule von der ersten bis zur zehnten Klasse in Ganztagsform”. Danach sollen viele chancengleich zur Hochschulzugangsberechtigung geführt werden. Die Linke lehnt private Schulen ab. Neue Lehrer müssen eingestellt, die Klassengröße auf 15 Schüler begrenzt werden. Das achtjährige Gymnasium (G8)wird abgelehnt.
Piraten: Die soziale Herkunft darf nicht über Bildungschancen entscheiden. Durch bestmögliche Förderung jedes Schülers soll es möglich werden, dass alle einen Schulabschluss haben. Die Piraten wünschen kostenfreie Bildung auf allen Ebenen, ein eingliedriges Schulsystem sowie beitragsfreie Ganztagsbetreuung in wohnortnahen Kitas. Zertifikate sollen Noten ersetzen. Auch wichtig: Bessere IT-Angebote in Schulen.
SPD: Vorbeugende Politik soll schon vor der Geburt ansetzen: “Kein Kind zurücklassen” ist das Motto. Die SPD will die Beitragsfreiheit in Kitas erweitern. Wohnortnahe Grundschulen und längeres gemeinsames Lernen sind wichtig. Ab 2015 erreichbare Ganztagsangebote für alle Schüler, ab 2013 Rechtsanspruch für behinderte Kinder auf Platz an einer allgemeinbildenden Schule. Die Uni bleibt gebührenfrei.
5. Mai 2012
Übernahme freiwilliger Leistungen im Rahmen der Regelungen nach § 82 GO NRW
Hier: Wegfall des Eigenanteils zum Schoko-Ticket gem. § 2 Abs. 3 Schülerfahrtkosten
Inhalt der Mitteilung
Mit DS 11-1934 vom 28.10.2011 wurde dem Rat der Stadt ein gesamtstädtisches Handlungskonzept der Stadt Duisburg zum Umgang mit der Zuwanderung von Menschen aus Südost-Europa zur Entscheidung vorgelegt. Hierin wurde ausführlich die Situation dieser Zuwanderergruppen, aber auch die Themenfelder mit Handlungsbedarf benannt. Eines dieser im Maßnahmenplan zur DS genannten Themen ist die Gewährung eines Schoko-Tickets ohne Erhebung eines Eigenanteils, um den Schülern/innen aufgrund bestehender Entfernungen zu Ihrer Schule einen Schulbesuch zu ermöglichen.
Nach § 5 der Schülerfahrkostenverordnung (SchfkVO) entstehen Fahrkosten notwendig, wenn der kürzeste Schulweg in der einfachen Entfernung für Schülerinnen und Schüler der Primarstufe mehr als 2 km und der Sekundarstufe I mehr als 3,5 km beträgt. Da die meisten Schülerinnen und Schüler wohnortferne Schulen besuchen, besteht für diesen Personenkreis in der Regel ein Anspruch auf Übernahme von Schülerfahrkosten. In Duisburg erhalten Schulkinder mit entsprechendem Anspruch das sog. „Schoko Ticket“, welches die Benutzung des ÖPNV im gesamten VRR rund um die Uhr ermöglicht. Für die
Nutzung der Fahrkarte im Freizeitbereich wird von den Berechtigten gem. § 2 Abs. 3 Schülerfahrkostenverordnung ein Eigenanteil von monatlich zwölf Euro bzw. sechs Euro für Geschwisterkinder erhoben.
Von der Zahlung dieses Eigenanteils befreit sind kraft Gesetz ( § 97 Schulgesetz ) nur die Empfänger von Hilfe zum Lebensunterhalt gem. SGB XII ( Grundsicherung ). Die betroffenen Kinder bzw. Familien erhalten diese Leistungen nicht und haben daher keinen Anspruch auf den Wegfall des Eigenanteils. Da die Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien einem Arbeitsverbot unterliegen und keinen Anspruch auf soziale Grundsicherung nach SGB XII haben, verbleibt als einzige
Einkommensquelle das Kindergeld. Somit können viele Eltern den Eigenanteil nicht bezahlen. Über weitere Befreiungen kann der Schulträger entscheiden. In diesem Fall würde es sich aber um eine freiwillige Leistung handeln.
Da die Haushaltswirtschaft der Stadt Duisburg an den Tatbestandsvoraussetzungen des § 82 Absatz 1 GO NRW auszurichten ist, wurde die Bezirksregierung am 01.07.2011 mit der Bitte angeschrieben, einer Ausnahmeregelung zuzustimmen und die betroffenen Antragsteller vom Eigenanteil zu befreien. Mittlerweile liegt nach einer ersten ablehnenden Antwort der Bezirksregierung und aufgrund der erneuten Intervention der Stadt Duisburg eine weitere Antwort der Bezirksregierung mit Schreiben vom 15.02.2012 vor. Hierin wird ausgeführt, dass „die gegenwärtig besondere Situation in der Stadt Duisburg und das hohe Interesse an einer Beschulung der hier lebenden Migrantenkinder aus Bulgarien und Rumänien die Bezirksregierung Düsseldorf veranlasst, mögliche kommunal- und finanzaufsichtliche Bedenken gegen den Vorschlag der Stadt Duisburg zurückzustellen.
Um den betroffenen Kindern nun letztendlich den Schulbesuch zu ermöglichen und eine Schulpflichtverletzung auszuschließen, wird für den betroffenen Personenkreis bei der Bewilligung der Übernahme der Schülerfahrkosten in der Form eines Schokotickets, ab sofort kein Eigenanteil mehr erhoben.
27. April 2012
Schulministerin Sylvia Löhrmann hat bei ihrem Besuch der Elly-Heuss-Knapp-Schule in Düsseldorf alle Schulen in Nordrhein-Westfalen zur Teilnahme an der Kampagne „Dein Tag für Afrika“ 2012 aufgerufen. „Die Kampagne leistet entwicklungspolitische Bildungsarbeit an Schulen und bringt das Thema Afrika in den Unterricht. Sie motiviert Schülerinnen und Schüler, sich für bessere Bildungschancen von Kindern und Jugendlichen in Afrika einzusetzen. Das ist gelebte Solidarität. Daher empfehle ich allen Schulen in NRW: Macht mit beim Aktionstag, macht mit bei ‚Dein Tag für Afrika’“, erklärte Schulministerin Sylvia Löhrmann.
„Dein Tag für Afrika“ ist eine von der Aktion Tagwerk initiierte Kampagne, die in diesem Jahr bundesweit bereits zum zehnten und in Nordrhein-Westfalen zum neunten Mal durchgeführt wird. Mitmachen können Schülerinnen und Schüler aller Jahrgangsstufen und Schulformen. Der bundesweite Aktionstag ist der 19. Juni. Die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler gehen dabei gegen eine Spende einen Tag lang arbeiten oder beteiligen sich an Hilfsaktionen. Den verdienten Lohn spenden sie für Bildungsprojekte für Kinder und Jugendliche in Burundi, Ruanda und Südafrika. Im vergangenen Jahr beteiligten sich aus Nordrhein-Westfalen rund 85.000 Schülerinnen und Schüler von 233 Schulen. Nordrhein-Westfalen war damit das am stärksten vertretene Bundesland.
Schulministerin Sylvia Löhrmann hat 2010 gemeinsam mit Medienministerin Dr. Angelica Schwall-Düren die Schirmherrschaft für „Dein Tag für Afrika“ in Nordrhein-Westfalen übernommen. In ihrem Aufruf gratulierte die Schulministerin heute in Düsseldorf der Aktion Tagwerk zum zehnjährigen Jubiläum und freute sich über das große Engagement der Elly-Heuss-Knapp-Schule: „Die Elly-Heuss-Knapp-Schule und viele weitere Schulen in Nordrhein-Westfalen sind mit höchstem Einsatz dabei. Dafür gebührt allen ein großes Lob. Ich freue mich sehr, dass die Aktion Tagwerk in diesem Jahr bereits ihr 10-jähriges Bestehen feiert und sich über das ehrenamtliche Engagement junger Menschen auf Bundesebene etabliert hat.“
Jede Schule hat die Möglichkeit, ihren Aktionstag auch an einem selbst gewählten Termin im Schuljahr durchzuführen. Die Elly-Heuss-Knapp-Schule veranstaltete ihren schuleigenen Aktionstag bereits am Dienstag, den 24. April 2012. „Für unsere Schule ist der Aktionstag seit 2004 ein fester Bestandteil im Schuljahr“, berichtete Ludger Traud, Schulleiter der Elly-Heuss-Knapp-Schule. Nora Weisbrod, Geschäftsführerin und erste Vorsitzende von Aktion Tagwerk e.V., betonte: „Noch immer können sich alle Schulformen und Klassenstufen für den Aktionstag 2012 anmelden, es gibt keinen Anmeldeschluss.“
Die Aktion Tagwerk hat mit dem bundesweiten Projekt eine Aktionsform des ehrenamtlichen Schülerengagements geschaffen, um die Bildungssituation von Kindern und Jugendlichen in Afrika zu verbessern. Seit der ersten Kampagne 2003 haben sich fast 1,5 Millionen Schülerinnen und Schüler aus ganz Deutschland an der Kampagne „Dein Tag für Afrika“ beteiligt.
Weitere Informationen zu Aktion Tagwerk und „Dein Tag für Afrika“ finden Sie im Internet: www.aktion-tagwerk.de.
Bei Nachfragen wenden Sie sich bitte an die Pressestelle des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, Telefon 0211 5867 3505 oder -3506.
Weitere Pressemitteilungen:
Girls’ und Boys’Day 2012
Schülerinnen und Schüler lassen sich für das Lesen begeistern
Änderung der Schülerfahrkostenverordnung beendet Ungerechtigkeiten
25. April 2012
Anteil der inklusiv unterrichteten Förderschüler stieg im Schuljahr 2010/2011 um mehr als zehn Prozent – Schulen brauchen fast 10.000 neue Lehrer.
Deutschlands Schulen brauchen fast 10.000 Lehrer mehr als heute, wenn die Schulsysteme aller Bundesländer innerhalb des kommenden Jahrzehnts auf Inklusion umgestellt werden sollen. Zwar könnten dann die meisten Förderschulen geschlossen werden, wodurch Gelder und Stellen frei würden. Unter dem Strich allerdings entsteht ein zusätzlicher Finanzbedarf von rund 660 Millionen Euro pro Jahr. Das hat Bildungsökonom Prof. Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmann Stiftung errechnet.
Deutschland hat sich verpflichtet, Kinder mit und ohne Förderbedarf künftig gemeinsam zu unterrichten. Die Abkehr vom derzeitigen Sonderschulsystem schreibt eine UN-Konvention vor, die am kommenden Montag vor drei Jahren (26. März 2009) in Kraft trat. Besonderen Förderbedarf haben in Deutschland rund eine halbe Million verhaltensauffällige, lern- oder körperbehinderte Schüler. Ihr Anteil an der gesamten Schülerschaft steigt seit mehr als zehn Jahren kontinuierlich. Im Schuljahr 2010/2011 betrug die Förderquote 6,4 Prozent. Ein Jahr zuvor hatte sie bei 6,2 Prozent gelegen.
Bundesweit besucht nicht einmal jeder vierte Förderschüler eine Regelschule. Der Trend allerdings ist eindeutig: Im Schuljahr 2010/2011 stieg der Inklusionsanteil – also der Anteil der Schüler mit Förderbedarf, die nicht auf eine separate Sonderschule gehen – gegenüber dem Vorjahr von 20,1 auf 22,3 Prozent. Spitzenreiter bei der Inklusion ist Schleswig-Holstein. Hier besuchen 49,9 Prozent aller lern- oder körperbehinderten Schüler eine reguläre Schule. Auch Berlin und Bremen weisen bereits heute einen Inklusionsanteil von mehr als 40 Prozent auf. Schlusslicht ist Niedersachsen, wo lediglich 8,5 Prozent der Förderschüler inklusiv unterrichtet werden.
Eine besonders hohe Dynamik verzeichnet Hamburg. Innerhalb eines Schuljahres ist dort der Inklusionsanteil um über die Hälfte gestiegen, von 16,2 auf 24,4 Prozent. Auch Bayern holt auf. Im Schuljahr 2010/2011 waren es dort 20,2 Prozent der Förderschüler, die auf eine Regelschule gingen. Ein Jahr zuvor lag der Inklusionsanteil noch bei 15,7 Prozent. “Inklusion wird mittelfristig zur Normalität an deutschen Schulen. Das stellt die Schulen vor riesige Herausforderungen, die sie nur mit genügend gut ausgebildetem Personal bewältigen können”, sagte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.
Begrüßenswert sei der Grundgedanke der Inklusion auch, weil auf einer Förderschule die Aus-sichten auf einen Schulabschluss nur gering sind. 75 Prozent der Förderschüler, die separat unterrichtet werden, erlangen nicht den Hauptschulabschluss. “Der vermeintliche Schutzraum hat sich für viele als Isolationsfalle entpuppt”, sagte Dräger. Wenn das Ziel erreicht werden solle, die Zahl der Hauptschulabbrecher in Deutschland zu halbieren, führe der Weg nur über eine Reform des Sonderschulsystems.
Umstritten war bislang, welche personelle Ausstattung inklusive Schulen benötigen, um alle Kinder angemessen zu fördern. Mit der neuen Studie der Bertelsmann Stiftung liegt nun erstmals eine Berechnung vor, die den konkreten Bedarf benennt: Bundesweit werden in den kommenden zehn Jahren 9.300 zusätzliche Lehrkräfte gebraucht, sofern jeder Förderschüler mit dem Förderschwerpunkt Lernen, soziale und emotionale Entwicklung und Sprache sowie die Hälfte aller anderen Förderschüler an Regelschulen unterrichtet werden sollen. Umgerechnet bedeutet das im Vergleich zum Schuljahr 2009/2010 zusätzliche Kosten von jährlich rund 660 Millionen Euro, die in voller Höhe ab dem Schuljahr 2020/21 anfallen.
Die Summe entspricht etwas weniger als zwei Prozent der heutigen Gesamtkosten von Schule. “Inklusion ist notwendig und bezahlbar. Aber sie wird dort scheitern, wo Länder sie als Sparmodell betrachten”, sagte Dräger. Das Geld und die Stellen, die an bisherigen Förderschulen frei werden, seien nicht ausreichend, sofern der Umfang der Förderung nicht reduziert werden soll. Eine hinreichende Personalausstattung der Schulen mit Lehrern, Sonderpädagogen, Psychologen und Therapeuten sei – neben dem durchgängigen pädagogischen Prinzip der individuellen Förderung – die wichtigste Voraussetzung für den Erfolg und die Akzeptanz von Inklusion. Umfragen der Bertelsmann Stiftung in jüngerer Zeit hatten gezeigt, dass bei Lehrern und Eltern die Skepsis gegenüber Inklusion nach wie vor groß ist. “Nur wenn alle Schüler vom gemeinsamen Lernen profitieren, wird inklusiver Unterricht den nötigen Rückhalt erfahren”, sagte Dräger.
In seiner Berechnung geht Prof. Klemm davon aus, dass die bisherige Förderung der behinderten und verhaltensauffälligen Kinder vom Umfang her künftig auch in Regelschulen geleistet wird. Für die einzelnen Bundesländer wird der Umbau ihrer Schulsysteme auf inklusiven Unterricht unterschiedlich teuer. Abhängig sind die Kosten von der jeweiligen demographischen Entwicklung. Während in den westlichen Bundesländern im kommenden Jahrzehnt die Schülerzahlen zurückgehen, steigen sie in den meisten östlichen Bundesländern und Stadtstaaten. Vor allem Länder wie Berlin, Hamburg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen, die mehr Schüler als heute erwarten, müssen vergleichsweise große Anstrengungen unternehmen, um genügend Lehrkräfte für das gemeinsame Lernen bereit zu stellen.
So werden in Sachsen 1.607 zusätzliche Lehrkräfte benötigt (jährliche Mehrkosten von 114 Millionen Euro), in Berlin 864 Lehrkräfte (61,3 Mio.), in Mecklenburg-Vorpommern 636 Lehrkräfte (45,2 Mio.), in Brandenburg 626 Lehrkräfte (44,4 Mio.) und in Hamburg 488 Lehrkräfte (34,6 Mio.). Länder mit sinkenden Schülerzahlen sehen in Relation dazu geringeren Mehrkosten entgegen: In Nordrhein-Westfalen werden 1.339 zusätzliche Lehrer benötigt (95,1 Mio.), in Bayern 990 Lehrkräfte (70,3 Mio.), in Sachsen-Anhalt 804 Lehrkräfte (57 Mio.), in Thüringen 636 Lehrkräfte (45,2 Mio.), in Hessen 380 Lehrkräfte (27 Mio.), in Baden-Württemberg 310 Lehrkräfte (22 Mio.), in Niedersachsen 215 Lehrkräfte (15,3 Mio.), in Rheinland-Pfalz 197 Lehrkräfte (14 Mio.), in Schleswig-Holstein 88 Lehrkräfte (6,2 Mio.), in Bremen 66 Lehrkräfte (4,7 Mio.) und im Saarland 43 Lehrkräfte (3 Mio.).
Weitere Informationen und Daten unter Bertelsmann Stiftung oder direkt unter:
Studie: Zusätzliche Ausgaben für ein inklusives Schulsystem in Deutschland (pdf 2.3 MB)
Grafik: Inklusionsanteile im Ländervergleich (pdf 394 KB)
Grafik: Förderquoten im Ländervergleich (pdf 434 KB)
Länderberichte zur Kostenstudie Inklusion
Nordrhein-Westfalen (pdf 57 KB)
20. April 2012
Helmut Schorlemmer im Gespräch mit Joachim Scholl
An vielen Schulen findet heute Unterricht statt, der von Unternehmen gesponsert wird. Die Materialien müssten von Lehrern gründlich geprüft werden, meint Helmut Schorlemmer, NRW-Beauftragter für Schulsponsoring. Die Unternehmen würden allerdings ihren Bildungsauftrag ernst nehmen.
Joachim Scholl: Wirtschaftsunterricht in Schulen, darüber wurde in den letzten Jahren viel diskutiert, und er wurde vielerorts gefordert. Dass Informationen über Geld, Vermögen, Vorsorge etwa nötig sind, darüber sind sich Pädagogen wie Politiker einig. Inzwischen findet ein solcher Unterricht tatsächlich statt, vielerorts unterstützt, gesponsert von Wirtschaftsunternehmen selbst, durch kostenlose Unterrichtsmaterialien und eigene Mitarbeiter, die in den Schulen Kurse veranstalten.
Und hier wird die Sache kritisch, wie jetzt eine Untersuchung der Bundesverbraucherzentrale festgestellt hat. Gestern war hier im “Radiofeuilleton” Tatjana Bielke von der Verbraucherzentrale zu Gast, und das war ihr Befund:
Tatjana Bielke: “Wir haben ja ein Werbeverbot an deutschen Schulen, das heißt also Product-Placement so funktioniert nicht, aber es wird eben tendenziös berichtet. Das heißt, es wird kurzerhand mal das Solidarprinzip zum Beispiel für null und nichtig erklärt, als nicht funktionierend, um dann hinterher zu sagen, private Altersvorsorge ist das, was wir brauchen, und da gibt es halt entsprechende Unternehmen.”
Scholl: Soweit Tatjana Bielke von der Bundesverbraucherzentrale über Sponsoring an Schulen. An einer solchen, nämlich dem Pestalozzi-Gymnasium in Unna ist Helmut Schorlemmer Direktor, und zugleich ist er der Beauftragte für Schulsponsoring des Landes Nordrhein-Westfalen.
Er ist jetzt am Telefon, guten Morgen, Herr Schorlemmer!
Helmut Schorlemmer: Guten Morgen!
Scholl: Die Bundesverbraucherzentrale hat die Unterrichtsmaterialien einer bestimmten Finanzgruppe analysiert und kommt eben zu dem Schluss, hier finde keine objektive Schulung statt, sondern Eigenwerbung, Lobbyismus. Sie, Herr Schorlemmer, werden in Ihrer Funktion sehr vielfältige Materialien solcher Art gesichtet haben. Können Sie denn den Verdacht der Verbraucherzentrale auf verdeckten Lobbyismus bestätigen?
Schorlemmer: Es gibt mit Sicherheit solche Materialien, die auch an die Schulen geliefert werden oder auch Angebote für den Unterricht, und da ist es in der Verantwortung der Schule, jedes einzelnen Lehrers, dies zu verhindern. Nicht nur die Landesverfassung hat ein Neutralitätsgebot auch in anderen Landesverfassungen gesetzt, damit man eben einseitige Beeinflussung verhindert.
Scholl: Sie, Herr Schorlemmer, haben in einem Vortrag zum Thema gerade auf den Unterschied auch zwischen allgemeinem Mäzenatentum, Spendentum und Sponsoring ausdrücklich hingewiesen. Der Sponsor will auch etwas von einem Engagement haben, schreiben Sie, Sponsoring sei immer auch Imagewerbung. Klarer Zusammenhang, aber eben haben Sie das Neutralitätsgebot schon genannt, es darf eigentlich keine Werbung gemacht werden, wie geht das zusammen?
Schorlemmer: Ja, verboten ist in allen Bundesländern die direkte Produktwerbung, die Imagewerbung folgt dem Prinzip: Tue Gutes und rede darüber. Das heißt, wenn also tatsächlich bildungsrelevante Unterstützung in den Schulen ankommt, von Bewerbungstrainings bis vielleicht die Unterstützung von Theater-AGs oder von Schülerunternehmen, dann kann man im defensiven Rahmen in Pressekonferenzen, bei Veranstaltungen der Schule den Sponsor nennen.
Das ist ein Eingriff in Inhalte oder Unterricht, und meine Erfahrung ist, dass die Unternehmen oder selbstständigen Organisationen, die die Schule unterstützen, Schule auch ernst nehmen in ihrem Auftrag, sowohl Bildungs- und Erziehungsauftrag, und dann gibt es keine Beeinflussung, und das ist ganz klar die rote Linie, die nicht überschritten werden darf, und in der Verantwortung des Schulleiters und der einzelnen Lehrerin, des einzelnen Lehrers liegt diese Hauptaufgabe.
Scholl: Wie verbreitet ist denn so ein zusätzlicher Wirtschaftsunterricht inzwischen?
Schorlemmer: Das ist unterschiedlich, weil wir haben 16 Bundesländern und 16 Regelungen, da gibt es unterschiedliche Konstruktionen. Aber in allen Bundesländern, auch in Nordrhein-Westfalen, ist der ökonomische Anteil zumindest ein Drittel, teilweise kann er auch erhöht werden. Und ökonomische Bildung ist ja auch nachher in der Praxis für die Schülerinnen und Schüler von der Verbraucherbildung bis hin zu Finanzprodukten ganz wichtig.
Und da ist es eben auch wichtig im Sinne der Grundkriterien der politischen Bildung, dafür zu sorgen, dass das, was in der Realität kontrovers ist, auch im Unterricht kontrovers zu behandeln mit allen Positionen, und das erste Gebot dieses sogenannten Beutelsbacher Konsenses ist es, für ein Überwältigungsverbot zu sorgen, dass Schüler eben nicht indoktriniert werden.
Und es ist klare Leitlinie für alle Fächer – nicht nur für die Politik oder die Ökonomie -, in denen politische Bildung erfolgt, und das müssen wir auch eingrenzen im Sinne des mündigen Bürgers. Wir müssen dafür sorgen, dass wir die Schülerinnen und Schüler ernst nehmen, und ihnen ihre Entfaltungsmöglichkeiten bieten und sie dabei unterstützen.
Scholl: In diesem konkreten Fall, den die Verbraucherzentrale untersucht hat, da geht es um Finanzen und Versicherungen, da sind der Allianz-Konzern, die McKinsey-Unternehmensberatung dabei, und hier hat man eben zum Beispiel festgestellt, dass nicht nur ganz massiv etwa für die private Vorsorge geworben wird mit Blick auf das eigene Unternehmen, sondern auch das traditionelle Rentensystem, das ja auf dem Solidarprinzip basiert, diskreditiert wird. Wenn Sie dieses Material gesehen hätten, hätten Sie gesagt, hier ist Stopp?
Schorlemmer: Wenn ein Material so einseitig angelegt ist, dass es gegen wesentliche Grundprinzipien jetzt auch der Verfassung und der sozialen Gesetze verstößt, dann wird gestoppt, andererseits könnte man es auch benutzen, um mit den Schülern genau herauszuarbeiten, dass das unzulässig ist. Im Geschichtsunterricht werden ja auch zum Teil Originaltexte aus dem Nationalsozialismus verwendet. Hier gibt es ja auch dann die Möglichkeit, wirklich sehr intensiv sich damit auseinanderzusetzen, und man sollte auch die Schülerinnen und Schüler nicht unterschätzen.
Das ist ja das Gute, wenn man einen Konzeptsatz der Selbstständigkeit und er Verantwortung in der Schule – dann werden Schülerinnen und Schüler Ihnen fast von allein schon drauf kommen und sagen, da stimmt doch was nicht. Und das ist Aufgabe des Lehrers, dies auf jeden Fall umzusetzen, und noch mal, es gibt ja auch Curricula und Lehrpläne, in die die Materialien eingebunden sind.
Vielleicht auch noch mal ein Hinweis, die Schulbuchverlage haben ganz hervorragende Produkte, mit denen man arbeiten kann, auch das sollte man nicht vergessen. Man muss nicht unbedingt auf Materialien von außen zurückgreifen.
Scholl: Wirtschaftsunterricht gratis oder verdeckter Lobbyismus? Deutschlandradio Kultur im Gespräch mit dem Beauftragten für Schulsponsoring des Landes Nordrhein-Westfalen, Helmut Schorlemmer. Ja, Stichwort Lehrer und Schüler im direkten Kontakt, zusätzlich zum kostenlosen Material kommen ja auch durchaus Mitarbeiter der Firmen in die Schule, also jene Finanzgruppe, von der wir gerade gesprochen haben, etwa schickt 450 sogenannten Coaches, um den Schülern die Finanzwelt zu erklären.
Das hört sich ja erst mal gut an, aber, Herr Schorlemmer, sind das wirklich Lehrer, die jetzt dann doch beide Seiten einer Medaille zeigen? Ich stelle mir auch vor, dass es für einen Lehrer schwierig ist, dann kritisch über dieses Thema zu sprechen, wenn da so ein Herr nebendran steht, der ja doch eine ganz andere Einstellung hat, oder?
Schorlemmer: Ja, andererseits sollten Sie das Selbstbewusstsein der Kolleginnen und Kollegen nicht unterschätzen. Und wenn Sie dieses Feld ansprechen, es gibt ja in allen möglichen Fächern Unterstützung, auch für den Biologieunterricht durch einen Arzt oder Mediziner zum Beispiel, das ist nur politisch nicht so relevant. Die Kolleginnen und Kollegen sind ja ausgebildete Politiklehrer und Sozialwissenschaftler, und von daher ist es ihr Auftrag, und es ist völlig klar – darauf leisten sie auch einen Amtseid -, dafür zu sorgen, dass eben Manipulation, einseitige Indoktrination nicht passiert.
Zum anderen, wie gesagt, ist das ja alles eingebunden in Curricula und auch in Lehrpläne, die in den Fachkonferenzen verabschiedet worden sind. Das wird zum Teil ja auch in den Schulkonferenzen dann transportiert, da sind sehr viele Instanzen eingebaut, sodass das nicht passiert. wo in den einzelnen Fällen dies passiert und aufgedeckt wird, ist der Schulleiter gefordert, da für Abhilfe zu sorgen.
Also in meinem Überblick der vielen Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen stelle ich jetzt einen Eingriff so in der Menge nicht fest. Bei diesen Materialien muss man sehr aufpassen, die muss man sich sehr gründlich angucken, und da ist wirklich der einzelne Lehrer, die einzelne Lehrerin, die Fachkonferenz verantwortlich, das wirklich ganz kritisch zu prüfen. Das ist in die Verantwortung der Lehrerinnen und Lehrer gelegt, da habe ich aber an sich sehr viel Vertrauen in die Kolleginnen und Kollegen.
Scholl: Dieses Sponsoring, das nimmt ja doch also richtig große Züge an, was ja auch zu begrüßen ist, dass die Wirtschaft sich hier engagiert, aber ein Kollege erzählte uns gestern, es fängt auch schon im Kindergarten an, sein Sohn bekam in der Kita ein gestiftetes Buch über Autos geschenkt und hat natürlich begeistert geblättert, und merkwürdigerweise – hat es dann dem Papa gezeigt, und der sah dann, dass merkwürdigerweise alle Autos einen Stern trugen.
Schorlemmer: Ja, ich halte es auch für wichtig, alle pädagogisch Verantwortlichen zu sensibilisieren. Ich habe diese Tatsache schon in meiner Studie “Werbung und Sponsoring in der Schule”, die ich 2005 schon gemacht habe für den Bundesverband Verbraucherpolitik, Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin, da war schon ein sehr aggressives Vorgehen in den Kindergärten zu beobachten, um sehr früh dort Marken zu platzieren.
Und das kann nicht im Sinne der Eltern sein, der Schüler, aber auch nicht im Sinne der Gesellschaft, einseitige Manipulationen zu fördern. Wir brauchen kreative Köpfe, auch Unternehmen brauchen Querdenker, und wenn wir von intelligentem Wissen reden in einem rohstoffarmen Land, bedeutet intelligentes Wissen, dass man auch kontroverse Positionen wahrnimmt und sehr vernetzt denkt, auch in Kontroversen. Insofern müsste man auch die Kindergärten, die dortigen Mitarbeiter sensibilisieren, solche Produkte nicht vorzulegen. Im Kindergarten schon gar nicht!
Scholl: Wann wird Schulsponsoring zum Lobbyismus und wann beginnt er? Das war Helmut Schorlemmer, der Beauftragte für Schulsponsoring des Landes Nordrhein-Westfalen und Direktor am Pestalozzi-Gymnasium in Unna. Ich danke Ihnen für das Gespräch!
Schorlemmer: Ich danke Ihnen!
Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.
4. April 2012
Jedes Jahr, das jemand zusätzlich in Schule, Ausbildung oder Studium investiert, erhöht sein späteres Einkommen durchschnittlich um fünf Prozent. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor.
Knapp 14 Jahre haben die deutschen Beschäftigten durchschnittlich im Bildungssystem verbracht, also in der Schule, in der Berufsausbildung oder im Studium. Rein rechnerisch bringt jedes Jahr fünf Prozent mehr Lohn.
Ein Beschäftigter, der 16 Jahre in seine Bildung investiert hat, hat also über das ganze Erwerbsleben hinweg im Durchschnitt ein um 25 Prozent höheres Einkommen zu erwarten als jemand, der das Bildungssystem nach elf Jahren verlassen hat.Dabei handelt es sich natürlich nur um rechnerische Durchschnittswerte: Wer nach drei Jahren sein Studium ohne Abschluss abbricht, profitiert weniger als jemand, der seinen Abschluss macht. Bummelstudenten verdienen nicht mehr als die anderen Studierenden, Sitzenbleiber nicht mehr als diejenigen, die ohne Wiederholung das Schulsystem durchlaufen.
Frauen und Männer gewinnen in Deutschland gleichermaßen Frauen und Männer erzielen in Deutschland in etwa die gleiche Bildungsrendite. In anderen Ländern gibt es dagegen häufig geschlechtsspezifische Unterschiede: Meist profitieren Frauen noch stärker als Männer von mehr Bildung.
Die Berechnungen des IAB beziehen sich auf das Einkommen während des gesamten Erwerbslebens. Sie berücksichtigen nicht nur die Brutto-Löhne, sondern auch das Steuer- und Abgabensystem, die durchschnittliche Erwerbsbeteiligung im Lebensverlauf unter Berücksichtigung von Arbeitslosigkeit und Familienpausen sowie staatliche Leistungen wie Arbeitslosenunterstützung und Elterngeld.
Die IAB-Studie steht im Internet unter http://doku.iab.de/kurzber/2012/kb0512.pdf
Wolfgang Braun | Quelle: Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen: www.iab.de
doku.iab.de/kurzber/2012/kb0512.pdf